31. Worttanz

Der Band «quellen» des Österreichers Ferdinand Schmatz bringt hundertsiebzig Seiten Gedichte in vielfältigen, freien Formen, darunter kürzere, meistens aber längere, einige gar sehr lang. Auf den ersten Blick (mit dem Auge) sind die in konsequenter Kleinschreibung gesetzten «Gesänge» kaum voneinander zu unterscheiden. Sie fügen sich zu einem manchmal engmaschig, manchmal grossräumig fliessenden Poem mit Wiederholungen, Variationen, Verweisen, Echos. Diese auch von weiter her: Hölderlin, Jandl, Mozart, Scelsi, Cage. …

Es geht ihm weder um den Urtext, noch um die Rückkehr zum Einfachen, Reinen, Einen, Wahren. Abstammung verstehen die Baum- und Gartenbewohner, die in seinen Gedichten einwachsen in das, was sie wachsen lassen, viel konkreter: «ab stamm macht es staunen uns an weisen / zu wiegen über den wiesen, was, nass / nur noch darunter, wo es uns wurmte».

Jede Metaphysik ist solch vegetativen Gedichten fern. Ja, es gibt wenig Lyrik heutzutage, die so vital und voller Lust und Witz ist: «als segel ein tuch / vom gaumen quer hin zur lust, / strudelnd vielleicht ab, auch das, / gestocktes lockend, zu fluss». Nicht um Bedeutungen geht es, sondern ums Spiel. Aber auch wiederum nicht um beliebige Wortspielerei, sondern um einen heiteren, bukolischen Tanz. / Samuel Moser, NZZ 20.7.

Ferdinand Schmatz: quellen. Gedichte. Haymon-Verlag, Innsbruck 2010. 170 S., Fr. 30.50

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