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Veröffentlicht am 2. Februar 2026 von lyrikzeitung
125 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Cong Rong 《抗日战争》
ANTI-JAPANISCHER KRIEG
Oma flüchtet,
lässt Song-Porzellan und Jade zurück,
hat meinen Onkel in ihrer Hand.
Die Flüchtlinge drängen sich oben am Berg,
halten den Atem an.
Jemand steckt den Kopf raus und fragt:
Was ist, wenn das Kind weint?
Die ganze Gruppe will Oma und das Kind weghaben.
„Wenn es weint, drück ich es tot,
eure Sicherheit ist nicht in Gefahr!"
Sechzig Jahre später frag ich sie,
und wenn der Onkel geweint hätt?
„Dann hätt ich ihn totdrücken müssen."
Aus: Brett voller Nägel / 布满钉子的木板. Neue Poesie aus China. Band 1: A–J. Hrsg. von Juliane Adler und Martin Winter. Aus dem Chinesischen übersetzt von Martin Winter. Wien: Literatur- und Kunstverein fabrik.transit, 2021, S. 175
Cong Rong, Dichterin, Dramatikerin, Drehbuchautorin. Bekannt für ihre Zen-Gedichte.

Kategorie: China, ChinesischSchlagworte: Anti japanischer Krieg Gedicht, Übersetzung Martin Winter, Brett voller Nägel, chinesische Lyrik, Cong Rong, Familienerinnerung Lyrik, Kriegsgedicht China, Martin Winter, neue chinesische Poesie, 抗日战争
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