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Veröffentlicht am 14. Juni 2017 von lyrikzeitung
Bevor ich Borcherts „Nachts schlafen die Ratten doch“ las, kannte ich dies: „Nachts weinen die Soldaten“. Ich war sehr jung, Quasimodos Buch war eins der ersten aus der „Weißen Lyrikreihe“ des Verlages Volk und Welt, genauso legendär wie das im gleichen Jahr beginnende „Poesiealbum“.
Nachts weinen die Soldaten
Weder das Kreuz noch die Kindheit,
nicht der Hammer von Golgatha, nicht die engelsreine
Erinnerung genügen, den Krieg zu zerschlagen.
Nachts weinen die Soldaten,
bevor sie sterben, sie sind stark,
sie fallen zu Füßen von Worten,
erlernt unter den Waffen des Lebens.
Liebende Nummern, Soldaten,
namenlose Tränen.
Salvatore Quasimodo: Unmerklich tanzt die Zeit. Gedichte. Berlin: Volk und Welt, 1967, S. 119
Übersetzt von Gianni Selvani
Am 14. Juni 1968 starb der Dichter in Neapel.
Kategorie: Italien, ItalienischSchlagworte: Gianni Selvani, L&Poe-Anthologie, Salvatore Quasimodo
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