Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Auf der diesjährigen Hong Kong Book Fair zeigt sich ein erneuertes Interesse an Lyrik. Die chinesische Lyrikerin Xi Murong ist die gefeierte Gastautorin der Messe.
Die Lyrikerin, Essayistin und Malerin wurde in Chongqing in Südwestchina geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Hong Kong und ging dann mit ihrer Familie nach Taiwan.
In den 1980er und frühen 90er Jahren machte sie sich als Lyrikerin einen Namen u.a. mit den Bänden „Seven-li Scent“ und „Unregrettable Youth“. Damals schrieben andere populäre Lyriker wie Hai Zi, Gu Cheng, Bei Dao und Shu Ting, Gedichtelesen kam in Mode.
Doch etwa im letzten Jahrzehnt schwand die Lyrik allmählich aus dem Leben der Leute und man hörte nur wenige neue Lyriker. Auf der Messe geben manche Besucher zu, daß sie kaum Gedichte lesen, „obwohl sie Lyrik mögen“.
Die Collegeschülerin Chen sagt, warum Lyrik nach ihrer Meinung aus der zeitgenössischen Kultur verschwindet:
„In unserer Gesellschaft leben die meisten Menschen in Hast und haben keine Zeit zu meditieren. Leute die Gedichte schreiben wollen finden vielleicht nicht die Zeit, ihre Gedanken zu sortieren. Und Leute die Gedichte lesen wollen haben nicht den Luxus, sich zu entspannen und ein gutes Gedicht zu genießen.“
Und die 71jährige Frau Wang glaubt, daß es an der Bildung liegt. „Die gegenwärtige Ausbildung fokussiert sich aufs Geldmachen und hat die Literatur vergessen. Kein guter Nährboden für Dichter.“
Xi Murong erinnert daran, daß auch heute viele Leute in China Gedichte schreiben. Sie betont, Lyrik sei ein Nischenmarkt für eine kleine Gruppe, nicht für jedermann. „Doch Dichter und Dichtung wird es immer geben. Es gibt sie in jedem geschichtlichen Moment. Vielleicht hatten sie manchmal mehr Einfluß als heute. Doch wie jemand gesagt hat: Gedichteschreiben ist ein natürlicher Antrieb genau wie Gedichtelesen. Deshalb wird die Lyrik nie sterben.“
People Daily http://english.peopledaily.com.cn/90782/8337090.html
Neueste Kommentare