Am kommenden Mittwoch findet Teil zwei der fünfteiligen Reihe zur jungen deutschsprachigen Lyrik statt. Wie bereits am ersten Abend Ende August werden sich an die Lesungen der Gäste Gespräche und Publikumsdiskussion anschließen. Wir würden uns freuen, wenn auch Sie dabei sind und mitreden, wenn wir die große Bandbreite poetischer Positionen der Jetztzeit ausloten und Christian Röse sowie André Rudolph nach ihrem Werk befragen. André Rudolph, der Kennern der Lyrikszene bestens durch zahlreiche Veröffentlichungen und Preise vertraut ist, ist von beiden Gästen sicherlich der bekanntere Name. Doch auch Christian Röses rätselhafte wie lakonische Lyrik fasziniert und wirft unmittelbar die Frage nach seinen Quellen und poetischen Impulsgebern auf.
Herzliche Grüße
Ihr Lettrétage-Team
Das ganze Programm wie immer unter www.lettretage.de, seit heute auch schon mit vielen November-Terminen.
Mittwoch, 14. Oktober 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
NEUES VOM JETZT (II)
Eine Versuchsanordnung junger deutschsprachiger Gegenwartslyrik an fünf Abenden
Teil 2: André Rudolph und Christian Röse
Gastgeber: Ron Winkler und Björn Kuhligk
Im Jahr 2008 sind zwei Anthologien erschienen, die man zu Recht als Bestandsaufnahmen aktueller deutscher Lyrik der jüngeren Generation bezeichnen kann: Lyrik von JETZT zwei, herausgegeben von Björn Kuhligk und Jan Wagner (Berlin Verlag, 2008), sowie Neubuch, herausgegeben von Ron Winkler (yedermann Verlag, 2008). Die Autorinnen- und Autoren-Auswahl der beiden Bücher überschneidet sich, jedes setzt jedoch auch eigene markante Akzente.
Vor diesem Hintergrund ist in der Lettrétage die Idee einer kompakten Gesamtschau der aktuellen deutschsprachigen Lyrik jüngerer Autorinnen und Autoren an fünf Abenden entstanden, einer einmaligen Inventur, die sich aus den Quellen der genannten Anthologien speist, wobei Seitenarme, Gegenströmungen, Stromschnellen und Untiefen billigend in Kauf genommen werden. Jeweils zwei der genannten Anthologie-Herausgeber laden pro Abend zwei Lyriker/innen ein, um Neuestes aus ihrer Feder zu hören sowie um mit ihnen über Lyrik zu sprechen, poetologische Positionen zu diskutieren und auf jeweils einen besonderen Aspekt zu sprechen zu kommen.
Christian Röse, geboren 1980 in Neheim/NRW, Literaturförderpreis der Stadt Dortmund 2002. Publikationen u.a. in: Sieben Schritte Leben, Neue Lyrik aus NRW (2001); Lyrik von JETZT zwei. Schere (2006) ist seine erste Einzelveröffentlichung.
André Rudolph, geboren 1975 in Warschau/Polen. Viele Veröffentlichungen, u.a. in Sinn und Form, Edit, BELLA triste, Intendenzen; Sprache im technischen Zeitalter, Lyrik von JETZT zwei. Finalist beim 15. open mike 2007, Prosanova-Lyrikpreis 2008. Seit 2006 auch Übersetzungen von zeitgenössischer polnischer Lyrik. Gedichtband Fluglärm über den Palästen unsrer Restinnerlichkeit (2009).
NEUES VOM JETZT wird gefördert von der Stiftung Preußische Seehandlung, vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V., vom Berlin Verlag sowie vom österreichischen Kulturforum in Berlin. Für die Unterstützung bedanken wir uns sehr herzlich!
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Lettrétage
Methfesselstr. 23-25
10965 Berlin
U-Bahn: Platz der Luftbrücke (U6), Mehringdamm (U7)
Die Berliner Galerie Jordan Seydoux lädt zu einer dreisprachigen Performancelesung ein:
Frédérique Loutz, Catherine Hales und Ernesto Castillo werden Gedichte aus dem Buch „fedre et le vilain petit icare“ vortragen
am Dienstag 13. Oktober 2009 um 20 Uhr in der Galerie
Ein Buch mit Ikarus, Phädra und dem hässlichen Entlein als Hauptfiguren, die unter der Feder von Frédérique Loutz und Ernesto Castillo seltsame und fruchtbare innere Abenteuer erleben…
Bei der ersten Vorstellung des Buches « fedre et le vilain petit icare » im Grand Palais in Paris im Rahmen der Force de l´Art 02 schnitten sich die beiden Künstler Frédérique Loutz und Ernesto Castillo in einer Performance gegenseitig die Haare ab, und riefen so aus Fedra und Icar die fehlende Figur des hässlichen Entleins als Gemeinsames auf.
Diesmal zu dritt mit Catherine Hales zusammen werden die Künstler auf der dreisprachigen Lesung nicht nur die individuellen Schicksale der drei Hauptfiguren des Buches teilen und mitzuteilen haben, sondern das Gemeinsame des Momentes der Lesung zwischen sich suchen und aufnehmen.
Was und wie dies genau aussehen wird, werden Sie auf der Lesungsperformance am 13.10.2009 in der Galerie Jordan Seydoux um 20.00 Uhr erleben.
33 Zeichnungen von Frédérique Loutz und 11 Gedichten von Ernesto Castillo im Lithographie gedruckt und in 3 Schuber aufgeteilt
Format 33 x 33 cm, Auflage 33 Exemplar, Michael Woolworth Publication, 2009.
JORDAN SEYDOUX — Drawings & Prints
Auguststr. 22 – 10117 Berlin
T: +49 (0)30-51736506
Di-Sa, 12-18 Uhr
galerie@jordan-seydoux.com
www.jordan-seydoux.com
1954, im Alter von zwanzig Jahren, veröffentlicht Jacques Chessex sein erstes literarisches Werk, einen Gedichtband, «Le Jour proche». Schon hier ist ein brüchiger Ton zu vernehmen, eine oft bleierne Stimmung, die geprägt ist von Einsamkeit, von Mangel, Trennung und Todesnähe, eine Atmosphäre, die sich in seiner Lyrik noch öfter finden lässt. In rascher Folge wird er drei weitere Gedichtsammlungen publizieren und sich einen Namen machen als Lyriker, bevor er 1962 mit «La Tête ouverte» erstmals ein Prosawerk publiziert. …
Am vergangenen Samstag hätte Chessex in der Solothurner Galerie Artesol eine Ausstellung seiner Bilder eröffnen sollen. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Am Tag zuvor ist er – eingeladen zu einer Veranstaltung, welche die Theaterfassung seines Romans «La Confession du Pasteur Burg» begleiten sollte – völlig unerwartet tot zusammengebrochen, in der Stadtbibliothek von Yverdon-les-Bains, inmitten von Büchern. Was nun bleibt, sind die Bücher dieses Autors, des wohl bedeutendsten, den die Romandie in den vergangenen Jahrzehnten gekannt hat. / Martin Zingg, NZZ 12.10.
Für den 1973 veröffentlichten Roman «L’Ogre» erhielt Chessex – als erster Nicht-Franzose und bisher einziger Autor aus der Schweiz – den Prix Goncourt. In Les Temps lese ich: „Er war mehr Waadtländisch als Schweizerisch“.
Die Liste der Bewunderer von Walt Whitman (1819–1892) ist lang: Franz Kafka und Thomas Mann gehören ebenso dazu wie Wladimir Majakowskij, Antonin Artaud oder Pablo Neruda. Expressionismus und Futurismus sind ohne Whitman ebenso undenkbar wie die Beat-Lyrik von Allen Ginsberg und Lawrence Ferlinghetti. „Whitman wäre begeistert gewesen von Rock and Roll, den Drogen, den beiläufigen, freundlichen sexuellen Beziehungen, für die das Geschlecht des Partners nicht wesentlich ist“, meinte der amerikanische Philosoph Richard Rorty, und der Kritiker Harold Bloom nannte „Leaves of Grass“ schlicht „the essential American book“. …
Die erste Ausgabe von 1855 enthält zwölf Gedichte, die vierte wächst bis 1892 mit 400 Gedichten zur „neuen Bibel“ Amerikas an. Diese Ausgabe ist auch Grundlage für Jürgen Brocans erste vollständige deutsche Übersetzung: 860 Seiten Gedichte samt Erläuterungen, befreit von allem hohen und auf die Dauer lähmenden Pathos. Dahingestellt sei, ob der neue Titel, „Grasblätter“, besser ist als der bisherige – „Grashalme“. Der Legende nach stand der Philosoph Ralph Waldo Emerson mit seiner Forderung nach einem Sänger von Amerikas Größe am Ursprung des Unternehmens. Der Großteil der heutigen Interpreten neigt zur Auffassung, erst Whitmans homosexuelles Coming-out habe den mittelmäßigen Zeitungsschreiber in einen „ekstatischen Chansonier“ verwandelt. In der „Zueignung“ kündigt er an: „Das Selbst sing ich, die schlichte Einzelperson: / Den modernen Menschen sing ich. / Doch spreche das Wort demokratisch, das Wort en masse.“
Im Zentrum der ausufernden, von Quäkertum, Esoterik, Natur, Technik und Kapitalismus beseelten Lobgesänge steht die „athletische Demokratie“ der Vereinigten Staaten. Tatsächlich spektakulär ist die formale Entscheidung, das Ganze in freien Versen zu gestalten: „Meiner Ansicht nach ist die Zeit gekommen, die formalen Grenzen zwischen Prosa und Lyrik im Wesentlichen niederzureißen.“ Der Gegenpol zu den säkularen Heiligenbildern mit ihren endlosen Aufzählungen und Listen ist der Dichter selbst: „Walt Whitman, ein Kosmos, der Sohn Manhattans, / Ungestüm, fleischlich, sinnlich, essend, trinkend und zeugend.“ Und weiter: „Ich, siebenunddreißig Jahre alt jetzt, bei voller Gesundheit (…) Ich bin beim Gedärm ebenso feinfühlig wie bei Kopf und Herz, / Kopulation ist für mich nicht geiler als der Tod, / Ich glaube an das Fleisch und die Begierden, / Sehen, Hören und Fühlen sind Wunder / Göttlich bin ich innen und außen.“ / Erich Klein in Falter : Buchbeilage 42/2009 vom 14.10.2009 (Seite 10)
Walt Whitman
Grasblätter
Nach der Ausgabe von 1891/92 erstmals vollständig übertragen und herausgegeben von Jürgen Brocan
September 2009 | Hanser, München
860 Seiten
EUR 41,10
Wir kennen aus der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts Werke, in die Gedichte eingefügt sind, den Wilhelm Meister, oder Werke, die überhaupt nur geschrieben zu sein scheinen, um Gedichte in sie einbetten zu können, wie den Heinrich von Ofterdingen oder den Maler Nolten.
Aber die „Mätresse“ geht noch einen großen Schritt weiter in der Verschmelzung von Prosa und Poesie: ihre Absicht geht dahin, aus Sprachschutt und Jargon und gehaltloser Schwätzerei, aus dem Unrat sprachlicher Lebenszerbröselung den lebensspendenden Humus der befreitesten und leuchtendsten Poesie zu erschaffen, aus den Rhythmen des Tratsches und der Gewöhnlichkeit unablässig in den warmen Glanz der romantischen Dichtung hinüberzugleiten – und zwar bruchlos und organisch – und wer das hört, der müsste das für Schwärmerei halten und glauben, ein solches Vorhaben könne nie und nimmer gelingen, aber es gelingt so mühelos, dass der Wechsel kaum spürbar ist – wie in der schönsten Sfumatura eines großen Malers weiß man nicht, wo die Prosa aufhört und die Poesie beginnt. Also: keine mehr als wohlfeile Denunziation der Trivialsprache – selbst da wo ihr Schwachsinn und ihre Peinlichkeit am schmerzhaftesten sind, sondern ihre Wiedererweckung und ihre Tauglichmachung zum Hervorbringen von Schönheiten – das ist das Programm und das ist es, was verblüffend genug dann auch in der „Mätresse“ verwirklicht worden ist. / Martin Mosebach, Laudatio auf Eckhard Henscheid anlässlich der Verleihung des Jean-Paul-Preises 2009, Süddeutsche Zeitung
Vor 100 Jahren, am 30. November 1909 nach dem julianischen Kalender oder am 13. Dezember „des neuen Stils“, wie die Russen sagen (also nach der von den Bolschewiken 1918 eingeführten gregorianischen Zeitrechnung), starb in Sankt Petersburg, an der Freitreppe des vielleicht schönsten Jugendstil-Bahnhofs Europas, dem heutigen Witebsk-Bahnhofs, Innokentij Annenskij, Leiter des kaiserlichen Nikolaus-Gymnasiums in Zarskoje Selo und Kreisinspektor des Petersburger Schulkreises. Das Herz des 54-jährigen „zivilen Generals“ hatte versagt (sein Rang entsprach laut der berühmten von Peter I. eingeführten Rangtabelle, die die militärischen, höfischen und zivilen Dienstgrade des Russischen Reiches ordnete, der Würde eines Generals und verlangte nach der Anrede „Eure Exzellenz“).
Seine Exzellenz war auch ein kaum beachteter Literaturkritiker, ein nur Kennern vertrauter Übersetzer aus dem Französischen sowie dem Altgriechischen (den kompletten Euripides hat er übersetzt!) und ein nur einer Handvoll Petersburger Lyriker bekannter Poet. Sein einziger kleiner Gedichtband, „Leise Lieder“, 1904 erschienen, war mit Nik. T-o (auf Deutsch etwa „N. I. E. Mand“) unterschrieben, was wahlweise als Understatement oder als eine nüchterne Konstatierung seiner Lage gedeutet werden kann – oder als Anlehnung an den kleinen Scherz, den sich Odysseus mit dem Zyklopen Polyphem erlaubte. Kurz gesagt: Das Buch brachte seinem Verfasser nichts außer schlechten Kritiken.
Eben dieser „Niemand“ gilt heute, posthum, in der Geschichte der russischen Lyrik als einer der größten und einflussreichsten. Von seinen Qualitäten können sich jetzt auch noch einmal deutsche Leser überzeugen. Mit dem von Martina Jakobson herausgegebenen und übersetzten Auswahlband „Wolkenrauch“ (Edition Rugerup, 160 Seiten, 19,90 €) gibt er, zehn Jahre nach „Die Schwarze Silhouette“ im Zürcher Pano-Verlag, wieder ein Lebenszeichen. / Tagesspiegel 11.10. (Jurjews Klassiker)
Vgl. Lyrikzeitung 2003 Okt # Lyrik in Rußland (im Archiv)
Am 6. Oktober ist der franko-amerikanische Schriftsteller Raymond Federman in San Diego seinem Krebsleiden erlegen. …
Federmans schriftstellerisches Schaffen war stark autobiographisch geprägt und drehte sich intensiv um das Thema des Über-lebens und des Schuldgefühls, das das Allein-überlebt-haben hinterlassen hatte. Schon in seinem Erstling Alles oder nichts erwies sich Federman als experimenteller Autor: Er mischte Poesie und Prosa, spielte zudem mit Typographie und Satz und ließ Bilder aus Worten entstehen. So wurde Federman schnell zu einem der wichtigsten Vertreter der literarischen Postmoderne. / BuchMarkt.de
In den 92 Prosagedichten, die das Hörbuch enthält, ist von poetischer Autonomie die Rede, vom Interesse an der Postmoderne des Westens. Expressionistische Töne werden in der Wahrnehmung moderner Großstadtexistenz angeschlagen.
Yan Jun „Charta. Ein Sonett“:
„Ich fordere die Abschaffung der Kunst und die Veränderung des Lebens. Ich fordere, dass Salz in die Wunden gestreut wird und Gift in den Schnaps und dass die kalte Schulter fremde Wärme sucht“.
Dieses Hörbuch ist nichts für Mußestunden.
„… ich fordere die Befreiung der eingesperrten Wörter, ich fordere die
Forderung, das Verbot des Verbots, die Abschaffung der Abschaffung, die
Verspottung des Spotts“.
Es lässt dem Hörer keine Zeit, sich genussvoll in eine poetische Welt zu versenken, von der hierzulande wenig gesprochen wird. Beim ersten Ton spitzt man die Ohren.
„Schmetterlinge auf der Windschutzscheibe“, Fly Fast, Berlin 2009, 2 CDs, 138 Minuten
Found at bytelevel. Think outside the country
How would you translate the famous “Riddle of the Sphinx,” from Harry Potter and the Goblet of Fire? Give it a try, and then check your translation—in Russian, French, Italian, Swedish, German, Norwegian, Dutch, Czech, Basque, Slovenian, Finnish, Portuguese, and Spanish—against that of the published versions, at http://www.iti.org.uk/indexMain.html. If you don’t have Internet access, drop a line to the editor, and we’ll be happy to send you a copy of the answers. (Source: TransLittérature, ITI Bulletin, No. 24, Winter 2002, Paris, with kind permission.)
The Riddle of the Sphinx
”First think of the person who lives in disguise,
Who deals in secrets and tells naught but lies.
Next, tell me what’s always the last thing to mend,
The middle of middle and end of the end?
And finally give me the sound often heard
During the search for a hard-to-find word.
Now string them together, and answer me this,
Which creature would you be unwilling to kiss?”
Eine Spurensuche in der eigenen Kindheit und in den prägenden Stätten der frühen Jahre, eine Rückkehr an den Ort, an dem der Dichter im Jahr 1909 geboren wurde und in dem er aufwuchs – auch das ist der Zyklus „Monovassiá“ des großen griechischen Lyrikers Jannis Ritsos: „Deine Kinderjahre haben auf dich gewartet in vergessenen Winkeln,/ in niedergerissenen Gebäuden, in byzantinischen Gewölben -/ da war der Laden des Friseurs; da der des Schusters; da/ müsste das Fischgeschäft gewesen sein.“
1974 endete die Diktatur des Militärs in Griechenland und damit zugleich der Hausarrest des Dichters, der damit seine Bewegungsfreiheit zurückerlangte. Gleich die erste Reise führte ihn nach Monemvasia, wie sein Geburtsort offiziell in den Atlanten heißt, und in den folgenden drei Jahren entstanden sechsunddreißig Gedichte von wechselnder Länge, doch allesamt in Langzeilen gehalten, die auch den Ausdruck Gesänge rechtfertigen würden. …
In einem früheren Gedicht hatte Ritsos einmal geschrieben, er verstecke sich hinter einfachen Dingen, damit man ihn finden könne, und so geht auch hier das „Immerwährende“ des Felsen- und Festungsmassivs eine zwanglose Allianz mit dem Flüchtigen ein: „Bei Matúlas altem Restaurant/ pries der Duft von Fischsuppe aufs neue die enge gepflasterte Stätte“. / Jan Wagner, FR 10.8.
Jannis Ritsos: Monovassiá. Gedichte. Aus dem Griechischen von Klaus-Peter Wedekind. Suhrkamp 2009, 108 S., 11,80 Euro.
Im Guardian-Blog wehrt Andrew Brown Vorwürfe, weil er die neuen Atheisten als soziale mehr denn als intellektuelle Bewegung behandele (das scheint die Leute zu beleidigen, schreibt er), ab, indem er auf alte atheistische Lyrik verweist: Gedichte von Arthur Hugh Clough, John Oldham und Anatole France.
Auch Bild feiert:
Deutschlands neue Nobelpreisträgerin Herta Müller
Das berichtet die Welt über unseren Literatur-Star
Kritik aus dem Osten – Begeisterung im Westen
und zitiert:
Und die konservative polnische Tageszeitung „Rzeczpospolita“ merkt an: „Über den diesjährigen Literaturnobelpreis für Herta Müller werden sich nicht nur Antikommunisten und Opfer kommunistischer Verfolgung, nicht nur Feministinnen, sondern auch Funktionäre des Vertriebenenbundes freuen. Nobelpreis mit dem Siegel Erika Steinbachs (Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, d. Red.)?“
Allerdings, nach Bild, freut sich nicht der ganze Westen:
In Frankreich und England tut man sich dagegen schwer mit der erneuten Auszeichnung einer Frau.
Die Konservativen werden aber heute abgewatscht:
Dem schließt sich die konservative britische Zeitung „The Times“ an: „Was haben Elfriede Jelinek, Imre Kertész und Wislawa Szymborska gemein, bitte? Sie haben alle den Literaturnobelpreis erhalten. Was haben Marcel Proust, James Joyce und Graham Greene gemein? Sie nicht.“
Und noch eine gute Nachricht: Der Marcel Reich-Ranicki habe bisher jeden Kommentar zum Literaturnobelpreis für Herta Müller abgelehnt.
„Ich will nicht über die Herta Müller reden“, sagte er am Donnerstag.
Deutsch, Slowenisch, Kroatisch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Französisch: In diesen sieben Sprachen findet man die neuen Gedichte des Kärntner Autors Janko Ferk. „10 x 7“, das ergibt 70 Gedichte – oder sind es doch nur 10?
Janko Ferk, der selbst auf Deutsch und Slowenisch schreibt, hat für seinen neuen Lyrikband in den zusätzlichen Übersetzern und Übersetzerinnen kongeniale Mitautoren gefunden, ist doch das Übertragen von Lyrik immer auch ein Neuschöpfen! / Ö1
Timofiy Havryliv gibt nicht viel Persönliches über sich preis, mit Mühe findet man einige Fakten: 1971 wurde er in Ivano-Frankivs’k in der Urkaine geboren. Im August 2002 war er ein Monat lang in Graz Artist in Residence, im Rahmen des Projekts „Poetik der Grenze“.
Fest steht, dass Timofiy Havryliv mit Lyrik begonnen hat: 1995 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband „Arabesken der Erinnerung“, für den er mit dem Blahovist Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Weitere Gedichtbände folgten: 1997 „Geographische Gesetze“, 1998 „Die Stunde der Einsamen“, 2002 „Auf das Gesagte zurückgreifend“.
Und dann 2009 eine sachlich formulierte Klage über die veränderte Rolle der Schriftsteller in der Ukraine: „Die Zeiten, da eine Lyrik-Lesung Hunderte von Zuhörern angezogen hat, waren als ein längst verloren gegangenes Phänomen der politisierten Gesellschaft nur noch in den Geschichtsbüchern zu finden.“ Fest steht auch, dass er sich über „konkrete Poesie“ in seinem Roman lustig macht. Und das, obwohl er behauptet, dass die Ukraine ein Land der Lyrik ist, ein „lyrisches Land, in dem alles lyrisiert wird, die Vergangenheit, die Zukunft, Verbrechen und Heldentat“. / ORF
Der waadtländische Schriftsteller Jacques Chessex ist am Freitag in Yverdon gestorben, meldet Le Temps. Ein „ogre des lettres“, schreibt die Schweizer Zeitung: sagen wir ein „literarischer Riese“. (L’Ogre ist der Titel eines seiner Romane) Zum Tod Hugo Loetschers schrieb er im August: Ich denke an Paul Eluards Worte: «Der Tod eines Dichters ist nicht der Sieg der Dunkelheit.»
In L&Poe:
2003 Apr # Lever du Poète
2005 Mrz #30. Lyrik aus der Romandie
2008 Aug #33. Kein Höhenrausch
2009 Aug #045. Chessex über Loetscher
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