Brasch

„Volker Braun is brash and strident“, schrieb der Kritiker der TLS dereinst (also hastig, schrill, unüberlegt, scharf, dreist, durchdringend, grell, unverschämt…) Wieviel mehr das alles für Brasch, Thomas, Brasch is brash? Über ihn schrieb Michael Braun für die Baz:
«So lief ich durch das Finster in meinem Schädelhaus»
Es ist ein sehr einsamer Dichter, der hier seine Lebensstrecke vermessen will. Als Melancholiker starrt er auf die immergleiche Leere, in der das Leben verrinnt. Die gelebte Biographie schrumpft zu Spiegelungen der eigenen Verlassenheit. … “ (24.10.02).
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Als Trostpflaster für die anderen hier ein frühes Gedicht von Brasch:

Wie viele sind wir eigentlich noch.
Der dort an der Kreuzung stand,
war das nicht von uns einer.
Jetzt trägt er eine Brille ohne Rand.
Wir hätten ihn fast nicht erkannt.

Wie viele sind wir eigentlich noch.
War das nicht der mit der Jimi-Hendrix-Platte.
Jetzt soll er Ingenieur sein.
Jetzt trägt er einen Anzug und Krawatte.
Wir sind die Aufgeregten. Er ist der Satte.

Wer sind wir eigentlich noch.
Wollen wir gehen. Was wollen wir finden.
WelchenNamen hat dieses Loch,
in dem wir, einer nach dem andern, verschwinden.

Als dieses Gedicht 1975 in einem 90-Pf-Heftchen der Reihe Poesiealbum erschien, lebte Brasch noch im Land DDR, das es nicht mehr gibt. Brasch leider auch nicht.

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