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Veröffentlicht am 4. November 2002 von rekalisch
Die beiden nächsten Alben enthalten jeweils eine ganze Reihe von Liedern, deren Text um radikalste Zerstörungen kreist, während die Musik ihren Affekt bis zur Neutralität hin zurücknimmt.´Die Verse von Ballad Of Hollis Brown zum Beispiel türmen Bilder existentieller Hoffnungslosigkeit regelrecht auf: Ratten im Mehl, ein totes Pferd, schwarzes Gras, ein ausgetrockneter Brunnen, glasige Augen eines Säuglings, der Schrei der Frau. Die reduktionistische Kargheit der Musik indes, respektive der Gleichmut der Gesangslinie bewahren diese Tragödie in elf Strophen vor dem expressiven Extrem, indem sie sie mit einer Atmosphäre versteinerter Trauer überziehen. …
Das Lied mit der größten Spannweite zwischen Vers und Klang ist zweifellos Desolation Row. Daß Dylan diesem frei flottierenden Exzeß an Bildern, Worten und Traumsequenzen überhaupt eine musikalische Gestalt geben konnte, möchte man auch heute noch kaum glauben. Das Gedicht ist als eine der stärksten zeitgenössischen Visionen des Apokalyptischen bezeichnet worden. Allen Ginsberg sah in ihm mit Fug und Recht einen Verwandten seines Geheuls. / Richard Klein, Merkur 4.11.02
Kategorie: Englisch, USASchlagworte: Bob Dylan, Richard Klein
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