Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 13. Februar 2012 von lyrikzeitung
Das Gedicht «Vom armen B. B.», am Ende der ebenso berühmten «Hauspostille», wird seit je als lyrische Autobiografie gehandelt. Noch zu Brechts 50. Todestag wurde es auf BBC verlesen, um einem weltweiten Publikum nahezubringen, wer Bertolt Brecht war. Näher besehen, ist es eine einzige Provokation. …
Im Interesse seiner Literaturfähigkeit scheint auch schon die allererste Fiktion seines Gedichts erfolgt zu sein, nämlich schon die Selbstnennung, mit der dieses in den späteren Fassungen überschrieben war – «Vom armen B. B.», zuvor «Ballade vom Bert Brecht» – und mit der es schon in der Urfassung begann und endete: «Ich, Bertold Brecht». «Bertold» oder «Bertolt» Brecht hiess nicht immer schon so. «Eugen Berthold Friedrich» lautet sein Name auf dem Geburtsschein und der Geburtsurkunde, «Eugen Brecht» in den Schulzeugnissen und Schülerverzeichnissen, «Eugen Berthold Friedrich Brecht» auf der Sterbeurkunde. «Eugen Brecht» war auch noch eine Widmung «zu Weihnachten 1916» unterzeichnet, «Eugen Bert Brecht» die Todesanzeige für seine Mutter.
Der falsche oder halbwahre Name, die Aufwertung eines «middle name» und dessen mehrfache Abänderungen sind offensichtlich poetisch motiviert, durch das Prinzip der Äquivalenz: «Bertold Brecht», «Bertolt Brecht», «Bert Brecht», «B. B.». / Yahya Elsaghe, NZZ 11.2.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Bertolt Brecht, Yahya Elsaghe
Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Tom de Toys, 10.2.1998, inspiriert durch ein B.B.-Zitat,
das im Februar 1998 überall in Berlin Werbeplakate zierte:
„…und mein Werk ist der Abgesang des Jahrtausends.“
ÜBERMUßE
(– BRECHT BRUTAL –)
zerrissen
bleiben die gedichte
deren anfang mir so
leblos schien wie
jene monsterhand mein
seelenkleid entfaltet Stumme
Schreie trotz
gezänk der bühnenbildner aller
generationen ledig
mit skalpell vergangener
vergangenheiten überdrüssig
glaubenssprüche klopfen
an die pforten des belustigten
stillstands aller falschen
atemwege rennbahn
außer-
irdischer almosen taten
hin und taten !
her der letzte
krieg zwingt übermüdete
leibhaftig wie
die kinder brot
und nägel zu zerkauen bis
die kahle kehle singt wir
alle selbstverstörungen verraten was
wir schauen alle
alle ‘sehnsucht’ jammer-
schade: ERDE
BLEIBT sich gerne
treu
(c) G&GN-Trademark Poemie TM
LikeLike