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Beitrag aus dem Lyrikwiki Labor (ich werde nicht nachlassen, hier Mitstreiter zu suchen. Es gibt immer Neues seit Ihrem letzten Besuch!):
Was ist ein Gedicht? Ein Gedicht ist nichts. Durch Beharrlichkeit kann aus einem Gedicht etwas werden, aber dann ist es etwas und nicht ein Gedicht. Warum ist es nichts? Weil es nicht angeschaut, gehört, berührt oder gelesen werden kann (was gelesen werden kann, ist Prosa). Es ist kein Ergebnis von Erfahrung, sei sie gewöhnlich oder ungewöhnlich, es ist das Resultat der Fähigkeit innerhalb der Erfahrung ein Vakuum zu schaffen – es ist ein Vakuum und ist es nichts. Es kann nicht angeschaut, gehört, berührt oder gelesen werden, weil es ein Vakuum ist. Da es ein Vakuum ist, kann der Dichter sich damit nicht schmeicheln, noch dafür Schmeicheleien einfordern. Da es ein Vakuum ist, kann es nicht vor Publikum wiedergegeben werden. Ein Vakuum ist unveränderlich und unverrückbar ein Vakuum – das einzige, was ihm zustoßen kann, ist Zerstörung. Wäre es möglich, es vor Publikum wiederzugeben, würde daraus die Zerstörung des Publikums resultieren.
(Aus: Laura Riding: Anarchism Is Not Enough. Berkeley, 2001, deutsch in: PARA-Riding, roughbook 015, 2011)
Textproben aus dem roughbook hier
Ich glaube nicht, dass die Lyrik-Lesebühnen dieser Welt diese Art Theorie, wenn es denn eine ist, unterschreiben würden.
Ich behaupte hier das Gegenteil. Das Gedicht ist Alles – und das Gedicht will gelesen werden. Denn das Gedicht ist Klang.
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Es ist eine wunderschöne Hoffnung, aus dem Sachzwangdenken der Technokratie befreibar zu sein – und ja, Lyrik KANN Ausbruchstunnel freisprengen. Danke für dieses Zitat.
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http://poemie.jimdo.com/neuropoesie/poemie-verbalvakuum/
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Ist es nun nichts oder ein Vakuum?
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