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Veröffentlicht am 22. Mai 2017 von lyrikzeitung
Er kannte sich und wußte, daß ihm die Poesie abhandengekommen war. – Er kannte seine Genossen und wußte, daß sie ihn dafür loben würden. Einmal noch, nach Chrustschows halbverstecktem Tauwetter, erwachte ein poetischer Funken. Aber nach Niederschlagung der ungarischen Revolution war damit Schluß. Er beugte sich dem Brauch und übte Selbstkritik. Seine besten neuen Gedichte versteckte er unter vielen schlechten. Wer die 22 Bände der Werkausgabe durchackern mochte, könnte sie ja finden. Hier, zum 126. Geburtstag Johannes R. Bechers, eins der Tauwettergedichte:
Auswahl
Die wenig gelungenen Stellen
aus meinen kaum gelungenen Gedichten
wird man auswählen,
um zu beweisen,
ich wäre euresgleichen.
Aber dem ist nicht so:
Denn ich bin
meinesgleichen.
So werde ich auch im Tode
mich zu wehren haben,
und über meinen Tod hinaus
– wie lange wohl? –
erklären müssen,
dass ich meinesgleichen war
und dadurch euresgleichen,
aber nicht euresgleichen
in eurem Sinne.
Indem ich mir glich,
glich ich euch.
Aber nur so.
Johannes R. Becher
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Johannes R. Becher
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Einige der frühen Gedichte Bechers aus der expressionistischen Phase sind ausgezeichnet.
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Indem ich mir glich,
glich ich euch.
Aber nur so.
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wie hamsun. wie benn. wie pound. usw. das ganze programm.
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„Zertrümmert westliche Demokratien!“ Eine sehr, sehr ambivalente Figur. Wie Guo Moruo.
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das gefällt mir sehr. danke schön fürs auswählen und posten. gute woche dir.
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