Traurige Verse

NZZ befragte drei bulgarische Lyriker nach ihrem Verhältnis zur Macht:

die «grosse alte Dame» Blaga Dimitrowa (geboren 1922); Ljubomir Levcev (geboren 1935) mit seiner doppelten Karriere; Mirela Iwanowa (geboren 1962), die populärste Lyrikerin jüngerer Zeit

Über Blaga Dimitrowa heißt es:

Der neue Weg ist bald eine Sackgasse. Die neue Gesellschaft? Ein Spiegelbild sowjetischer Verhältnisse. Blaga Dimitrowa probt Abkehr, Umkehr, sie erleidet Phantomschmerz und Ächtung des Renegaten. «Um nichts, was mein ist, bänglich zittern», ermuntert sie sich 1960, «nichts verschliessen hinter Schweigen.» Später wird sie zur Galionsfigur der Opposition – eine gütige Frau mit leuchtend blauen Augen. Ein Kaktus in der Wüste sei sie gewesen, urteilt Ljubomir Levcev über die Poetin. Ihre Bilanz nach den Jahrzehnten im System des ewigen Superlativs: «Ich glaubte an den reinsten Glauben, / ich loderte mit der loderndsten Flamme: / Wie oft stellte ich mich auf Zehenspitzen, / um die höchste Latte einmal zu überspringen. / Ich weiss nur nicht, warum / meine Verse am traurigsten klangen / und immer trauriger, bis zum Ende.»

Blaga Dimitrowa: Narben. Gedichte aus vierzig Jahren und zwei Essays. Aus dem Bulgarischen von Rumjana Zachariewa und Thomas Frahm unter Mitarbeit von Jana Walkova-Link. Avlos-Verlag, Siegburg 1999. 143 S., Fr. 18.-.

Mirela Iwanowa: Einsames Spiel. Aus dem Bulgarischen übersetzt und herausgegeben von Norbert Randow. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2000. 46 S., Fr. 24.70.

(Weitere Titel mit Übersetzungen im NZZ-Beitrag, 28.4.03)

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