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Veröffentlicht am 1. August 2017 von lyrikzeitung
Gleich noch einmal Ernst Jandl, etwas zum Thema „Die Lyrik als Ausdruck“:
HOHES UND NIEDRIGES
aus aian orphischn oaschloch
druckts es maunchmoe a batzal
nemtsas glei auf de zungen
olle lyrik gheat gsungen
Die ersten drei Verse sind durch eine Zäsur vom vierten Vers geschieden. Erst mit diesem stellt sich die Mehrdeutigkeit des Gebrauchs von batzal heraus: daß sich dieses Wort hier nicht ausschließlich auf ein Stück weichen Exkrements bezieht, sondern auch auf Lyrisches. Vielleicht sind also das batzal und die lyrik von Anfang an identisch, oder im Zuge der Handlung verwandelt sich das batzal ins Gedicht oder das Gedicht ins batzal.
Was – wenn denn irgendetwas Bestimmtes – geschehen müßte, damit die angesprochenen Besitzer eines orphischn oaschlochs, also wohl die Lyriker selbst, die Identität oder die Verwandlung des batzals oder des Gedichtes hervorrufen können, bleibt ungesagt, dafür wird es getan: Die Aufforderung selbst ist – weil sie ein, nein, weil sie dieses Gedicht ist – das, was geschehen muß, um das batzal zum Gedicht oder das Gedicht zum batzal zu machen oder das eine in das andere zu verwandeln.
Aus Johann Georg Lughofer (Hrsg.): Ernst Jandl, Praesens Verlag, 2011 (Mehr)
Batzal, überhaupt ein polylinguales Wort
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: Ernst Jandl, Johann Georg Lughofer, L&Poe-Anthologie
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