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Veröffentlicht am 8. Mai 2025 von lyrikzeitung
Evelyn Schlag
SCHWARZE TRÄNEN
Auf einem wilden Kletterpfad lief
eine Frau quer über Panzerteile
ihr Gesicht war durchgestrichen
kann sein sie lebte gar nicht mehr
nur laufen war geblieben – das hatte
ich nie glauben wollen wie so vieles
nicht: achtgeben daß man sich
nichts eintritt gestern hatte ich das
Pech und stieg auf eine blaue Nuß
ich wollte schnell über einen Berg
von Abfall und fing an zu galoppieren
etwas sang in meinen Ohren – keine
Sprache Befehle keine Ausrufzeichen
es war fast wie zu Ostern damals als
ich neu war und allen Namen nachlief
der Rost steigt in die Nase ist nicht
zu vermeiden bei so viel Schrott
ich kannte das nicht – hatte immer
einen guten Platz mit zweimal Essen
ich möchte wissen wo die jetzt alle
sind – aufgelöst in Wetter? ich heule
schwarze Töne schwarze Tränen –
kommt her!
Aus: Sinn und Form 3/2025, S. 340
Evelyn Schlag, geb. 1952 in Waidhofen/Ybbs (Niederösterreich), wo sie auch lebt.
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: Evelyn Schlag
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