Nämlich

204 Wörter, 1 Minute Lesezeit.

Paul Adler

(* 4. April 1878 in Prag; † 8. Juni 1946 in Zbraslav bei Prag)

Kehr wieder

Ich ging in Wäldern, in Wäldern
Nämlich
In Wäldern. Nämlich.
Da kam ein guter Mensch.
Nämlich
Im Walde erhub er seinen Finger.
Nämlich
Ich war in den Wald gegangen, um mich dort in einigen Zweigen zu
verwildern.
Da erhob der fremde Wilderer seinen Finger, damit ich mich nicht als
Mensch an einen Ahorn hänge.
Dann geleitete er mich zurück.
Kehr wieder.

Dann habe ich übrigens noch ein zweites Gedicht gemacht, aber erst
als ich heimkam, beim Schlafengehn. Das lautete so:
Müde bin ich, geh zur Ruh,
Schließe meine Äuglein zu,
Vater, laß die Augen dein
Über meinem Bette sein.
Das habe ich meiner Mutter säuberlich abgeschrieben und es ihr, noch
während sie schlief, auf das Bett gelegt. Wie wird sie sich doch beim
Erwachen darüber gefreut haben!

(1915)

Aus: Armin A. Wallas (Hrsg.): Texte des Expressionismus. Der Beitrag jüdischer Autoren zur österreichischen Avantgarde. Linz, Wien: edition neue texte, 1988, S. 17

Paul Adler (geboren 4. April 1878 in Prag, Österreich-Ungarn; gestorben 8. Juni 1946 in Zbraslav bei Prag) war ein österreichisch-tschechoslowakischer Schriftsteller, Journalist und Übersetzer, u. a. von Paul Claudel, Max Elskamp, Gustave Flaubert und Camille Lemonnier. https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Adler

Sein Werk steht exemplarisch für jene Autoren der Prager Moderne, die nach 1933 und dann nach 1945 aus dem literarischen Gedächtnis verschwanden.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..