Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 10. Dezember 2009 von lyrikzeitung
Gibt es eine Zuflucht in der Literatur? Kann Literatur die Angst bewältigen helfen?
Ich kann nur für mich sprechen. Ich hatte immer meine Gedichte, die ich mir aufsagen konnte. Sogar beim Verhör. Es ist wie das Singen im Lager. Das wird nicht schal. Man kann sich auf gegebene Formen verlassen, sich anlehnen. Es ist eine Art, ich habe das öfter gedacht, es ist eine Art zu beten, für Leute, die nicht an Gott glauben. Und es ist eine schönere Art als das Beten. Es verlangt mehr Individualität als das Beten. Es ist nicht so mechanisch. Bis heute schreibe ich mir Sätze aus Büchern heraus, die mir Halt geben. Die Angst ist eine gute Ästhetikkennerin. Die Angst kann man nur mit literarisch starken Texten bändigen. Flache oder klischeehafte Texte können das nicht leisten.
Kategorie: Deutsch, Deutschland, RumänienSchlagworte: Herta Müller, Nobelpreis
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare