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Veröffentlicht am 5. April 2010 von lyrikzeitung
Dorthin zog ich mich zum Lesen zurück, als pathoserfüllter Adoleszent mit Hölderlin in der Sakkotasche und Plänen für die Gründung einer Akademie namens „Hyperion“, deren Statut noch immer irgendwo in meiner Insel-Taschenbuchausgabe steckt. Auch wenn die Akademie, die unter Spöttern etwas sprechender der „Sherry-Klub“ genannt wurde, die Schulzeit nicht überlebt hat, unvergesslich ist mir eine Hochsommernacht, die wir im Freien dort unter dem Baum verbrachten. Wie da drei Jungs saßen, einer neben dem anderen, mit dem Rücken an den Baum gelehnt, im Dunkeln ebenso obskure Gedichte schreibend, erfüllt von einer Art gemeinsamer All-Erfahrung im Zeichen der Kunst, das ist eine Erinnerung, die mir heute noch Trost spendet. Heute, da es schon ausreicht, mit einem gerade bei Oxfam erstandenen Band Gedichte von Gertrud Kolmar in der Hand ein japanisches Interiorgeschäft zu betreten, um in fast verschwörerischer Geste als Mitglied einer Gemeinschaft Ausgestorbener begrüßt zu werden. Gedichte auf offener Strasse zu lesen! / Eckhart Nickel, Die Welt 4.4.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Eckhart Nickel, Friedrich Hölderlin, Gertrud Kolmar
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