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Die Verse von Ulla Hahn sind leicht zugänglich. Während sich viele junge Poeten der Gegenwart in blumiger Wortgewalt üben und nicht selten sich und den Leser schwindlig schreiben, bleiben Ulla Hahns Gedichte nüchtern. Das „anständige Sonett“, das seit seiner Erstveröffentlichung 1981 längst den Weg in Oberstufenunterricht und Schulhefte gefunden hat und in dem Hahn wohl von der Form, nicht aber vom Inhalt dem strengen Anspruch des Sonetts entspricht, wird in seiner wortwitzelnden Schönheit noch einmal abgedruckt. Der Liebesakt ist das Thema, und seine Wiederholung im Kehrreim ist überaus deutlich beschrieben, die lyrischen Bilder und ihre Kraft treiben den Leser im Enjambement durch die Zeilen („küss / mich wo’s gut tut.“).
Auf das Anständige verzichtet die Dichterin nun ganz und stellt „Ein ständiges Sonett“ gegenüber, es wird „gegeben“ und (sich gegenseitig) „genommen“. Mit Leichtigkeit und einer gehörigen Portion Humor entledigt Hahn sich so des drohenden, aufkommenden Spießbürgerlichkeitsmuffs. In „Bildlich gesprochen“ findet das lyrische Ich eine Blume und gräbt sie – Goethes „Gefunden“ eingedenk – „mit allen Wurzeln aus“. Das reicht aber nicht: „und wärst du ein Stern ich knallte / dich vom Himmel ab.“ Hahn steigert die Bildsprache und nimmt es wörtlich: „Ich herze dich / ich lunge dich / ich haute haare / pore dich“. Und sie kommentiert ihre Zeilen des „Wachliedes“ – zwischen singender, wunderbarer Welt und Zauberworten – mit: „Die Ersten googeln schon den Eichendorff“. Es ist so angenehm, einfach laut lachen zu dürfen!
Das lyrische Werk der 1946 geborenen promovierten Germanistin Ulla Hahn ist bereits mehrfach und unter anderem mit dem Hölderlin-Preis ausgezeichnet worden. Bemerkenswert ist, dass den Gedichtbänden stets auch der kommerzielle Erfolg nicht versagt blieb. Dies liegt ohne Zweifel an der nachdenklichen Lebensfreude ihrer Texte. Auch das lyrische Selbstgespräch von Ulla Hahn besticht durch schwermütige Leichtigkeit.
Thorsten Schulte, literaturkritik.de
wird immer langweiliger, ohne dass namen fallen, wen, herr schulte, meinste denn nur? und nicht nur herrn schulte gefragt: is das jetzt der offizielle einstiegssatz für jedes lob an einem autor/text, dass man anonym in den schatten bashed? wieso kann das eine nur mit dem anderen sein?
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wieso findet sich eigentlich in mehr oder minder JEDEM kommenatr zur lyrik irgendeiner, und das kann man nicht beschönigen: gestrigen person, ob nun 80er-jahre-gestrig wie hahn oder prinzipiell gestrig wie gomringer, ein seitenhieb auf die „junge deutsche lyrik“, JDL? entwerfen wir doch gleich ein kürzel. sind wir schon in der bashingphase angekommen, nachdem die JDL einmal quer durch die feuilletons gehypt wurde? ich warte auf das comeback, das dürfte doch dann irgendwann folgen. das ist journalismus aus der bildschule, bau dir dein eigenes drama in drei akten, und kritisiere beim comeback möglichst noch die bösen feuilletonisten, die zwischendurch die JDL runterschrieben.
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ich flora dich
du fauna mich
ich haut dich
ich haus dich
ich garten dich
du knorpel mich
du nordmeer mich
du notfall mich
du meterorit mich
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ich bluse dich
du timbre mich du taumel mich
du heikelst
ich schenkel dich ich streichel dich
ich fröstel dich
du übersteigst mich
ich amazone dich
ich kehle dich ich socke dich
ich rock dich
ich strumpf dich ich bauch dich ich Bach dich
ja ich Bach ich für cembalo schambein und flöte
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Ghérasim Luca, Beginn vom ENDE DER WELT, übersetzt von Mirko Bonné. In DAS KÖRPERECHO. Urs Engeler Editor 2004
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Dieses Set ist vielfältig ausführbar:
Viele junge Poeten der Gegenwart üben sich in blumiger Wortgewalt.
Viele ältere Poeten der Literaturgeschichte übten sich in blumiger Wortgewalt.
Viele junge Poeten übten sich in der Vergangenheit in blumiger Wortgewalt.
Früher war vieles allblumige Wortgewalt.
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