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Nun hat der 18-jährige Teenager mit einem Lyrikband heftig zurückgeschlagen, er rechnet ab mit dem Vater und mit seiner frömmelnden Mutter, und er attackiert vor allem die muslimischen Zuwanderer, «die zum Freitagsgebet gehen, aber alle anderen Tage stehlen, hehlen, saufen und huren». Hassan spricht offensichtlich für die junge Generation von Neudänen muslimischer Abstammung, die nicht in der Monotonie ihres Unglücks leben wollen und mit Allah allein nichts anfangen können.
«Ich bin fucking zornig auf die Generation meiner Eltern», sagte er in einem Interview der Tageszeitung «Politiken», das zum meistverbreiteten Artikel in den sozialen Medien Dänemarks wurde. Hassan kritisiert die mangelnde Bereitschaft der Einwanderer zur Integration. «Wir hatten keinen Plan, denn Allah hatte Pläne für uns», heisst es in einem seiner Gedichte. Er wettert gegen die Elterngeneration, die «Sozialhilfe erschwindelt» und «Kinder verprügelt».
Der wütende Ton hat Yahya Hassan zum jüngsten Star der dänischen Literaturszene gemacht. Während andere Lyriker froh sein können, wenn sie 200 Bücher verkaufen, hat Hassan einen Bestseller gelandet. Seine etwa 150 Gedichte kamen am 17. Oktober auf den Markt und haben sich in den letzten vier Wochen über 40’000-mal verkauft, wie die Tageszeitung «Jyllands-Posten» meldet. (…)
Nachdem er in einem dänischen Fernsehsender ein Gedicht vortrug, erhielt er fast 30 Morddrohungen. Diese Woche wurde er im Hauptbahnhof von Kopenhagen tätlich angegriffen – von einem Islamisten, der 2007 wegen eines geplanten Terroranschlags zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden war. / Enver Robelli, Basler Zeitung
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