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Veröffentlicht am 27. Mai 2010 von lyrikzeitung
Die Bettstatt ist ihr zentraler Lebensmittelpunkt und Arbeitsplatz geworden. Hier schläft, liest und schreibt sie. Der ununterbrochene innere Monolog diffundiert in ihre Träume und Halbschlaf-Phantasien. Im Gegenzug träumt sie von Worten und Formulierungen, die sie beim Aufwachen an Ort und Stelle niederschreibt. Träume und Erinnerungen – oft an die Kindheit oder Erlebnisse mit Ernst Jandl –, Lektüre und Geschriebenes wachsen so täglich dichter zusammen. Morgens wacht sie auf dem von Papierfetzen bedeckten Betttuch auf, oder sie findet dort einen grünen Filzstift, der dem Laken seine Spuren eingeschrieben hat.
Dieses reine Geistesleben allein im Denken und Schreiben wird durch die drastischen Beschreibungen des körperlichen Alterungsprozesses konterkariert und durch anarchisch eingestreute Blumenmotive und Naturfragmente poetisch torpediert. / MICHAELA SCHMITZ, Rheinischer Merkur Nr. 21, 27.05.2010
Friederike Mayröcker: ich bin in der Anstalt. Fusznoten zu einem nichtgeschriebenen Werk. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2010. 190 Seiten, 19,80 Euro.
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Michaela Schmitz
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