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Veröffentlicht am 1. Juni 2025 von lyrikzeitung
Eugene Ostashevsky
Auf tritt Morris Imposternak, verfolgt von Ironien, 11.
Nachdem die Poesie aufgehört hatte
Und die Welt nur noch aus unbelebten Strukturen bestand
Ein unfertiges weil unterfinanziertes Gebäude
Mitten im Müll und den Stimmen
Von Narren und Mördern auf der Jagd nach Gott
(Heißt zu wissen, wie man liebt
Auch zu wissen, wie man aufhört?)
Entschloss sich Morris Imposternak
Weil ihm Sprache
Als Ausdruck von Machtkämpfen und dem zivilen
Kannibalismus des Sozialen
Nichts mehr bedeutete
Seine Arbeit an der Dichtung
Ebenfalls einzustellen
Wie schade! Wär vielleicht ein annehmbares Gedicht geworden ...
Doch was hätte es sagen können? Man muss schon ein Profi
sein, um eine wahre Aussage zu treffen. Ach, und ein
Gedicht zu schreiben ohne wahre Aussage ist, als würden
die Arme in Schwimmbewegungen kreisen, während die
Füße noch am Fliesenboden des Beckens kleben!
Aus: Auf tritt Morris Imposternak, verfolgt von Ironien. Aus dem Amerikanischen von Uljana Wolf. Berlin: SuKuLTuR, 2016, 2. Aufl., 1. 2010 (Schöner lesen 94), S. 20
Kategorie: Englisch, USASchlagworte: Eugene Ostashevsky, Uljana Wolf
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