121. Politische Logik

Der neue Süd-West-Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) dichtet auch und hat den Band „Politikergschwätz“ veröffentlicht. Die Südwestpresse zitiert aus seinem Gedicht „Politische Logik“

Sagt ein Schwarzer mal zu dir: / „Zwei und nochmal zwei gibt vier“, / musst als Roter du verneinen, / dir zuliebe und den Deinen. / Stellt dann aber tags darauf / Rot die Gegenthese auf, / die alleine richtig sei: / „Vier besteht aus eins und drei“ / protestiert aus reinem Sport / Schwarz und widerspricht sofort. (…)

120. straßen und blumen und frauen

Seit dem Wintersemester 2011/12 werden alle Studierenden der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH) auf Spanisch begrüßt, denn der Preisträger des Alice Salomon Poetik Preises 2011, Eugen Gomringer, stellte sein Gedicht „avenidas“ für die Gestaltung der südlichen Außenwand der Hellersdorfer Hochschule bereit. Als Begründer der Konkreten Poesie und zugleich einer ihrer prominentesten Vertreter zählt Eugen Gomringer zu den bedeutendsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur. „Wir freuen uns sehr über diese bleibende Erinnerung an unseren Poetikpreisträger Eugen Gomringer und sind uns sicher, dass die Strahlkraft des Kunstwerkes weit über unsere Hochschule und den Bezirk Hellersdorf hinausgeht“, so Prof. Dr. Theda Borde, Rektorin der ASH Berlin. Mit einer Fläche von 15 Metern Höhe mal 14 Metern Breite zählt das Kunstwerk zu den größten Gedichten an öffentlicher Wand.

In Anlehnung an die Konkrete Kunst prägte Eugen Gomringer in den 50er Jahren den Begriff Konkrete Poesie – eine Dichtkunst, die das „Sprachmaterial“ in den Vordergrund stellt. Durch besondere Anordnungen der Buchstaben und Wörter wird eine eigene künstlerische Realität erschaffen und Bedeutungsinhalte werden visualisiert. Gomringer spielt mit Wiederholungen und Wechsel der Wörter und schafft so neue Zusammenhänge zwischen ihnen. So wiederholt auch sein Werk „avenidas“ mehrmals die Schlüsselwörter „avenidas“ (Straßen), „flores“ (Blumen) und „mujeres“ (Frauen) und findet dann seinen Höhepunkt in dem plötzlich und nur einmal auftauchenden „admirador“ (Bewunderer).

avenidas y flores

Foto: Barbara Halstenberg

Quelle: informationsdienst wissenschaft

119. Janko Messner in Klagenfurt verstorben

Der kärntnerisch-slowenische Schriftsteller und Kämpfer für Minderheitenrechte hinterlässt ein umfangreiches Werk. 2002 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

„Du sprichst eine Sprache, die in meinen Ohren fremd klingt“, schreibt Janko Messner im Gedicht „Lieder für Ivo“. „Aber jede Sprache ist Musik in offenen Ohren und offenen Herzen.“ Der Kärntner-Slowene, 1921 in Aich nahe Bleiburg geboren, war neben seiner literarischen Arbeit auch politisch aktiv. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Schwarzweiße Geschichten“ (1995) und das „Kärntner Heimatbuch“ (1980). 2002 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Vier Jahre später schickte er es an Bundespräsident Heinz Fischer zurück, weil der ORF seinen Film „Vrnitev/Die Rückkehr“ nicht ausstrahlte. Darin geht es um die Vertreibung hunderter Kärntner Slowenen durch die Nazis im April 1942. Das Ereignis wurde in Kärnten jahrzehntelang totgeschwiegen. / Die Presse 28.10.

118. Wie Berg und Tal

„Läßt die Literaturkritik an unseren Schriftstellern, wie sie in den Zeitungen A..bladid* und Morgunbladid* zu lesen ist, wirklich so viel zu wünschen übrig, wie einige meinen?“

„Sie ist amüsant und nicht so unsinnig, wie manch einer glaubt. In dieser ganzen Diskussion um die Qualität dichterischen Schaffens stellt jedoch der Kritiker selbst mit seiner Besprechung den Gipfel dar. Wer als Dichter mit seinem Werk darüber nicht hinausgelangt, der wird erlöst.“

/ „Die traditionelle Gedichtform ist nun endlich tot…“ Interview mit dem Dichter Steinn Steinarr. In: die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik 56 (242) 2011, S. 197. Original erschienen in: Tímarit Líf og List 7/1950 (Aus dem Isländischen von Dirk Gerdes)

(Das Islandheft der Zeitschrift mit dem Schwerpunkt: Islands „Atomdichter“)

* Die diakritischen Zeichen vereinfacht oder weggelassen

117. Frauensache

Lyrik ist wohl eher Frauensache. Diesen Eindruck konnte man leicht bei dem Herbstlese-Abend mit dem Weimarer Dichter Wulf Kirsten und dem Weimarer SchauspielerThomas Thieme im Erfurter Café Nerly gewinnen. Das Altersspektrum des überwiegend weiblichen Publikums reichte von der hippen Bionade-Trinkerin bis zur Wein- und Lyrik-Liebhaberin älteren Semesters. / Thüringer Allgemeine

116. Manfred Peter Hein in der literaturwerkstatt

Do 27.10. um 20:00 Poesiegespräch: Manfred Peter Hein

In Lesung und Gespräch: Manfred Peter Hein(Helsinki)  Moderation: Nico Bleutge (Autor und Literaturkritiker, Berlin)

Manfred Peter Hein ist der große Fremde der deutschen Dichtung. Er veröffentlicht seit über einem halben Jahrhundert Gedichte – auf 15 Bände beläuft sich das Oeuvre –, und fast ebenso lange lebt er als ein »deutscher Dichter in Finnland« (Bobrowski). Vielleicht ist diese Entfernung an die Peripherie des Literaturbetriebs die Ursache dafür, dass Hein ein Geheimtipp für Eingeweihte ist. Sein Werk, das in der Traditionslinie Celans, Huchels, Arendts und Bobrowskis steht, ist in Deutschland immer noch zu entdecken.

Anlässlich seines 80. Geburtstages am 25. Mai 2011 veröffentlichte der Wallstein-Verlag dem Band »Weltrandhin« mit Gedichten aus den Jahren 2008–2010. Über diesen Band und ein Leben als Dichter, Beobachter, Übersetzer, Fährtensucher und Fährmann der Literaturen soll an diesem Abend gesprochen werden – und aus diesem Band wird Hein lesen.

»Im Grunde arbeitet Hein in jedem Gedicht an dem Paradox, mit der Sprache gegen das Nichts anzutreten, dort Verse zu setzen, wo eigentlich Schweigen und Stille herrschen.« (Nico Bleutge)

Manfred Peter Hein (*1931 Darkehmen/Ostpreußen) studierte Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte und Finnougristik in Marburg, München, Helsinki und Göttingen. Er lebt seit den fünfziger Jahren in Finnland. Er hat zahlreiche Gedichtbände, Prosa, Essays publiziert, er ist Übersetzer und Herausgeber. Für seine Gedichte und Übersetzungen wurde er mit renommierten deutschen und internationalen Literaturpreisen geehrt, darunter 1984 mit dem Peter-Huchel-Preis; zuletzt 2006 mit dem Rainer-Malkowski-Preis.

Poesiegespräche bieten die Möglichkeit eines tiefen Einblicks in Schreibstätten und Konzepte von Dichtern, zumal wenn es um deren neuestes Buch geht. Nico Bleutge, selbst Dichter, wird als kritisch begleitender Gesprächspartner auch diese Veranstaltung der Reihe moderieren.

Mit freundlicher Unterstützung des Finnland-Institut in Deutschland und FILI Finnish Literature Exchange

115. Meine Anthologie 79: Edna St. Vincent Millay, First Fig

First Fig

My candle burns at both ends;
It will not last the night;
But ah, my foes, and oh, my friends —
It gives a lovely light!

——————————————————————–

Aus: Millay, Edna St. Vincent. 1920. A Few Figs From Thistles – Dieses Gedicht kam am 10. April 2002 im täglichen Lyriknewsletter von http://www.daytips.com in mein Postfach. (Wie immer mit Kommentar)

Erste Feige

Meine Kerze brennt an beiden Enden;
Sie wird nicht die ganze Nacht reichen;
Doch ah, ihr Feinde, und oh, ihr Freunde –
Sie gibt ein herrliches Licht! 

(Rohübersetzung)

Zur Überschrift vgl. den Titel ihres Gedichtbandes

Edna St. Vincent Millay
Love is not all
Gedichte Amerikanisch und Deutsch
übersetzt von Günter Plessow
Sammlung Urs Engeler Editor, Band 69
ISBN 978-3-938767-52-8
Gebunden, mit Schutzumschlag
18,5 x 12 cm, 232 Seiten
Euro 19.- / sFr. 36.-
August 2008

114. Versetzter Stein

Makedonien, vormals südlicher, an Griechenland und Bulgarien grenzender Teil Jugoslawiens, ist hierzulande weitgehend unbekannt. Noch unbekannter dürfte die Lyrik dieses Landes sein. Ihr Beginn wird mit den Werken der Brüder Konstantin und Dimitar Miladinov auf den Beginn des 19. Jahrhunderts datiert. Seit den 1960er-Jahren findet alljährlich in Struga, dem Geburtsort der Brüder, ein internationales Poesiefestival statt, und der wichtigste Literaturpreis des Landes ist nach ihnen benannt. 2007 erhielt ihn der 1973 geborene Lyriker, Essayist und Übersetzer Nikola Madzirov für einen Gedichtband, der nun unter dem Titel „Versetzter Stein“ auch auf Deutsch erschienen ist.

Der Name Madzirov leitet sich ab von „Madziri“, einem arabischen Wort. Es bezeichnete ursprünglich die Anhänger Mohammeds, die ihm von Mekka nach Medina folgten und bedeutet heute: Menschen ohne Zuhause. So wurden die Vorfahren des Autors bezeichnet, die infolge früherer Balkankriege ihre Heimat verlassen mussten, als diese an Griechenland fiel. / Carsten Hueck, DLR

Nikola Madzirov: Versetzter Stein
Aus dem Makedonischen von Alexander Sitzmann
Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, München 2011
61 Seiten, 14,90 Euro

113. Debattattatt…..

Google News meldet:

Misere des zeitgenössischen Gedichts
Cineastentreff
Brôcan spielt auf einzelne Kritikerkollegen an, die nicht müde würden, permanent zu verkünden, dass die Lyrikbranche „boome“, dann aber Autoren als Boomer ausgäben, deren Lyrik „nicht selten einem Laborversuch“ gleiche, „dessen Ergebnisse dem Publikum 
Alles zu diesem Thema ansehen »

Allmählich wird die Sache undurchdringlich. Hier mal eine Biblio- bzw. Netographie der laufenden Lyrikdebatte:

65. Hohle Nüsse und Saftbetrieb
Ein Kommentar von Axel Kutsch
Lyrikzeitung 15. Oktober (52 Kommentare)

Hohle Nüsse und junge Milde. Axel Kutsch zum Preiskarussell im deutschen Lyrikbetrieb
Erstellt am 16. Oktober 2011 von Anton G. Leitner

VIEL SAFT UND WENIG WÜRZE
Ein Gastbeitrag von Axel Kutsch zum Preiskarussell im deutschen Lyrikbetrieb
Erstellt am 16. Oktober 2011 von Anton G. Leitner

Götterschöner Freudefunken: Die 19. Folge der Zeitschrift DAS GEDICHT ist erschienen. Arne Rautenberg und Anton G. Leitner haben sie ediert.
Erstellt am 24. Oktober 2011 von Anton G. Leitner

107. Aufgescheuchte Kinder
Auszug aus dem vorigen Beitrag von Anton G. Leitner
Lyrikzeitung 24. Oktober (16 Kommentare)

Misere des zeitgenössischen Gedichts
Von Anton G. Leitner
Cineastentreff 25.10.

Kampagne? Networking? Trotz der vielen Titel handelt es sich nur um 2 Texte, einen von Axel Kutsch, den er am 15.10. an die Lyrikzeitung schickte, und einen von Leitner auf seinem Blog vom 24.10., der gestern abend unter signifikant anderem Titel bei Cineastentreff wieder erschien und von mehreren Google-Newslettern gestern und heute gestreut wurde. Eine Fundgrube für philologische, sprachkritische, sozio- und psychologische, logische usw. Untersuchungen. Auch ich werde mich aus ihr bedienen und versichere: erfreulich wird es vielleicht nicht, aber genau hinsehen lohnt immer.

112. Pans Aura

Ein neu erworbenes Buch sendet bereits Signale aus, bevor man es aufschlägt. Die vierte Luchterhand-Ausgabe von Norbert Hummelt ist diesmal ein Hardcover-Band mit Umschlag. Im Vergleich mit den beiden ersten Sammlungen („Zeichen im Schnee“ 2001 und „Stille Quellen“ 2004), deren Äußeres mit dem umlaufenden Textzeilen-Band betont nüchtern wirkte, hat er eine fast erlesene Aura: der grau schattierte Titel auf zartfarbigem Schilfblätter-Hintergrund scheint auf einer Wasserfläche leicht zu schwanken, ebenso das Zitat auf der Rückseite „u. jeder/ von uns /träumt u. treibt/dahin.“ Das erweckt die Assoziation des träumerisch Verschwommenen, naturhaft Gefühligen – aber so kennen wir Norbert Hummelt gerade nicht. Er verwebt doch sonst allerhand handfeste Alltagserfahrungen in seine lyrischen Teppiche, mit Ortsnamen und konkreten Szenerien bis hin zu den kleinen Peinlichkeiten des bürgerlichen Lebens. Oder erwartet uns ein panischer Schrecken, wird der Ziegennasige, Bocksfüßige in der stillen Mittagsstunde mit seinem Schrei hervorbrechen? Hat er sich vielleicht resigniert, aber pfiffig, nachdem ihm die schöne Syrinx entwischt ist, aufs Flöteblasen verlegt? Jedenfalls, wer eine Gedichtsammlung „pans stunde“ nennt, gibt sich nicht postmodern, sondern deutet einen Zusammenhang mit unserem abendländischen Bildungshintergrund an. / Christa Wißkirchen, fixpoetry

Norbert Hummelt: Pans Stunde. Gedichte. Luchterhand Verlag, München 2011.

 

111. Nachtredaktion

110. X. Mitteldeutsche Lyriknacht

Anlässlich dieses wunderbaren Jubiläums am 3. November 2011, 18 Uhr, im Musikgymnasium Belvedere Weimar, freuen wir uns besonders, so außergewöhnliche und vielfältige lyrische Stimmen präsentieren zu können. Neben Jayne-Ann Igel, Marlen Pelny, Steffen Popp und Olaf Weber können wir auch den diesjährigen Thüringen-Preisträger Jürgen Becker begrüßen. Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller, verbrachte seine Jugend in Erfurt, immer wieder schöpfen seine unverwechselbaren Gedichte Motive aus dieser wiederentdeckten Landschaft. Seine Gedichte sind beispielhaft für die Präzision des Wahrnehmens und die Intensität des Erinnerns.

Auch dem gebürtigen Greifswalder Steffen Popp darf man gratulieren, er erhielt u.a. in diesem Jahr den Leonce-und-Lena-Preis. Er widmet sich – mit metaphorischer Kühnheit – der klassischen Gattung der Landschaftsgedichte und entwirft in ihnen ein aufgeklärtes, zeitgenössisches Antiidyll. Die Gedichte der Dresdener Lyrikerin Jayne-Ann Igels hingegen zeichnen sich durch ein mäanderndes, sensibles Textgewebe aus: Der literarische Urstoff dieser Dichterin ist der Traum, eine Materie, die keine Begrenzungen kennt, eine Materie auch, mit der die Poeten seit Novalis’ Hymnen an die Nacht an „den Schlaf der Welt rühren“ wollen. Durchaus musikalisch, von großer Leichtigkeit, mit einem Gespür für den Zauber des Alltäglichen, sind die Gedichte der in Nordhausen geborenen Musikerin und Dichterin Marlen Pelny. Dass es für die Entdeckung eines lyrischen Talents kein Alter gibt, beweist der Weimarer Prof. Olaf Weber. Seine Gedichte feiern die Freude am Absurden, dem akrobatischen Wortwitz, der nichts zu ernst verstanden wissen will. Doch gerade zu diesem Jubiläum soll besonders Gisela Kraft, der leidenschaftlichen Initiatoren und großen Weimarer Dichterin gedacht werden, aus diesem Grund werden nicht nur die Schüler und Schülerinnen des Musikgymnasiums den Abend musikalisch begleiten, ihnen zur Seite steht auch die Musikerin Reinhild Cleff, die mit ihrem Kollegen Frank Fiedler, eine musikalische Improvisation auf ihrer Schwester Gisela Kraft aufführen wird.*) Es moderiert: Nancy Hünger.

Die Mitteldeutsche Lyriknacht ist eine gemeinsame Veranstaltung der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V., des Lesezeichen e.V., der Stadt Weimar und dem Musikgymnasium Belvedere. / stadt.weimar.de

*) hier geht was schief, M.G.

109. Meine Anthologie 78: Li Bai, Selbstvergessen

 

(Originaleintrag von 2001. Nachträge 2011 vielleicht später)

Selbstvergessenheit

Der Strom – floss, 
Der Mond vergoss, 
Der Mond vergaß sein Licht – und ich vergaß
Mich selbst, als ich so saß 
Beim Weine. 
Die Vögel waren weit, 
das Leid war weit, 
und Menschen gab es keine.


Li Bai (Li Tai Bo), deutsche Fassung von Klabund , in: Klabund. Chinesische Gedichte. Nachdichtungen. Stuttgart Zürich Salzburg: Europäischer Buchklub, ca., 1958 (S. 53) (ursprünglich Phaidon Verlag Zürich).


(Eigentlich ein Gedicht von Klabund nach einem Motiv von Li Bai.)







Selbstvergessenheit

Ich saß und trank und gab nicht acht auf das Dunkeln,
Bis Blütenblätter sich häuften in meines Gewandes Falten.
Trunken ging ich zum Strom und sah in des Mondlichts Funkeln –
Kein Vogel regte sich mehr, und am Ufer glitten nur wenig Gestalten.

(Franziska Meister aus dem Englischen des Arthur Waley)


Ist das dasselbe Gedicht? Man muß schon ein wenig grübeln und schauen.

Self-Abandonment

I sat drinking and did not notice the dusk,
Till falling petals filled the folds of my dress.
Drunken I rose and walked to the moonlit stream;
The birds were gone, and men also few.

(Englisch von Arthur Waley)


Nach einem Kommentar hier
http://www.cs.rice.edu/~ssiyer/minstrels/poems/826.html 

dürfte Waleys Fassung dem Original am nächsten kommen – offenbar auch dem „Geist“ der chinesischen Sprache und Dichtung, die mehr ausspart (während Klabund süß spricht, unserem verwöhnten Ohr schmeichelt):

there are occasions on which Waley gets things exactly right; this is one of them. „Self-Abandonment“ captures the beauty that lies on the other side of perception, the beauty of the unspoken, the unseen, the unknown. It’s almost Zen-like in its rejection of character and plot, and yet, in a mysterious, moonlit sort of way, it works – and it’s absolutely wonderful.

Selbstvergessen

Vor mir der Wein. Ich spürte kaum
  das Nahn der Dunkelheit.
Von niederfallendem Blütenflaum
  war mein Gewand beschneit.

Das stand ich auf und stieg den Bach
  entlang in Trunkenheit.
Der Mond… – kein Vogel war mehr wach;
  die Menschen waren weit.

(Günther Debon)
Verlassenheit

Trinkend saß ich und achtete nicht,
Wie das Dunkel der Nacht mich umhüllte.
Blütenblätter rieselten dicht,
Daß des Mantels Falte sich füllte.

Ich erhob mich trunken und wanderte schwer,
Und der Mondstrahl wies mir die Straße. –
Die Felder dehnten sich menschenleer,
Die Vögel schliefen im Grase.

(Vincenz Hundhausen)
Gedichte von Li Bai kann man Chinesisch hören (und Chinesisch und Englisch lesen) auf dieser Seite:
http://www.chinapage.com/libai/libai2e.html  
– aber wohl nicht dieses.

108. Broken Base

Often caused by the conflict between Word Of God vs Word Of Dante. At its most extreme, it leads to Death Of The Author. / tvtropes.org

107. „Aufgescheuchte Kinder“ (achgott leitn#)

Endlich kommt Niveau in der Debatte:

Axel Kutsch hielt sich in seinem zornigen Kommentar bewusst mit der Nennung von Namen zurück. Sein kleiner Kunstgriff erwies sich als wahrer Kunstkniff, da sich etliche vermeintlich Betroffene – die ersten von ihnen schon wenige Minuten nach der Publizierung des Beitrags – erbost im Internet zu Wort meldeten. So begannen ausgerechnet viele geförderte Autoren und Kleinverleger, darüber wilde Spekulationen anzustellen, wen Kutsch mit seiner Attacke wohl gemeint haben könnte. Manche Kommentare lesen sich fast so, als wären sie von aufgescheuchten Kindern gepostet worden, denen zuvor ihre Eltern bzw. Vater Staat mit Taschengeld-Entzug gedroht hätten. Einige Kommentierungen wirken seltsam naiv und geradezu entwaffnend ehrlich. So wundert sich ein vielfach preisgekrönter Lyriker selbst darüber, von seiner „Lyrik leben zu können“ und vermutet, er würde aus sozialen Gründen gefördert: „Ich glaube, daß manche Leute, die in Jurys sitzen, denken, daß jemand, der drei Kinder hat und die Art von Lyrik schreibt, vielleicht mal wieder was vertragen könnte“. Was er – wie die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen – übersieht, ist, dass ihn nicht die Lyrik, also seine Leserschaft, ernährt, sondern Subventionen und Preisgelder, die größtenteils aus Steuergeldern stammen.