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Veröffentlicht am 9. November 2023 von lyrikzeitung
Jehuda Amichai
(hebräisch יְהוּדָה עַמִּיחַי Jəhūdah ʿAmmīchaj; * 3. Mai 1924 in Würzburg; † 22. September 2000 in Jerusalem; eigentlich Ludwig Pfeuffer, 1946 Namensänderung zu Amichai, hebr. „Mein Volk lebt“)
Sieben Klagen für die Gefallenen
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Ich stieß auf ein altes Zoologiebuch,
Brehm, Band II, Vögel:
In süßer Sprache eine Beschreibung vom Leben der Stare,
Drosseln und Schwalben.
Mit Fehlern, aber mit viel Liebe, stand in alten gotischen
Lettern:
»Unsere gefiederten Freunde« wandern von uns in wärmere
Länder. Nest,
gesprenkeltes Ei, dünnes Federkleid, Nachtigall,
Storch, »Boten des Frühlings«, Rotkehlchen.
Erscheinungsjahr: 1913, Deutschland,
am Vorabend des Krieges, der Vorabend meiner Kriege war.
Mein guter Freund, der in meinen Armen starb,
in seinem Blut, am Strand von Ashdod im Juni 1948.
O mein Freund,
Rotkehlchen.
5 Dicky wurde getroffen wie der Wasserturm von Jad Mordechai. Getroffen. Ein Loch im Bauch. Alles kam herausgeflossen. Aber er blieb so stehen in der Landschaft meines Erinnerns, wie der Wasserturm von Jad Mordechai. Er fiel nicht weit von hier, ein bisschen nördlich von Chuleikat.
Aus: Jehuda Amichai: Gedichte. Hrsg. u. aus dem Hebräischen übersetzt von Hans D. Amadé Esperer. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2018, S. 53f
Kategorie: Hebräisch, IsraelSchlagworte: Jehuda Amichai
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