Polydora

271 Wörter, 1 Minute Lesezeit.

Georg Friedrich Daumer (* 5. März 1800 in Nürnberg; † 13. Dezember 1875 in Würzburg, Pseudonyme: Dr. Amadeus Ottokar, Eusebius Emmeran) war ein deutscher Religionsphilosoph und Lyriker. Bekannt wurde er auch als Erzieher von Kaspar Hauser. https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Friedrich_Daumer

Bekannt wurde er auch als Sammler und Nachdichter (z.B. Hafis, Volkslieder vieler Länder). Aus einer wunderlichen Sammlung: Polydora. Ein weltpoetisches Liederbuch. Literarische Anstalt, Frankfurt am Main 1855, hier 3 Beispiele aus 2 oder 3 Sprachen, die sich nicht so genau nennen lassen. Das erste handelt von der Liebe, und die beiden anderen? Wohl eher von mythischem Geschehen am baltischen Götterhimmel. Die Sonne und irgendwelche himmlischen Söhne und Töchter sowie Perkun, der Himmels- und Gewittergott, sind die Protagonisten. Geht es da lustig zu oder gar blutig? Jedenfalls leicht, fremd und von archaischer Bildkraft.

Ruthenisch
aus Galizien.


Es traten ein zu meiner Pforte,
Um mich zu freien, drei Gesellen;
Der eine gab mir schöne Worte
Und schöne Bänder, zwanzig Ellen.

Süß tönet’ auch des andern Bitte,
Dazu beschenkt’ er reich mit Golde;
Nur eine Rose gab der dritte,
Und sagte nichts, der Wunderholde.

Ich ließ die Bänder, ließ die Schätze;
Der war so häßlich, der so lose.
Ich merkte nicht auf ihr Geschwätze;
Ich wandte mich und nahm die Rose.
Lettisch-littauische
Volkspoesie.


II.
Die Sonne scheint so finster heut;
Was hat man ihr zu leid gethan?
Die Söhne Gottes fuhren ihr
Die Töchter auf der Schlittenbahn
Und warfen um, die heftigen,
Im Fahren überkräftigen,
Und schleuderten die Mägdelein,
Die zarten, in den Schnee hinein.
III.

Perkun wetterte,
Perkun schmetterte
Nieder die Eiche, so grün und breit —
Ach, wie Leid
Ist mir um die gute!
Mir besprengt
Kranz und Kleid
Wurde von ihrem Blute.

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