es frisst der Mensch, um Mensch zu sein

141 Wörter, 1 Minute Lesezeit.

Hermann Kükelhaus 

(* 4. August 1920 in Essen; † 30. Januar 1944 in Berlin)

Ich habe zweierlei Gesicht, 
doch ganz genau weiss ich das nicht.

Ich habe rechts und links ein Bein –
O, welches mag das bessre sein?

Auch von den Seelen hätt' ich zwei –
die eine sei ihr Konterfei

und sitze tiefer als die andre –
und überhaupt: die Seele wandre.

Hätt' ich ein Auge, weiss wie Schnee,
mir täten keine Farben weh –

Die Erde sei, weiss Gott, fast rund –
nur schöner wär' ein Mädchenmund.

Und manchmal ist der Himmel blau,
wenn Sonne scheint – sonst ist er grau.

Wie kommt es nur auf dieser Welt,
dass man sich auf die Füsse stellt? –

Der liebe Gott mög' uns verzeihn,
es frisst der Mensch, um Mensch zu sein.

Aus: Hermann Kükelhaus: … ein Narr der Held. Briefe und Gedichte. Herausgegeben von Elizabeth Gilbert. Vorwort von Hugo Kükelhaus. Zürich: Diogenes, 1964, S. 71f

One Comment on “es frisst der Mensch, um Mensch zu sein

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..