Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 21. Dezember 2017 von lyrikzeitung
Oda Schaefer
(21. Dezember 1900 Wilmersdorf b. Berlin – 4. September 1988 München)
Die Verzauberte
Den grünen Leib der Libelle,
Das Auge der Unke dazu,
So treibe ich auf der Welle,
Dem murmelnden Mund der Quelle,
Die strömt aus dem dunklen Du.
Hörst du mich?
Siehst du mich?
Ach, ich bin unsichtbar,
Im weißen Spinnenhaar,
Im wirren Gräsergarn,
Unter Dorn und Farn.
Alles, was flüstert und schäumt,
Alles, was schauert und bebt,
Bin ich, die einsam träumt
Und im Entschweben lebt.
Im Schilf, im Ried,
Singt ein Vogel mein Lied,
Liegt das Schwanenkleid
Meiner Flucht bereit.
Suche du mich!
Finde du mich
Bis ich dir wiederkehr
So federleicht
Ist alles still und leer,
was mir noch gleicht.
Aus: Unter dem sapphischen Mond. Deutsche Frauenlyrik seit 1900. Hrsgg. von Oda Schaefer. München: Piper, 1957
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: L&Poe-Anthologie, Oda Schaefer
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare