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Veröffentlicht am 26. März 2016 von lyrikzeitung
In „Scharlachnatter“ präsentiert Schindel ein Deutsch in barocker Fülle, Wort für Wort, in Wortmonstern auch, eine Sprache, die sich in Neubildungen erweitert statt verkürzt, bis sie sich bisweilen in einer Art Selbstgespräch vom Leser entfernt. Dort, wo das Titeltier auftaucht, stürzt ein „Wir“ wie ein Chor auf den Leser zu: „…wir mit der Scharlachnatter im Maul wollen dir den Kopf abhauen und die Natter dir zwischen die Lippen stecken, um hernach deine Botschaften nachzureden Jochanaan.“ Man kann das Positive, das Ungiftige der Natternzunge auch negativ als Folgenlosigkeit ihrer Reden verstehen, als Leere der Prophezeiungen. Auch davon redet der Text. / Helmut Schödel, Süddeutsche Zeitung 22.9.
Robert Schindel: Scharlachnatter. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2015. 100 Seiten, 20,95 Euro. E-Book 17,99 Euro.
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: Helmut Schödel, Robert Schindel
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