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Veröffentlicht am 7. Januar 2026 von lyrikzeitung
141 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Hermann Kükelhaus
(* 4. August 1920 in Essen; † 30. Januar 1944 in Berlin)
Ich habe zweierlei Gesicht,
doch ganz genau weiss ich das nicht.
Ich habe rechts und links ein Bein –
O, welches mag das bessre sein?
Auch von den Seelen hätt' ich zwei –
die eine sei ihr Konterfei
und sitze tiefer als die andre –
und überhaupt: die Seele wandre.
Hätt' ich ein Auge, weiss wie Schnee,
mir täten keine Farben weh –
Die Erde sei, weiss Gott, fast rund –
nur schöner wär' ein Mädchenmund.
Und manchmal ist der Himmel blau,
wenn Sonne scheint – sonst ist er grau.
Wie kommt es nur auf dieser Welt,
dass man sich auf die Füsse stellt? –
Der liebe Gott mög' uns verzeihn,
es frisst der Mensch, um Mensch zu sein.
Aus: Hermann Kükelhaus: … ein Narr der Held. Briefe und Gedichte. Herausgegeben von Elizabeth Gilbert. Vorwort von Hugo Kükelhaus. Zürich: Diogenes, 1964, S. 71f
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: … ein Narr der Held, deutsche Lyrik 20. Jahrhundert, Diogenes Verlag, existenzielle Lyrik, frühe Moderne, Gedicht des Tages, Gedicht Hermann Kükelhaus, Hermann Kükelhaus, Ich habe zweierlei Gesicht, Identität und Zweifel, ironische Lyrik, Lyrikzeitung
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Zeitlos wunderschön.
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