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Veröffentlicht am 30. August 2025 von lyrikzeitung
96 Wörter, 1 Minute Lesezeit
Katharina Hacker
Geburt
ich erinnere mich an den Operationssaal daß
ich den Schnitt nicht hörte zu meinem Erstaunen
nur die Bewegungen spürte und den Anästhesisten
sah während sie den Bauch öffneten und einen
kurzen Moment tasteten nach dem Kind das
erschreckt aufwachte nehme ich an vorher
hatte es noch geschlafen ganz deutlich
der Kopf lag geborgen knapp unter den Rippen
ich hätte gerne gesehen wie es die Augen aufschlug
um sie im überhellen Licht gleich wieder zu schließen
zu schreien kurz nur daran erinnere ich mich
Aus: Katharina Hacker, Überlandleitung. Prosagedichte. Berlin: Suhrkamp, 2007, S. 87
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Überlandleitung Prosagedichte, deutsche Autorinnen, Erinnern und Erzählen, Erinnerung in Echtzeit, erste Person Singular, fließende Syntax, Geburtserfahrung, Geburtsmoment, Gegenwartslyrik, Hacker Geburt Gedicht, Kaiserschnitt, Katharina Hacker, Körperbewusstsein, körpernahe Lyrik, Kindheit & Anfang, Licht & Überwältigung, poetisches Erzählen, Prosagedicht, reduktive Sprache, Schmerz und Wahrnehmung, Suhrkamp Verlag, weibliche Körperlichkeit
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