…Borchardt scherte aus und wurde Dichter. Die ersten zehn Gedichte, die ihm gelungen schienen, ließ er drucken und sandte sie an die Großen der Zeit: Swinburne, Maeterlinck, George und Hofmannsthal . Letzterer lud ihn ein, war charmiert von dem Enthusiasmus des jungen Poeten und zugleich befremdet: „Er hat die leidenschaftlichste Liebe für Verse, und declamiert fast unaufhörlich. Wenn es ohne auffallende Unhöflichkeit möglich ist, verlässt meine Frau augenblicklich das Zimmer, wenn er anfängt, Verse aufzusagen. Er brüllt. Er erschüttert die Fensterscheiben, gleichmäßig durch meine, seine und sonstige Verse (. . .) Er ist ein Enthusiast. In seiner Conversation tauchen unaufhörlich die zwei Worte ,berauschend‘ und ,bestürzend‘ auf. Ich habe die begründete Furcht, dass er in wenigen Wochen anfangen wird, wienerisch zu reden.“ / Gregor Eisenhauer, FR 8.6.02
(Siehe auch Klaus Bellin im “ Neuen Deutschland “ v. 8.6.02)
„Möge Ihre Regentschaft tausend Generationen, ja achttausend Generationen dauern – Bis der Stein zum Felsen wächst – Bis auf Felsen Moos wächst.“ So etwa lautet der Text der japanischen Nationalhymne „kimigayo“ (etwa: Die Regentschaft Unseres Kaisers) ins Deutsche übertragen. Die Lyrik basiert auf einem japanischen Gedicht unbekannter Herkunft. ….
© Salzburger Nachrichten 8.6.02 / ASIATISCHES LEXIKON
Von einem Leben zwischen Bebop und Beatnik, zwischen San Francisco und Chicago erzählt sie in ihrer Jazz-Poesie, von ihrem ersten Auftritt als Performerin, vom Leben außerhalb der Gesellschaft, das das Wesen des Beat prägt. Jedem im Publikum wird plausibel, warum Jack Kerouac , einer der Beat-Literatur-Heroen, mit dem ruth weiss zusammen Lyrik verfasste, sagte: „Die einzig wirklichen Menschen sind für mich die Verrückten, verrückt danach, zu leben, zu sprechen, die niemals etwas Alltägliches sagen, sondern brennen, brennen…“ / Fürther Nachrichten 7.6.02
Les Murray receives musical tribute, meldet die New York Times *) am 6.6.02
Überhaupt werden sich Germanisten schwer tun, Uwe Kolbe zu fassen. Er entzieht sich gängigen Kategorisierungs-Versuchen. Früher war er ein deutscher Autor, mit deutschen Themen. Er war ein Teil der Geschichte, der Stellung bezog zu deutschen Verhältnissen. Jetzt ist Kolbe schwieriger zu verorten. Er ist zu einer frei schwebenden Existenz geworden, die allenfalls in Szenen einer Kindheit und Jugend eingebunden ist in den größeren Zusammenhang einer Gesellschaft.
Ziemlich verloren steht er da, dieser Dichter, der aus seiner Ratlosigkeit keinen Hehl macht. Viel mehr als sich und seine Sprache hat er nicht, um vorzustoßen in die Geheimnisse der Existenz. Wer auf Antworten aus ist, weil er Orientierung sucht in der verworrenen Welt, muss sich woanders umsehen. Wer erfahren möchte, wie jemand Worte dafür sucht, dass er aus der Welt gefallen ist, findet in Uwe Kolbe einen Kumpanen im Zweifel. Seine Lyrik ist Gegengift zum Geist der Zeit. /Anton Thuswaldner, FR 6.6.02
Uwe Kolbe : Die Farben des Wassers. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001, 79 Seiten, 14,80 .
Alles was Sie wissen müssen, um mitzureden. Heute: Sonnyboy
Supermarkt
heißkalt
Lyrik goes Drama: Karin Beiers Urinszenierung von Albert Ostermaiers „99 Grad“ in den Münchner Kammerspielen
Dass man versucht wäre, den Mann fast mal zu verteidigen, wer hätte das gedacht? Der Sonnyboy der Lyrik und der Feuilletons, der meistgespielte deutschsprachige Autor dieser Saison hat einen Text geschrieben, der so sehr Theatertext ist, wie ihn ein Wortedrechsler und Episoden-Jonglierer nur eben zu schreiben vermag. / taz 5.6.02
– Fürwahr selbst eine Perle der Wortedrechslerei von der Überschrift über die versammelten Reklameschlagworte und so Halbsatz für Halbsatz weiter. Lesen Sie mehr neue Wörter (Vertheaterung, Versupermarktisierung…) – (Auch nicht schlecht: Urinszene.)
ist vor einem halben Jahr in einer zweisprachigen Ausgabe herausgekommen. Veröffentlicht hat das Gedicht der kleine, kaum bekannte „Verlag im Wald“ (in 98435 Doenning), der für diese Tat ungewöhnliches Lob verdient. Denn die Ausgabe rechnet sich in gar keinem Fall, nicht in Jahrzehnten, und höchstwahrscheinlich, in unseren hohen Zeiten angeblicher Synergien, wird von dem tollkühnen Kleinstverlag bald kaum noch eine Spur zu sehen sein. Aber, pathetisch gesagt: Solange es Menschen wie den Verleger Rüdiger Fischer gibt, kann die Erde kein völlig unbewohnbarer Platz sein. / Michael Meyers, Die Gazette 4.6.02
Pierre Garnier
L’immaculée conception (Litanie) / Die unbefleckte Empfängnis (Litanei)
201 Seiten, kartoniert
Übersetzung Rüdiger Fischer
Éditions En Forêt / Verlag im Wald, Doenning 2001
€ 15,–
Männer mögen’s darin schwer. Männer haben Träume. Männer borgen sich einen, zur Not. Männer bebildern wortschwallig ihr Innerstes im Äußeren ab. Durs Grünbein ist einer von ihnen.
schreibt Klaus Hübner im Titel -Magazin ( Juni 2002) und empfiehlt
daher, den einundneunziger Grünbein zu lesen: „Schädelbasislektion“. Da sezierte er ohne italienischen Beigeschmack.
Durs Grünbein: Das erste Jahr. Berliner Aufzeichnungen.
Durs Grünbein: Erklärte Nacht. Gedichte.
Suhrkamp Verlag. 2002.
Gebunden. 151 Seiten. € 18
ISBN 3518413058
In der New York Times *) v. 3.6.02 berichtet die Autorin Diane Ackerman über die Entstehung ihrer „Poems of Psychoanalysis and Fire“.
„Psychotherapy and lyrical poetry address many of the same issues,“ Diane Ackerman says. „The two overlap in companionable places.“
In der Süddeutschen vom 3.6.02 stellt Joachim Sartorius ein Gedicht des russischen Dichters Vitali Kalpidi vor. – Die FAZ druckt am gleichen Tag ein Gedicht des britischen Hofpoeten Andrew Motion zum königlichen Jubiläum. Hier aus dem Guardian ein anderes amtliches Gedicht Motions:
‚You helped give a shape to slipstreaming time‘
An elegy on the death of HM Queen Elizabeth the Queen Mother, by Andrew Motion , the poet laureate
Bislang sind von ihm [Oswald Egger ] zehn Bücher erschienen, zuletzt „Nichts, das ist“ in der Edition Suhrkamp. In diesem Titel ist für ihn der Sinn von Gedichten im Allgemeinen und der seiner im Besonderen ausgedrückt. „Ich glaube das nicht, wenn die Leute sagen, dass sie meine Gedichte nicht verstehen. Ich glaube im Gegenteil, dass sie alles verstanden haben.“ / Neuß-Grevenbroicher Zeitung 3.6.02
Thüringer Allgemeine im Gespräch mit Adam Zagajewski , *2.6.02
«Einen glücklichen kleinen Weisen» nannte ihn Jack Kerouac 1958 in «The Dharma Bums» und porträtierte ihn darin als Japhy Ryder: als ernsthaften Zen-Schüler, der sich dem Studium chinesischer Gedichte widmet, als naturverbundenen Bergsteiger, der alles über Bäume und Pflanzen wissen will. «Eine Million Formen – schau in jedes Biologiebuch», rät Snyder in einem Gedicht. Sein Credo formulierte er in dem Band «Turtle Island», für den er 1975 den Pulitzer-Preis erhielt und der in den USA noch heute zu den meistverkauften Gedichtbänden zählt: «For the protection of all beings.» Wenn man Snyders geomorphologische Ökopoesie betrachtet, lernt man die heitere Ernsthaftigkeit, mit der er diesem hohen Anspruch dient, respektieren, schätzen. / Neue Zürcher Zeitung , 1. Juni 2002
Gary Snyder : Aus der Spur. Aus dem Amerikanischen von Sibylle Klefinghaus und Ralf Zühlke. Stadtlichter-Presse, Berlin 2001. 144 S., Fr. 28.-.syn
Das 1920 erschienene Buch «Champs magnétiques» (dt. «Magnetfelder», 1981, eine Mischung aus Prosatexten, Aphorismen und Lyrik) läutet die neue Bewegung ein und wird von Aragon enthusiastisch gefeiert. «So tauchte dieses unvergleichliche Buch am Morgen des Jahrhunderts auf, in dem die ganze Geschichte der Schreibweisen umgewälzt wird … das Buch, womit alles beginnt.» In diesem Sinne setzt die Ausstellung im Centre Pompidou mit Werken von de Chirico und der Originalausgabe der «Champs magnétiques» von André Breton und Philippe Soupault ein und bildet bis zum letzten Saal, dem Saal der nach Amerika emigrierten Künstler, einen chronologischen Parcours von Dialog und poetischem Spiel. / Landbote 1.6.02
Vom 31.5. – 11.6.02 24 Stunden Radio aus Greifswald (vom Internationalen Studentenfestival GrIStuF)
Im Raum Greifswald auf UKW 98,1 MHz
Oder als Livestream auf: http://www.kunstcontainer.de/
Jede Nacht ab 23 Uhr Wortsendungen mit diesen Themen:
31.05. O – Ton Pathos- Rex Joswig
01.06. Beat. Eine jazz – unterfütterte Odyssee durch die amerikanischen 20er – 50er Jahre feat. Allen Ginsberg, William S. Burroughs, Jack Kerouac, Neal Cassady
02.06. Weltende. Gegen den „fauligen gereimten Geist Deutschlands“ – expressionistische Dichtung
03.06. „Ach, wenn es mich doch gruselte!“. Grauenhaften, Grausames und Grässliches aus dem Albtraumland
04.06. Russischer Futurismus – Eine Ohrfeige dem öffentlichen Geschmack. Zu Velimir Chlebnikow, Wladimir Majakowski und anderen Wortschöpfern der russischen Avantgarde.
05.06. Abriss und Zerfall. Der DDR – Underground der 80er Jahre in Greifswald
06.06. ‚Junky‘ special (Burroughs)
07.06. Je t’aime. Versautes und Verdorbenes
08.06. „Männer kommen vom Jupiter – Frauen auch“. Hörspiel – Eine Eigenproduktion
09.06. Pop `n` Poetry. Zum Wechselverhältnis von songs & lyrics quer durch die Rock – u. Popgeschichte
10.06. Wiecker Bote. Geschichte und Geschichten einer Greifswalder Literaturzeitschrift von den expressionistischen Anfängen bis zur Gegenwart
11.06. Muspilli Spezial. Ein Weltuntergangstext von Bert Papenfuß in musikalischen Versionen von Tarwater, Muchtmaschine, Rex Joswig und Underwater Agents.
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