Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 18. Februar 2026 von lyrikzeitung
195 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Heute mal wieder ein Gedicht mit Zeilenkommentar, und als Bonus eine Textverbesserung.
Christian Morgenstern
Die beiden Flaschen
Zwei Flaschen stehn auf einer Bank,
die eine dick, die andre schlank.
Sie möchten gerne heiraten.
Doch wer soll ihnen beiraten?
Mit ihrem Doppel-Auge leiden
sie auf zum blauen Firmament ..
Doch niemand kommt herabgerennt
und kopuliert die beiden.
Kommentar
Zeile 7 und 8: Das Christentum hat nichts für Flaschen übrig, also kommt auch kein Engel »herabgerennt«.
Die Fassung dieses Gedichtes für deutsche Lesebücher und Schul-Anthologien wurde vom Lehrkollegium wie folgt festgesetzt:
Zeile 3 und 4:
Sie möchten gerne Kuchen essen. Doch der Himmel hat sie vergessen.
Und Zeile 6 bis 8:
sie auf zum blauen Wolkenraum. Doch niemand hört dort ihren Traum und kuchenbäckt den beiden.
Quelle: SECHSUNDZWANZIG GALGENLIEDER UND DEREN GEMEINVERSTÄNDLICHE DEUTUNG DURCH JEREMIAS MUELLER, DR. PHIL, PRIVATGELEHRTER
Wo Geist und Torheit recht sich gattet, ist das Erlösende gestattet, indes wo eins von beiden fehlt, des Lebens Lampe übel schwelt.
Murten: Luciferata I, 9, Pagina 77
Jeremias Mueller
Aus: Christian Morgenstern: Gesammelte Werke in einem Band. Neuausgabe Juni 1989. (Serie Piper Band 1967) . 18. Aufl., 169.-173. Tausend, Oktober 1991 (1. Aufl., 11.-15. Tausend dieser Ausgabe), S. 220f
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Christian Morgenstern, Christian Morgenstern Gedicht, deutsche Nonsenslyrik, Die beiden Flaschen Analyse, Galgenlieder Textvergleich, ironischer Kommentar, Jeremias Mueller Kommentar, literarische Zensur, Morgenstern Originaltext, Schulbuchfassung Morgenstern, Selbstkommentar
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare