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Einige Seiten aus dem Notizbuch „Pfingstrose“ vom Juni und Juli 1952 (Größe 16 cm x 10cm), auf denen sich später publizierte Texte und Entwürfe dazu befinden, werden in dieser Ausgabe der SZ Wochenende zum ersten Mal gezeigt. Noch auf Wunsch Thomas Bernhards wurde es von dessen Bruder und Erben Peter Fabjan Bernhards Verleger Siegfried Unseld zum Geschenk gemacht. Erst jüngst fand es sich im Verleger-Nachlass, im Frankfurter „Siegfried Unseld Archiv“, an einem anderen als dem angenommenen Ort.
Es enthält in seinem ersten Teil vor allem Gedichtentwürfe und Gedichte. Eines davon ist das 1955 in einer „Anthologie junge Salzburger Lyrik“ mit dem Titel „Die ganze Welt in meines Herzens Enge“ veröffentlichte und hier faksimiliert abgebildete „Heimkehr“ (Bild 1), ein Gedicht, aus dem noch die Sehnsucht nach Geborgenheit in einer ländlich geprägten Heimat spricht. / Martin Huber, SZ 7.2.04
Martin Huber, 41, leitet das Thomas-Bernhard-Archiv in Gmunden, Österreich. Gemeinsam mit Wendelin Schmidt-Dengler gibt er zudem für den Suhrkamp Verlag die Werkausgabe heraus.
Thomas-Bernhard-Special, Süddeutsche Zeitung 7.2.04. U.a. Louis Begley über das Quartett Kafka – Gombrowicz – Celine – Bernhard und eine Spurensuche im Kaffeehaus. Darin ein schöner Bericht über eine Suche nach der Neuen Zürcher Zeitung:
Einmal hatte ich die Neue Zürcher Zeitung haben müssen, ich wollte einen Aufsatz über die Mozartsche Zaide, der in der Neuen Zürcher Zeitung angekündigt gewesen war, lesen und da ich die Neue Zürcher Zeitung, wie ich glaubte, nur in Salzburg, das von hier achtzig Kilometer weit weg ist, bekommen kann, bin ich im Auto einer Freundin und mit dieser und dem Paul um die Neue Zürcher Zeitung nach Salzburg, in die sogenannte weltberühmte Festspielstadt gefahren. Aber in Salzburg habe ich die Neue Zürcher Zeitung nicht bekommen. Da hatte ich die Idee, mir die Neue Zürcher Zeitung in Bad Reichenhall zu holen und wir sind nach Bad Reichenhall gefahren, in den weltberühmten Kurort. Aber auch in Bad Reichenhall habe ich die Neue Zürcher Zeitung nicht bekommen und so fuhren wir alle drei mehr oder weniger enttäuscht nach Nathal zurück. Als wir aber schon kurz vor Nathal waren, meinte der Paul plötzlich, wir sollten nach Bad Hall fahren, in den weltberühmten Kurort, denn dort bekämen wir mit Sicherheit die Neue Zürcher Zeitung und also den Aufsatz über die Zaide und wir sind tatsächlich die achtzig Kilometer von Nathal nach Bad Hall gefahren. Aber auch in Bad Hall bekamen wir die Neue Zürcher Zeitung nicht. Da es von Bad Hall nach Steyr nur ein Katzensprung ist, zwanzig Kilometer, fuhren wir auch noch nach Steyr, aber auch in Steyr bekamen wir die Neue Zürcher Zeitung nicht. Nun versuchten wir unser Glück in Wels, aber auch in Wels bekamen wir die Neue Zürcher Zeitung nicht. Wir waren insgesamt dreihundertfünfzig Kilometer gefahren nur um die Neue Zürcher Zeitung und hatten am Ende kein Glück gehabt.
[Pommerland grüßt Salzburger Land. Ich bin heute nur 10 Minuten zum Bahnhof gelaufen – aber der Kiosk war schon zu!]
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