65. Der große Bruder Franz Villon

Manche mögen nur den einen und verachten den andern, oder umgekehrt. Manche hassen beide. Ich liebe beide, so wie beide Brecht und Villon liebten. Wie auch sonst. Biermann, Villon und Degenhardt müssen es mit mir aushalten. Der eine ist gestern gestorben, der andere feierte heute seinen 75. Geburtstag. Hier ihrer beider Villon.

Franz Josef Degenhardt: Große Schimpflitanei

Wolf Biermann: Ballade auf den Dichter François Villon

Weiterlesen

64. Meine Anthologie: Villons berühmtester Vierzeiler

XIII. [Quatrain]
Le Quatrain que feist Villon quand il fut jugé à mourir

Je suis Francoys, dont il me poise,
Ne de Paris empres Pontoise,
Et de la corde d’une toise
Scaura mon col que mon cul poise.

Vermutlich November 1462

François (sein Vorname) und Français (Franzose) wurden zu seiner Zeit gleich ausgesprochen, so daß der Anfang doppeldeutig ist: Ich bin François und Ich bin Franzose…

Ich bin Franzose, was mich bitter kränkt,
geboren in Paris, das bei Pontoise liegt,
an einen klafterlangen Strick gehenkt,
und spür am Hals, wie schwer mein Hintern wiegt.

Deutsch von K.L. Ammer, in: Die sehr respektlosen Lieder des François Villon. Leipzig: Reclam 1968, S. 21

Vierzeiler, den Villon nach der Verkündung seines Todesurteils schrieb 

Ich bin Franzose, was mir gar nicht passt,
geboren zu Paris, das jetzt tief unten liegt;
ich hänge nämlich meterlang an einem Ulmenast
und spür am Hals, wie schwer mein Arsch hier wiegt.

Deutsch von Paul Zech, in: Die lasterhaften Balladen und Lieder des François Villon. München: dtv 1986, S. 105

Vierzeiler
den Villon verfaßte, als er zum Tode verurteilt worden war

Ich bin Franzose, nicht zum Glücke,
Und aus Paris nach dem Geschicke.
Es fühlt am klafterlangen Stricke,
Wie schwer mein Hintern, mein Genicke.

Deutsch von Martin Löpelmann, in: François Villon: Dichtungen. München: Callwey, o.J. [1937], S. 199

Grabschrift

Ich bin Franzose und empfinde das als Last.
Geboren in Paris, das dicht bei Pontoise liegt.
Bald wird mein Hals, von einer Schlinge sanft umfaßt,
Belehrt, wie schwer mein Hintern wiegt.

Deutsch von Ernst Stimmel, in: François Villon: Balladen. Mit Federzeichnungen von A. Paul Weber. Hamburg: Hauswedell & Co., o.J. [1939], S. 52

Vierzeiler

Franzose bin ich – nicht zum Spaße! -,
Stamm aus Paris, nah bei Pontoise,
Werd ich am Galgen hochgezogen,
Weiß ich, wie schwer mein Arsch gewogen.

Deutsch von Martin Remané, in: Die Lebensbeichte des François Villon. Berlin: Rütten & Loening 1964, S. 328

XIII. Als Villon fürchtete, gehängt zu werden

Franz, bin ich, gram drum dem Geschicke,
Geboren in Paris, nah bei Oisebrücke,
Und wissen wird, am ellenlangen Stricke,
Wie schwer mein Hintern wiegt, bald mein Genicke. 

Deutsch von Walther Küchler, in: François Villon. Sämtliche Dichtungen. Französisch und Deutsch. Heidelberg: Lambert Schneider, 1956, S. 251

Vierzeiler

Der Franz-os ich, ein Mißgeschick,
bin aus Paris bei Oisebrück,
bald merkt mein Hals am langen Strick:
mein Hintern bricht mir das Genick.

Deutsch von Carl Fischer, in: François Villon: Sämtliche Werke. Zweisprachige Ausgabe. München: dtv, 2. revidierte Auflage, 2002, S. 231

AMID too much courtly verse-turning of the 14th-16th centuries, the unattainable dames, later the sportive nymphs and shepherds, one voice speaks to the modern ear like clanging metal amid tinsel:

Surname? Villon, just my luck. 
Born? In Paris, near Pontoise.
You wonder what my backside weighs?
Ask my neck when they string me up.

(The Economist 23.12. 1999 http://www.economist.com/node/347514?Story_ID=347514)

Quatrain

Francis I am, which weighs me down
born in Paris near Pontoise town
and with a stretch of rope my pate
wil learn for once my arse’s weight.

FRANCOIS VILLON – SELECTED POEMS
TRANSLATED BY PETER DALE – PENGUIN POETRY

63. Wie es dazu kam

Wolf Biermann im Gespräch mit dpa aus Anlaß seines 75. Geburtstages, Berliner Kurier:

Wie konnte es eigentlich überhaupt so weit kommen? Immerhin waren Sie Regieassistent am renommierten Berliner Ensemble und hatten prominente Förderer.

Das „Unglück“ in den Augen der Politbürokraten begann 1962 mit einer von Hermlin initiierten Lesung junger und noch weitgehend unbekannter Lyriker wie Volker Braun und Sarah Kirsch, zu denen ich auch gehörte, in der Ost-Berliner Akademie der Künste. Sie endete mit einem Eklat, als ich naiv und völlig ahnungslos mein doch gut gemeintes neues Gedicht „An die alten Genossen“ vortrug. Darin heißt es: „Seht mich an Genossen, mit euren müden Augen, den verhärteten. Seht mich unzufrieden mit der Zeit, die ihr mir übergebt… Setzt eurem Werk ein gutes Ende indem ihr uns den neuen Anfang lasst!“ Und plötzlich war von ‚Konterrevolution‘ die Rede und Hermlin verlor seinen Posten in der Akademie. (1976 war Hermlin dann aber auch der Initiator der Protestresolution zahlreicher DDR-Künstler und Schriftsteller gegen die Ausbürgerung Biermanns).

62. Zeitzeuge

„In ihrem Alter habe ich immer Angst gehabt, dass die mich verhaften“, gab Sicha offen zu, der heute im tschechischen Außenministerium tätig ist. Als Jugendlicher habe er seine Gedichte und Texte von Heizern und Pförtnern redigieren lassen, die vor dem Prager Frühling bei elitären Zeitschriften gearbeitet hatten und später mit einem Berufsverbot belegt wurden. / Hannes Harthun, Volksstimme

61. Franz Josef Degenhardt gestorben

Der Liedermacher und Schriftsteller Franz Josef Degenhardt ist am Montag im Alter von 79 Jahren am Wohnort der Familie in Quickborn (Schleswig-Holstein) gestorben. Dies bestätigte seine Familie am Montagabend mehreren Nachrichtenagenturen. …

Degenhardt etablierte sich in der Folge zu einem der bekanntesten Liedermacher der linken Bewegung in der alten Bundesrepublik. Zu Degenhardts Vorbildern zählten François Villon, Georges Brassens, Kurt Tucholsky und Bertolt Brecht. Der Künstler publizierte rund 30 Alben und mehrere Textbücher. Außerdem verfasste er sieben Romane, darunter die 1975 erschienenen „Brandstellen“. / FAZ

60. Tschechische Volkslieder

Geschichte des tschechischen Volkslieds (Teil 1): von den ältesten Nachweisen bis ins 19. Jahrhundert

12-11-2011 02:01 | Jitka Mládková, Radio Prag

An Staatsfeiertagen wie am Tag der Heiligen Kyril und Method, am Jan-Hus-Tag oder am St. Wenzelstag, genauso wie bei weiteren offiziellen Veranstaltungen werden in Tschechien alte geistliche Lieder gesungen. Das geschieht vor allem in Kirchen, aber nicht nur. Nur noch Musikwissenschaftler wissen heute aber wohl noch, dass in manchem dieser Lieder die Melodie eines vielleicht noch älteren Volksliedes versteckt ist. Dabei sind es die ältesten überlieferten Spuren dieses Kulturguts. …

Zu den ältesten tschechischen Liedern, die aus dem Mittelalter bekannt sind, gehört ´Hospodine pomiluj ny´, in dem der Herrgott um Gnade gebeten wird, oder „Svatý Václave“, eine Hymne an den böhmischen Landespatron, den Heiligen Wenzel. Es wird angenommen, dass es in derselben Zeit auch simple Volkssongs, eine Art Gassenhauer gab. Mit diesem Genre hat sich allerdings niemand seriös befasst. Und so mag es heutzutage überraschend sein zu erfahren, dass in alten geistlichen Liedern alte volkstümliche Melodien anklingen. …

„Vor allem zwei der vier ältesten tschechischen Kirchenlieder, und zwar ´Buoh všemohúcí´ – auf Deutsch ´Gott der Allmächtige´ – und ´Jezu Kriste ščedrý kněže´ – Jesus Christus, du Großzügiger Priester´ – hatten ihre Pendants im deutschen geistlichen Lied. Ein anderes Beispiel: Im 14. Jahrhundert hat sich der böhmische Kirchenreformator Jan Hus um die Entstehung tschechisch gesungener Kirchenlieder verdient gemacht. Einige hat er offenbar aus dem deutschen Liedgut übernommen.“ 

59. Zentralantiquariat

… familiäre Devotionalien wie das „schlampig geführte Reichsarbeitsbuch des Großvaters“ ebenso wie die eigene Person betreffende Unterlagen und „Mitgliedsausweise verschiedener Massenorganisationen“ – der „Ausweis der Freien Deutschen Jugend“, der „Ausweis der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ und andere, jeweils ohne das herausgerissene Passbild, das für den jeweils nächsten Ausweis benötigt wurde …

/ Stefan Heuer, cineastentreff, über

Jan Kuhlbrodt: Zentralantiquariat. Gedichte (parasitenpresse)

58. Ausgezeichnet

Der sächsische Lyriker Andreas Altmann erhält heute [Sonnabend] um 19 Uhr in Weimar die mit 5000 Euro dotierte Manfred-Jahrmarkt-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung. Altmann beschreibe Natur und Landschaften in magischen und eigensinnigen Bildern, so die Begründung der Jury. Seine Gedichte ermöglichten einen anderen Blick auf scheinbar Vertrautes. / Bild

57. Verfolgt

Nach Angaben des Writers-in-Prison-Komitees im internationalen Schriftstellerverband PEN wurden im ersten Halbjahr 2011 weltweit 647 Autoren getötet, misshandelt oder eingesperrt.

69 von ihnen warten hinter Gittern auf ihr Urteil, weitere 107 verbüßen eine oft mehrjährige Haftstrafe, andere sind wieder auf freiem Fuß. / dpa/ news.de

5 von ihnen werden in der Agenturmeldung genannt, darunter:

NGUYEN XUAN NGHIA: Der vietnamesische Schriftsteller veröffentlichte Gedichte und Kurzgeschichten im Internet. Darin kritisierte er auch Hanois kommunistische Machthaber und setzte sich für eine Demokratisierung in Vietnam ein. Im September 2008 wurde er wegen Propaganda gegen die Regierung zu sechs Jahren Haft in einem Arbeitslager verurteilt.

 

56. Keine Gedichte mehr

Goethe taucht an den Schulen kaum noch auf, aber auch Reiners ewiger Brunnen ist den meisten Kindern unbekannt. Sie kennen die Gedichte der klassischen deutschen Literatur nicht mehr, nicht im Herbst und nicht in anderen Jahreszeiten. Sie kennen keinen Rilke mehr („Herr, es ist Zeit…“), keinen Mörike („Ich sah des Sommers letzte Rose stehn…“), keinen Storm („Der Nebel steigt, es fällt das Laub…“), keinen Brecht („Am Grunde der Moldau …“), keinen Schiller, keinen Brentano, keinen Uhland, keinen Heine, keinen Novalis, keinen Nietzsche.

Wann haben die Schulen Abschied genommen von der großen Literatur und warum? Es hat keine Begründung gegeben, man hat sich über diese Frage nicht gestritten. Man hat nicht gesagt: Wir wollen keinen Goethe mehr und keinen Brecht. Es war eher eine ganz große kulturelle Schlamperei, ein zufälliges Vergessen. Keiner hat es gemerkt, die Lehrer nicht, die Erziehungswissenschaftler, die Schulräte und die Eltern nicht.

Jetzt kommt die Adventszeit und die Kinder werden in den Schulen singen: „In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Leckerei…“ Ein schönes Lied. Aber warum singen sie nicht auch: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…“? / Gunnar Schupelius, B.Z.

55. Villon wars

Er ist der Sänger der verdammten Seelen. Der Prinz der verfluchten Dichter. Der lärmende Inspirator von Verlaine und Rimbaud. „Das ist der Boss der Poesie. Der Bruce Springsteen der 5ten Kunst“, sagt Jean Teulé, der ihm 2006 eine gut recherchierte Biografie widmete. „Ich, François Villon“ wurde gerade als Comic vom italienischen Zeichner Luigi Critone adaptiert. … Das Leben des François de Montcorbier, der im Jahre 1431 in Paris geboren wurde, paßt zu seinem Werk: verrückt, anstößig, stürmisch, ironisch, manchmal pathetisch. Illustriert von Critones meisterlicher Hand gewinnt der Lebenslauf des Autors der „Ballade der Gehängten“ und des „“Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr“ eine zusätzliche Dimension, wie man sie vom bloßen Lesen kaum erreicht. / L’Indépendant

– Die verfluchten Dichter, Les poètes maudit, Titel eines Buches von Paul Verlaine über Dichter wie Tristan Corbière, Arthur Rimbaud, Stéphane Mallarmé und sich selber (letzteres unter derm Pseudonym Pauvre Lelian, ein Anagramm aus seinem Namen). Villon paßt in Leben und Werk wunderbar in diese Reihe.

54. Wichtige Nützlichkeiten

Chemnitz, 15. November 20.00 Uhr Theater, Zieschestr. 11

Bertram Reinecke bei

Turboprop Literatur vermittelt bereits im 8. Jahr in Folge junge deutschsprachige Literatur und das Wichtigste aus dem Literaturbetrieb.

Gespickt mit einer großen Menge Beiwerk, wie Live-Lektorat, Filmchen, Quiz, Schreibpreisausschreiben, Torte, Bücher und ähnlich wichtige Nützlichkeiten, bietet turboprop alljenen, die Lesungen in Buchhandlungen nicht besuchen mögen, das entscheidende Mehr an Freude am Buch.

Erst zum dritten Mal in der achtjährigen Geschichte der Reihe ist ein Verleger zu Gast.

53. Wer ist’s?

Er ist der Sänger der verdammten Seelen. Der Prinz der verfluchten Dichter. Der lärmende Inspirator von Verlaine und Rimbaud. „Das ist der Boss der Poesie. Der Bruce Springsteen der 5ten Kunst“…

Wer ists? Wer räts ohne Googeln? Auflösung heute nacht.

52. Müdigkeit und Neugier

Seit Jahren gehört zu jedem Pausengeplauder beim open-mike-Wettbewerb die etwas abgewetzte Behauptung, dass die vorgetragene Lyrik der Prosa meilenweit vorauslaufe. Für die wie verlangsamt tastenden Metamorphosen in den Gedichten des Lyrik-Preisträgers Sebastian Unger, Jahrgang 1978, mochte das stimmen.

Vielleicht hat die immerzu allgemein erhobene Behauptung aber eher damit zu tun, dass die Dichter wirkungsvoller das Sprachmaterial der Gegenwart zu filetieren vermögen. Auf dem Wettbewerb war vielmals eine Art Dichterjargon zu hören, der seine Effekte zuvörderst daraus zieht, ein Vokabular freizulegen, das aktuell anmutet. Bisweilen konnte das naiv wirken. Wenn immer wieder in einzelnen Gedichten ‚Latte Machiavelli‘ geschlürft oder ‚mit dem arsch in richtung marktsegment‘ gebetet wurde, dann suggerierten diese Kalauer ihre Gegenwärtigkeit lediglich.

Haben also die Handwerksstücke der Shortstory-Schreiberinnen ihre Leichen im Keller, so ringt der Fachsprechwahn der jungen Lyriker manchmal recht mechanistisch um Leben. Das sahen Jury und Publikum ähnlich. ‚Machen Sie doch einfach mal, worauf Sie Lust haben!‘, rief Felicitas Hoppe, und alle applaudierten. / FLORIAN KESSLER, Süddeutsche Zeitung 8.11.

Hingegen erwies sich die Jury beim Lyrik-Preis als mutlos: Der am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierende Sebastian Unger, Jahrgang 1978, schrieb über erdrückende Gefühle und Alltagsbeschreibungen – so häufig gehört, so langweilig.

Doch die Jurorin und Lyrikerin Kathrin Schmitt [!] überzeugte die beschriebene Melancholie Ungers als „vielfarbig schwarz“.

Lobend erwähnte die Jury immerhin sowohl die Lyrik-Beiträge von Charlotte Warsen und Tristan Marquardt als auch den Romanbeginn von Stefan Köglberger. …

Alles in allem war es ein starker Jahrgang. Die 250 Zuschauer haben unterschiedlich gute Texte gehört: Von epischen Landschaftsbeschreibungen (wie von Anja Kootz) über Operetten-Groteske des Selbstdarstellers Meter Mütze bis hin zu experimenteller Lyrik eines Tristan Marquardt reichte das Spektrum. / Angelo Algieri, Saarbrücker Zeitung 10.11.

Die Lyrik ging in diesem Jahr auffallend in die Breite. Statt Vers-Verdichtung wurden kreuz und quer schießende Assoziationsströme einer hyperreflexiven Empfindsamkeit geboten. Ein hoher Ernst ist am Werk, der Verständlichkeit als banausische Zumutung empfindet. Intermedial angeschlossen und auf der Höhe vielfältiger Diskurse, aber mit dem Rücken zum Publikum geschrieben wird diese neue Lyrik zum Dorfplatz für urbane Eremiten. „Dunkelfarbige Melancholie“ rühmte die Jury an den Gedichten des 1978 geborenen Sebastian Unger, der den Lyrikpreis erhielt. Seine Texte orientieren sich an der Bildlichkeit von Borges‘ „Phantastischer Zoologie“ und stellen das Leben still in Epiphanien von erhabener Müdigkeit. / Wolfgang Schneider, FAZ 8.11.

Mehr verdient hätte den Preis Tristan Marquardt, dessen fragmentarisch-holprige Wortkaskaden für begeisterten Applaus sorgten und der Jury immerhin ein Lob entlockten. Seine Gedichte zeichnen eine Stimmung des gedankenlosen Dahinlebens, das vom Zufall bestimmt scheint, und den Personen nichts weiter lässt, als verwunderte Blicke in die Welt zu werfen – in „das blaue whatever / dürfte der himmel sein“, wie es in seinem Gedicht „fehl am platz am fenster“ heißt. / Julia Kohl, Berliner Zeitung 7.11.

Besonders im Bereich der Lyrik gibt es vielversprechenden Nachwuchs, zum Beispiel Charlotte Warsen und Tristan Marquardt. / blogabsatz.de

Die Publikumsjury durfte sich ja nur einen Sieger aussuchen, und dabei hatten die Lyriker naturgemäß weniger Chancen, doch Tristan Marquardt hätte es fast geschafft, der erste Sieger zu werden, der von der taz-Jury ausgesucht worden wäre. Er riss mit seinem lebendigen Vortrag das Publikum und uns fünf mit, selbst die Autoren-Jury erwähnte ihn deswegen lobend. Tristan Marquardt ist der Dichter der Zehner-Jahre, er lebt seine Lyrik, er lebt seine Texte – ich hoffe und glaube auch, dass er bald viele Preise gewinnen wird. Und natürlich auch gelesen wird! / schmerzwach.blogspot.com

51. Schwunder

Spielend bewegt sich der Wiener dabei im Referenzuniversum, zitiert scheinbar mühelos den jungen Ambros, Syd Barrett und allerlei schrägen 60er-Jahre-Kram.

Die Texte? Kaum fassbar, stets pendelnd zwischen purem Nonsens, punktgenauen Alltagsbeobachtungen und lyrischen Schrägflügen. Manchmal verläuft diese Lyrik-Flut im Leeren, dann wieder gelingen wahre Song-Perlen wie „Plurabelle“, „Venedig geht unter“ oder „Finnigans Wake“. / Lukas Luger, Oberösterreichische Nachrichten

Nino Mandl alias „Nino aus Wien“: „Schwunder“