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Veröffentlicht am 23. Februar 2013 von lyrikzeitung
Franz Xaver Kroetz im Welt-Interview:
In Ihrem Gedichtband „Heimat Welt“ von 1996 fordern Sie „Stacheldraht“ für Ihre Sätze und „Sicherheitsverwahrung“ für Ihre Gedanken. Wie gefährlich kann Lyrik sein?
Ich neige ja grundsätzlich zur Destruktion – auch mir selbst gegenüber. Bei dem Gedicht, das Sie zitieren, habe ich im Rückblick das Gefühl, als wollte da einer seine rebellische Gesinnung thematisieren. Aus heutiger Sicht erscheint mir das gefährlich: Dass der Autor sich im Gedicht quasi an eine rebellische Existenz heranschleicht, die er in Wirklichkeit aber niemals eingelöst hat: „Kir Royal“ hat er gespielt.
Und sonst – was hat gefehlt?
Er ist niemals zur RAF gegangen und gestorben! Um es mal zuzuspitzen. Und er war immer ein Mercedesfahrer. (Schlägt mit der Faust auf den Tisch.) In diesem Gedicht steckt mein großer Wunsch nach einer Existenz, die Spuren hinterlässt – es muss ja nicht mit Waffen sein, sondern es kann auch der Einsatz für ein Dritte-Welt-Projekt sein. Rückblickend lese ich das mit Interesse: Das ist ein Teil meiner Biografie, dieser ewige Wunsch, politisch und gesellschaftlich zu wirken. Aber nur weil man in die DKP eintritt und dort ein paar Operettenauftritte hat, ändert man die Welt nicht.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Franz Xaver Kroetz
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