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Veröffentlicht am 14. Juli 2016 von lyrikzeitung
Dada ist und war schon immer das Produkt seiner eigenen Tradierung. Das gilt auch für Balls «Eröffnungs-Manifest», das diese Bezeichnung erst seit 1966 trägt – es erhielt sie also knapp vierzig Jahre nach dem Tod des Autors und fünfzig Jahre nach der Genese von Dada, als im Jubiläumseifer ein Bedarf an Gründungsdokumenten wach wurde.
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Die Probleme beginnen bei offensichtlichen Versehen, die aber nicht nachkorrigiert wurden. So heisst es im Originaltext über die Dada-Vokabel: «Ein internationales Wort. Sehr leicht zu verstehen. Es ist ganz furchtbar einfach.» In der Abschrift geht aus dem letzten Satz durch eine simple Wortvertauschung jedoch eine Sinnentstellung hervor: «Es ist einfach furchtbar.» Durch eine Unachtsamkeit beim Abtippen entsteht eine völlig konträre Bedeutung, die vielleicht Balls Unbehagen an Dada besser zum Ausdruck bringen mag, jedoch alles andere als Texttreue beweist. / Magnus Wieland, Neue Zürcher Zeitung

Kategorie: Deutsch, Deutschland, SchweizSchlagworte: Dada, Hugo Ball, Magnus Wieland, Zürich
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