52. Lob des Kapitalismus (Mandevilles Bienenstock)

Eine Antwort lieferte der in London lebende niederländisch-französische Arzt Bernard Mandeville. Er beschrieb 1705 in einem Gedicht („The Grumbling Hive“) einen munter summenden Bienenstock, dessen „Bewohner“ typische menschliche Laster hatten: Gier, Geiz, Eigennutz – bis ein gütiger Gott sie kurzerhand von allen Lastern befreite. Das Ergebnis: Der Bienenstock verödete, das Leben kam bis auf kärgliche Reste zum Erliegen: „Was früher drei zusammen machten / die sich einander überwachten / Das macht jetzt einer gut und ehrlich / So werden Tausende entbehrlich.“ Die Luxusbienen, die Arbeiterbienen, die Kriegerbienen verlieren alle ihre Existenz. „Stolz, Luxus und Betrügerei / muss sein, damit ein Volk gedeih!“, resümiert Mandeville.

Das war für damalige Moralvorstellungen starker Tobak, stellte es doch gängige Annahmen über die Welt geradezu auf den Kopf: Nach Mandeville resultierte der Wohlstand eines Landes nicht mehr aus dem gottgefälligen Handeln seiner Bewohner, sondern aus der Tatsache, dass sie mehr oder weniger ungehemmt den eigenen Vorteil suchen. Hauptsache, der Umsatz stimmt, könnte man zugespitzt sagen. Auch der Untertitel der „Fable of the Bees“ war eindeutig: „Private Laster / Allgemeiner Nutzen“. Seine Kritiker warfen Mandeville vor, Religion, Sitte und Anstand über Bord zu werfen und Chaos und Laster Vorschub zu leisten. / Werner Plumpe, FAZ 7.12.

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