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Veröffentlicht am 27. Oktober 2025 von lyrikzeitung
165 Wörter, 1 Minute Lesezeit
Heute vor 80 Jahren, am 27. Oktober 1945, wurde Reinhard Priessnitz in Wien geboren.
Sein Werk gilt als eine der prägnantesten Sprachbefragungen der österreichischen Nachkriegsavantgarde – zwischen Konkretion, Reduktion und musikalischer Sprachauflösung.
Für heute „am offenen mehr“.
Reinhard Priessnitz
(* 27. Oktober 1945 in Wien; † 5. November 1985 ebenda)
am offenen mehr
nu, warum blust de die trompeit?
j. van hoddis
weniger hintern, auge, hirn,
das wär schon alles. weniger hand,
gut. weniger schrift. das bild weg;
weniger worte. keine schaltungen,
ausflüsse, kein dampf! wegtutend
fortschreiben. weniger wellen.
kein papier mehr. weniger auch
arschposaunen. abblasen. kein jetzt!
Aus: Atlas der neuen Poesie. Hrsg. Joachim Sartorius. Reinbek: Rowohlt, 1995, S. 219
Reinhard Priessnitz war Autor, Lektor, Essayist und eine Schlüsselfigur der österreichischen Avantgarde der 1970er und 1980er Jahre.
Sein Werk gilt als präzise Reflexion über Sprache selbst – zwischen Philosophie, Poesie und Musik. Das kurze, komplex verschaltete Gedicht „am offenen mehr“ spielt mit Auflösung, Klang und Abwesenheit – ein ironisches Echo auf den Expressionismus und eine Selbstverweigerung des Pathos.
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: 1980er Jahre, am offenen mehr, Atlas der neuen Poesie, Avantgarde, österreichische Lyrik, Expressionismus, Jakob van Hoddis, Joachim Sartorius, Konkrete Poesie, Lyrikzeitung, Minimalismus, Nachkriegslyrik, Reduktion, Reinhard Priessnitz, Sprachkritik, Sprachkunst, Wiener Gruppe
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