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Als verfremdende Momente sah Dieter Sperls Partitur zwei rein sprachliche Komponenten vor : Da waren kurze Texte – nicht länger als einige Sätze – deren Aufnahmen mithilfe des Rechners aufs zwanzigfache und über das gesamte Stück gedehnt wurde . Der dadurch verursachte Verlust der Veständlichkeit des Wortsinns war beabsichtigt und durch den Gewinn einer das Stück rhythmisierenden sprachlichen Superstruktur mehr als wettgemacht . Obwohl im Zeitalter der digitalen Soundtechnik ein solches Stretching nicht mehr notwendig mit jener Absenkung der Tonhöhe einhergeht , wie sie zu Zeiten des Tonbandes der Fall war , entschied man sich bewusst für eine rechnerisch herbeigeführte Tonabsenkung mit dem Effekt einer bassartigen Grundierung .
Als zweite sprachliche Intervention blieben eine Reihe von Silben , Worten und Wortfolgen , welche umgekehrt ( revertiert ) eingesprochen wurden , dann aber wiederum per Software im Reverse- Modus umgekehrt wurden : das nach dieser zwiefachen Drehung wieder “gerade” Lexik klang fremd , kaum verständlich und – wie etwa aus “Twin Peaks” bekannt – seltsam unheimlich .
Schliesslich wurde der für “Literatur als Radiokunst” eher rare Effekt des Halls von Tonmeister Elmar Peinelt an eher überraschenden Momenten des Sprachverlaufs gesetzt , wodurch jede Anmutung obsolet wurde , dass hier ein ohnehin abstraktes Sprechen etwa “natürlich” oder illustrativ verklanglicht worden sei . Die insgesamt klare , indes deutlich differenzierende Klangsprache konnte dem Autor der “Diary Samples” nur recht sein .
HINWEIS
Dieter Sperls Produktion “Fluss der Poesie . Crossing the River of Imaginations” ( 16:12 ) wird am 7. 7. 2013 ab 23:03 H im ORF- “Kunstradio” urgesendet .
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1. Literatur als Radiokunst
Als verfremdende Momente sah Dieter Sperls Partitur zwei rein sprachliche Komponenten vor : Da waren kurze Texte – nicht länger als einige Sätze – deren Aufnahmen mithilfe des Rechners aufs zwanzigfache und über das gesamte Stück gedehnt wurde
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