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Veröffentlicht am 22. Januar 2026 von lyrikzeitung
173 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Katharina Schultens
eine höhle mit tieren
glauben interessiert mich nicht
nein, seine geheimnisse auch nicht.
was interessiert: traum. gestohlenes, witz. mustervermeidung, sex.
verletzung, druck, mechanismen. warum eins durchgeht, andres nicht.
wo es unaufhaltsam kippt. wie ein kredit entsteht. wie eine schuld.
wieso wir abstraktion nicht knacken können. wohin es rastet.
obs möglich wär zu schummeln. gründe für vollbart. pfeile
wo sie stecken bleiben, ob eins heil werden kann.
was ein schneckenhaus fürs denken bedeutet, wenn ich
seinen linien folge. wohin eins geht, wenns angst bekommt.
wie lange ich hier bleiben kann und warum ich vergesse
wo wir jetzt sind, wenn ich aufwache und mein körper
weiß es und macht diese lücke auf, durch die wind und schmerzen kommen.
warum trauer sich auflöst in anwesenheit bestimmter götter.
was es mich kosten wird, das hier zu benutzen, zu wachsen. ob ein unterlassnes
mich mehr kostet als mein kalkül. dieser unterschied zwischen
es macht nichts, dass es bereits alle zeilen gibt, und:
nichts abzuschneiden, nichts
Aus: Katharina Schultens, Untoter Schwan. Gedichte. Berlin: kookbooks, 2017, S. 8
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: deutsche Lyrik 21. Jahrhundert, eine höhle mit tieren, Gedicht des Tages, Gegenwartslyrik, Katharina Schultens, Katharina Schultens Gedicht, Körper und Denken, kookbooks, Lyrikzeitung, philosophische Lyrik, Untoter Schwan
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