Der spanische Dichter Tomás Segovia, der 1940 nach Mexiko auswanderte, starb am Montag im Alter von 84 Jahren an Krebs. Der Freund des Dichters und Poeten Octavio Paz war eine bedeutende Figur im Kulturleben Mexikos. Zu seinen bekanntesten Werken zählen La luz (1950), Apariciones (1957), Cuaderno del nómada (1978), Cantata a solas (1985), Lapso (1986), Noticia natural (1992), Fiel imagen (1996) und Sonetos votivos (2007). / Europe1.fr avec AFP
Der gebürtige Kärntner, der in Innsbruck lebt, beschreibt sein eigenes Schreiben als Schabearbeit: Wie ein Bildhauer klopft er Verse aus der Sprachmasse. …
Nach „die mobilität des wassers müsste man mieten können“ (2001) und „fontanalia.fragmente“ (2003) folgt – nach einem Zwischenspiel mit zwei Romanen – nun „mein lieben mein hassen mein mittendrin du“. Christoph W. Bauer schickt in 37 Gedichten eine Liebe in all ihre Stationen vom Ver- über das Entlieben bis zu „so circa fünf frauen nach dir“.
Und er hat sich dafür meisterhaft eine Folie zu Eigen gemacht: Basis, Inspiration und die Fäden, die weitergesponnen werden liefern die Gedichte des Dichters Catull (ca. 85-55 v. Chr.), das Nachwort lieferte denn auch der Universitätsprofessor und Altphilologe Niklas Holzberg.
Der Bezug auf Catull ist schon am Titel zu erkennen: Odi et amo/Ich hasse und ich liebe heißt es in dessen Gedicht Nr. 85. Nur, dass der antike Poet sich nun auf ein Rockkonzert verirrt hat: Das Ich begegnet dem Du bei einem Konzert „Toten Hosen“ (siehe Leseprobe). / MARIANNE FISCHER, Kleine Zeitung
Eine Inspirationsquelle für Achleitner ist das Schnadahüpfel oder Gstanzl. Seine normierte Form lädt zum Spielen ein. Bekanntlich hat Artmann, offenbar von solchen Formexperimenten fasziniert, Edward Lears Limmericks [auf Limerick reimt sic, MG] übersetzt. Im Schnadahüpfel und im Gstanzl treffen, wie im Limmerick, anarchische und regulative Elemente auf einander. Sie öffnen sich dem Nonsens, der ja als solcher nur empfunden wird, weil er unseren Erfahrungen widerspricht, und werden – durch ihre Form und durch die gesungene Melodie – zum Ritual. Hinzu kommt die Vorliebe der Gattung fürs Fäkalische. Bei Achleitner klingt das so: „jo, jo dö braissn / dö frössn und schaissn / dö boan kinnans aa / owa aonö draraa“.
Den Band, der Arbeiten seit 1955 vereint, schließt eine „innviaddla liddanai“ ab, die über 55 Seiten hinweg dem Muster einer Gstanzl-Variante folgt, in der jeder zweite Vers „sagt er“ (bei Achleitner: „sogd a“) lautet. Eine Kostprobe: „mid dö schuach / sogd a / kaosd guad lauffm / sogd a / owa zeaschd / sogd a / muas das kauffm / sogd a“.
Man sieht: Avantgarde kann höchst amüsant sein. Kinder sind mit ihren Abzählreimen ganz nah dran an diesem spielerischen Umgang mit Sprache, ehe er ihnen zugunsten eines scheinbaren Tiefsinns ausgetrieben wird. Sie könnten zur Erkenntnis gelangen, dass Achleitners gesammelte Dialektgedichte zu den wichtigsten heimischen Neuerscheinungen des Jahres gehören. / Thomas Rothschild, Die Presse 5.11.
Friedrich Achleitners Band „Iwahaubbd“ versammelt Achleitners Dialektpoeme seit 1955.
Die indische Zeitung Deccan Chronicle sprach mit dem Malayalam-Dichter K. Satchidanandan, der Anfang Oktober in britischen Wettbüros als Anwärter auf den Literaturnobelpreis gehandelt wurde:
Sie gehörten zu denen, die die Moderne in der Malayalamlyrik ausriefen. Wie sehen Sie das heute?
Ihc habe immer noch das Gefühl, daß die 60er Jahre eine Zeit der Erneuerung waren, in der Lyrik wie in allen anderen Künsten. Es herrschte eine ungewöhnliche Brüderlichkeit zwischen den Künstlern, die alle auf der Suche nach etwas waren, dessen sie sich nicht sicher waren – einer Sprache der mondernen Erfahrung.
Selbst die progressiven Autoren hatten damals keine moderne Sprache. Sie waren progressive Romantiker, als andernorts Dichter wie Neruda eine völlig andere Sprache führten.
Woran liegt es Ihrer Meinung nach, daß die Moderne heute auf dem Rückzug ist?
Vielleicht der Einfluß des Marktes, karrieristisches Kalkül der Dichter.
Wie bewerten Sie die 70er Jahre als Zeit politischer Turbulenzen, als nach allgemeiner Ansicht die Malayalamlyrik eine Hochzeit hatte?
Lyrik und Revolution waren eins. Einige der modernen Autoren wurden politisiert. Wenn ich unfreundlich bin, kann ich sagen, die Brüderlichkeit war auf dem Rückzug.
Und heute?
Die absolute Zerrissenheit gibt es nicht mehr. Der Konkurrenzdruck unter den Dichtern verhindert jeden sinnvollen Diskurs. Die Dichter sehen mehr nach innen, sind subtiler geworden und nicht mehr so laut.
Das Setting für die Lesungen ist hervorragend; das Bühnenlicht weich, das Publikum ist aufmerksam, klatscht sehr gerne und feiert – zu Recht – mehr Texte als es Preise gibt.
Ich war ziemlich lange nicht mehr bei solchen Wettbewerben und wundere mich darüber, dass es keine Dissonanzen zu geben scheint, keine Fraktionierungen, keine Ablehnung des Betriebs etwa seitens der Autoren; dass das Etwas-toll-Finden nicht wie früher so oft von der entschiedenen Ablehnung eines anderen begleitet wird. …
Thomas Wohlfahrt von der Literaturwerkstatt Berlin dachte mit Grauen an Veranstaltungen zurück, bei denen arrogante Dichter oft das Publikum beschimpft hätten, und freute sich, dass die Autoren nun netter geworden seien.
Felicitas Hoppe richtete am Ende als Stimme der Juroren das Wort an die Autoren und sagte, die Juroren seien sehr beeindruckt gewesen von dem Auftreten und Lesen der Autoren. Zugleich hätten sie beim Lesen aber gedacht, „vielleicht lesen Sie mehr, als dass sie schreiben. Und manchmal hätten wir uns gewünscht: Brüllen Sie doch das mal raus!“
Das Gleiche hört man oft auf Filmfestivals. Dem Publikum und auch mir hatte aber alles eigentlich ganz supergut gefallen. Es ist so superangenehm, mit vielen stillzusitzen und junge Autoren lesen zu hören! / Detlef Kuhlbrodt, taz
Die Poesie von Wallace Stevens („Hellwach, am Rande des Schlafs“) könnte von Matisse gemalt sein, sagte Durs Grünbein. Der Autor, seit 2006 Dozent an der Kunstakademie, baute in der Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz ganz weit gespannte Brücken, nicht nur zwischen Formen der Phantasie und fernen Trauminseln, auch hin zu Modellen der Atomphysik. / Rheinische Post
Der Prix du Québec / Prix Athanase-David, der angesehenste Literaturpreis Québecs, geht an den Dichter, Psychiater und Essayisten Joël Des Rosiers für sein Gesamtwerk.
Der Preis wurde 1977 gestiftet. Er ist einer von 12 nationalen Preisen, die Québec jährlich für Leistungen für Kunst und Wissenschaft sowie die Förderung der französischen Sprache vergibt.
Die Journalistin Francine Bordeleau nennt Des Rosiers „einen aus der langen Reihe der Schriftsteller-Ärzte von Empedokles und Rabelais bis Arthur Conan Doyle, Louis-Ferdinand Céline, Gottfried Benn, Antonio Lobo Antunes oder André Breton, Maurice Blanchot, Jacques Stephen Alexis und Jacques Ferron.
Joël Des Rosiers stammt aus einer alten Familie im Süden Haitis. Vom Vater hat er die Liebe zur Literatur (er las ihm unter anderem Baudelaires Gedicht « À une dame créole » vor), von der Mutter, die als Neuropsychologin arbeitete, das Interesse an der Erforschung der Psyche. Mit 10 Jahren verließ er mit seinen Eltern, die in Opposition zur Dikatator standen, er kam nach Chicago, New York und schließlich nach Montréal und damit zur französischen Sprache.
/ Robert Berrouet-Oriol, AlterPresse 7.11.
„Dichtung“, so hat es der 1962 in Neuss geborene Norbert Hummelt einmal formuliert, ist Lichttherapie, auch wenn sie dunkel ist.“ In einem anderen Zusammenhang hat sich Hummelt, der 1993 mit dem Band „Knackige Codes“ im Galrev Verlag debütierte, dazu bekannt, dass er das Wort „Licht“ für „besonders unwiderstehlich“ hält, besonders, „wenn es sich auf nicht reimt.“ Auch ohne Kenntnis dieser Aussagen wäre einem beim Lesen von Norbert Hummelts neuem Gedichtband „Pans Stunde“ aufgefallen, wie häufig und in wie vielen Bedeutungsvariationen das Wort „Licht“ in diesen Gedichten erhellende Verwendung findet.
Das einfallende, aufblitzende, fahle, gleißende oder auch grell scheinende Licht ist eine flüchtige Erscheinung. Lichtspiele sind Augenblickskonstellationen. Sie sind häufig nur von kurzer Dauer und unterliegen deshalb dem Diktat der Vergänglichkeit. Für den Dichter, der das „im Augenblick Gegenwärtige“ in Worte verwandeln will, um es „im Bewusstsein dauerhaft anwesend“ zu halten, stellt deshalb das Licht eine enorme Herausforderung dar. Zu jedem gelebten Augenblick gehört ein bestimmtes Licht. / Michael Opitz, DLR
Norbert Hummelt: Pans Stunde. Gedichte
Luchterhand Verlag, München 2011
90 Seiten, 16,99 Euro
Die Autoren-Jury, bestehend aus Felicitas Hoppe, Kathrin Schmidt und Tilmann Rammstedt, habe sich ganz bewusst für Werke entschieden, die nicht mit erschreckender Professionalität gemacht sind, um in den Rahmen allgemeiner Gefälligkeit zu passen, betonte Hoppe. Angesichts eines handwerklich starken Jahrgangs, der sich perfekt zu präsentieren wusste, warnte sie die Nachwuchs-Autoren davor, zu sehr für Wettbewerbe zu schreiben und auf Vermarktungschancen zu schielen.
„Das Formbewusstsein, das ist uns aufgefallen, das ist sehr groß. Die Perfektion in der Textperformance ist ganz erstaunlich. Und manchmal hätten wir uns gewünscht: Brechen Sie da ruhig mal aus!“
(…)
Tatsächlich wirkte der „Open Mike“ der Literaturwerkstatt Berlin in diesem Jahr wie eine gut geölte Maschinerie. Handwerklich erstaunlich reife Texte, die meist um schwergewichtige Themen kreisten: Betrachtungen eines einsamen Ichs, Krankheit und Tod der Eltern, traumatisierte Familien. Viel Innerlichkeit, wenig Politisches. (…)
Weil in früheren Jahren die Lyrik oft zu kurz kam, gibt es beim „Open Mike“ nun eine eigene Auszeichnung für die jungen Dichter. Sie ging diesmal an den schüchternen Blondschopf Sebastian Unger. Der Lyriker hat wie rund ein Drittel der Finalisten am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studiert. In seiner von Borges inspirierten Metaphorik verwischt er die Grenzen zwischen Tier und Pflanze.
Im Publikum drängten sich Lektoren, Literaturagenten und Talent-Scouts zu Dutzenden. Diejenigen, die ohne Preis nach Hause gehen mussten, können sich daher trotzdem zu den Gewinnern zählen. Im 19. Jahr seines Bestehens reicht oft schon die Teilnahme am „Open Mike“, um eine literarische Karriere zu beflügeln. / Vanja Budde, DLR
Lobend erwähnt wurden zudem Tristan Marquardt, Stefan Köglberger und Charlotte Warsen. Den Preis der taz-Publikumsjury erhielt ebenfalls Christina Böhm für ihren Text Platzanweisung./ buecher.at
Das Texttonlabel KOOK präsentiert:
Nach jung offen. Entdeckungen neuester Literatur.
Das Texttonlabel KOOK präsentiert im November in der Lettrétage in Berlin ein Panorama jüngster deutschsprachiger Literatur in Einzelbildern. An vier Abenden werden die Autoren Thomas Pletzinger, Rabea Edel, Ulrike Almut Sandig und Ulf Stolterfoht einige der aktuell vielsprechendsten jungen Autoren vorstellen: Paula Fürstenberg, Yevgeniy Breyger, Lena Reinhold und Tristan Marquardt.
Berlin ist Keimzelle und Labor des literarischen Nachwuchses. KOOK möchte ihm eine Bühne geben. Das Prinzip ist einfach: Vier bekannte Berliner Autoren kuratieren jüngste Literatur und stellen sie der literarischen Öffentlichkeit vor. Jenseits von Wettbewerben und Marktzwängen gilt es, in entspannten Lesungen mit Werkgesprächen literarische Entdeckungen zu machen.
Rabea Edel, Thomas Pletzinger, Ulrike Almut Sandig und Ulf Stolterfoht lesen dazu eigene, teils unveröffentlichte Texte. So entsteht ein spannendes Panorama neuester deutschsprachiger Literatur.
Thomas Pletzinger, geboren 1975, lebt in Berlin, wo er als Autor und Übersetzer im Literaturatelier adler & söhne arbeitet. Zudem ist er Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Für seinen Debütroman „Bestattung eines Hundes“ erhielt er diverse Auszeichnungen. „Gentlemen, wir leben am Abgrund“, Pletzingers Sachbuch über die Welt des Profibasketballs, erscheint im November 2011 bei Kiepenheuer & Witsch.
Paula Fürstenberg, geboren 1987, studierte bis 2011 am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Ihre Texte wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Hattinger Förderpreis 2011. Sie veröffentlichte in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt in um[laut] und Du. Fürstenberg arbeitet an ihrem ersten Roman und lebt in Berlin.
Rabea Edel geboren 1982, Studium der Italianistik/Germanistik in Berlin und Siena, lebt als Autorin und Übersetzerin in Berlin. Ihr Debütroman „Das Wasser, in dem wir schlafen“ erschien 2006, der Roman „Ein dunkler Moment“ 2011, beide bei Luchterhand. Edel veröffentlichte Essays, Erzählungen und Reisereportagen in Anthologien und Zeitschriften und gibt Schreibworkshops für Schüler. Auszeichnungen: u.a. Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin 2004, Nicolas-Born-Förderpreis 2007, Stipendiatin in der Casa Baldi 2009.
Yevgeniy Breyger, geboren 1989 in Charkow (Ukraine), lebt seit 1999 in Deutschland. Er studiert seit 2010 Kreatives Schreiben / Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Neben diversen Stipendien Teilnehmer beim Treffen Junger Autoren 2010, beim Literaturfestival Prosanova 2011 und beim Internationalen Literaturfestival Berlin 2011. Breyger hat in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht, u.a. in Bella triste und poet.
Ulrike Almut Sandig, geboren 1979, lebt in Berlin. Sie studierte Religionswissenschaft und Indologie sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und gab 2007 bis 2009 die Literaturzeitschrift EDIT heraus. Veröffentlichungen: u.a. die Gedichtbände „zunder“ (2005), „streumen“ (2007) und „dickicht“ (2011), sowie verschiedene Hörspiele und den Prosaband „flamingos“ (2010, Schöffling & Co). Ihre Texte wurden vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Leonce-und-Lena-Preis 2009, dem Silberschweinpreis der lit.COLOGNE und dem Preis der Hotlist der unabhängigen Verlage 2010.
Lena Reinhold, geboren 1982 in Darmstadt, aufgewachsen in Konstanz, studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft und Philosophie in Berlin. Seit 2007 arbeitet sie vermehrt als Regieassistentin und vor allem als Schauspielerin. Als Autorin debütierte sie 2011 in der Literaturzeitschrift EDIT – Papier für neue Texte.
Ulf Stolterfoht, geboren 1963, lebt als Lyriker und Übersetzerin Berlin. Nach mehreren Gedichtbänden bei Urs Engeler Editior erschien von ihm zuletzt „ammengespräche“ (roughbooks 2010) und die Übersetzung von Tom Raworth‘ Gedichten „Logbuch“ (Wunderhorn 2011). Stolterfoht ist Mitglied der Lyrikknappschaft Schöneberg und des Kollektivs Das Weibchen. Außerdem betreibt er im Internet das System BRUETERICH (http://ulfstolterfoht.wordpress.com). Er wurde u.a. mit dem Heimrad-Bäcker-Preis 2011, dem Peter-Huchel-Preis 2008 und dem Anna-Seghers-Preis 2005 ausgezeichnet.
Tristan Marquardt, geboren 1987 in Göttingen, lebt in München und Zürich und ist Mitglied des Berliner Lyrikzirkels G13 (http://gdreizehn.wordpress.com), dessen Mitgründer er 2009 war. 2009/2010 Teilnahme an den open poems der Literaturwerkstatt Berlin. 2010 Einladung zum poesiefestival berlin und zum Festival Localize in Potsdam, 2011 zum Festival Ars Poetica in Bratislava und Košice (Slowakei). Publikationen in Zeitschriften.
Eine Lesereihe des Texttonlabel KOOK. Gefördert durch: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.
Termine
jeweils 19.30 Uhr
Eintritt 5,- EUR / ermäßigt 3,- EUR
Ort
Lettrétage
Methfesselstraße 23-25
10965 Berlin
Eintritt 5,- EUR / ermäßigt 3,- EUR
Informationen unter www.kook-label.de
Die Künstlerstipendien der Stadt Köln in Istanbul 2012 gehen an die Schriftstellerin Andrea Karimé, den Schriftsteller Gerrit Wustmann sowie die Künstlerin Jana Debus. Andrea Karimé und Gerrit Wustmann werden sich das Stipendium für das 1. Halbjahr teilen und für jeweils drei Monate im „Atelier Galata“ leben und arbeiten. Jana Debus wird für sechs Monate in das Atelierhaus ziehen.
Der Auswahljury gehören Dr. Brigitte Franzen vom Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, Dr. Lilian Haberer vom Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln, Insa Wilke vom Literaturhaus Köln, Mischa Kuball von der Kunsthochschule für Medien Köln, die letztmalige Stipendiatin beziehungsweise der letztmalige Stipendiat sowie Barbara Foerster als zuständige Referentin im Kulturamt an.
Im Juli 2009 eröffnete die Stadt gemeinsam mit der Kunststiftung NRW und der Hochschule der Bildenden Künste Braunschweig die Künstlerresidenz „Atelier Galata“ im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu. Das von der Stadt geförderte Stipendium umfasst die kostenlose Nutzung eines Wohnateliers im „Atelier Galata“, eine monatliche Unterstützung von 1.000 Euro sowie einmalig bis zu 600 Euro für An- und Abreise. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten sollen die Entwicklung der Kunstszene in Istanbul kennen lernen, internationale Kontakte knüpfen oder intensivieren. Nach der Rückkehr stellen sie ihre Projekte aus Istanbul in Köln vor und bringen so neue Impulse in die hiesige Kunstszene ein.
Andrea Karimé wurde 1963 in Kassel geboren, studierte Kunst- und Musikerziehung an der Universität Gesamthochschule Kassel und absolvierte eine Ausbildung am Institut für Kreatives Schreiben in Berlin. Seit 2007 ist sie freie Autorin und veröffentlichte bislang sechs Kinderbücher, vier Romane und einen Lyrikband. Ihre Kinderbücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und erhielten zahlreiche Auszeichnungen, alleine zweimal wurde sie in die Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis aufgenommen.
Die Jury hat Andrea Karimé als Stipendiatin (Januar bis März 2012) ausgewählt, weil es ihren Kinderbüchern gelingt, das Thema Integration in ein fremdes Land, Rassismus, Krieg und Flucht in fantasievolle Geschichten einzubetten. Sie bedient sich einer leichten Sprache ohne in Klischees zu verfallen. Ihre Projektskizze für Istanbul hat die Jury überzeugt. Karimé will der Frage nach Sprachidentität in einer Stadt der Migration nachgehen.
Gerrit Wustmann, 1982 in Köln geboren, studierte Orientalistik, Politologie und Geschichte an den Universitäten Köln und Bonn. Seit 2006 arbeitet er freiberuflich als Journalist und Redakteur. Er hat bislang fünf Bücher als Autor und Herausgeber veröffentlicht; seine Gedichte wurden unter anderem ins Türkische und Persische übersetzt.
Die Jury hat Gerrit Wustmann als Stipendiaten (April bis Juni 2012) ausgewählt, da die Gedichte in seinem Band „Beyoğlu Blues“ (Fixpoetry Verlag 2011) den Geist von Istanbul schon längst hintergründig und besonnen erfasst haben. Als Netzwerker, der bei Projekten gerne mit Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeitet, hat er sich bereits mit der türkischen Literatur und Autoren wie Perihan Mağden, Sait Faik oder Nazim Hikmet bekannt gemacht. Die Jury ist neugierig auf seine deutsch-türkischen Lyrik-Kooperationen.
Jana Debus, 1976 in Rosche bei Uelzen geboren, studierte an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Seit 2003 dreht sie Filme, zuvor arbeitete sie sechs Jahre in London als Assistentin für mehrere Fotografen. Ihre Arbeiten wurden international auf Ausstellungen und Festivals gezeigt wie bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen, der Videonale 11 oder dem Filmfestival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken. Ihr Film „Gregor Alexis“ 2009 wurde mit dem Grand Prix des 25FPS Zagreb sowie dem 1. Preis VG-Bild-Kunst Förderpreis für experimentellen Film in Köln ausgezeichnet. 2011 erhielt sie den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen.
Das Auswahlgremium hat Jana Debus als Stipendiatin für das 2. Halbjahr (Juli bis Dezember) ausgewählt, weil ihre Filme Selbstporträts von außergewöhnlichen Menschen sind, in denen die Menschen sich so inszenieren, wie sie wollen, und doch so viel darüber hinaus von sich preisgeben. Dies gelingt Jana Debus nicht durch ungehemmten Voyeurismus, sondern durch eine Bild- und Ton-Gestaltung, die auf Weglassen, Aussparen, Andeuten und auf leise Brüche setzt.
Stadt Köln – Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Nicole Trum
Die Juroren des 19. open mike haben entschieden: Die Preise für Prosa gingen an Christina Böhm (Wien) für den Text „Platzanweisung“ und an Joseph Felix Ernst (Nürnberg) für den Text „Dora Diamant“. Der Lyrikpreis des open mike ging an Sebastian Unger (Berlin). Lobend erwähnt wurden Tristan Marquardt, Stefan Köglberger und Charlotte Warsen. Den Preis der taz-Publikumsjury erhielt ebenfalls Christina Böhm für den Text „Platzanweisung“.
Der open mike wird von der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation ausgelobt und ist mit insgesamt 7500,- EURO dotiert.
Aus den über 700 eingegangenen gültigen Bewerbungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum wählten sechs Lektoren aus renommierten Verlagen die 23 Autoren und Autorinnen aus, die am 5. und 6. November 2011 beim Finale in der Wabe in Berlin ihre Texte vortrugen. Die Juroren Felicitas Hoppe, Tilman Rammstedt und Kathrin Schmidt kürten die Gewinner.
Der open mike hat sich, seitdem er 1993 zum ersten Mal verliehen wurde, zum wichtigsten deutschsprachigen Literatur-Nachwuchswettbewerb entwickelt und ist Karrieresprungbrett für junge Autoren. Gewonnen haben ihn u.a. Karen Duve, Kathrin Röggla, Jochen Schmidt, Terézia Mora, Tilman Rammstedt, Rabea Edel, Jörg Albrecht und Judith Zander.
Die Gewinner:
Christina Böhm, fünfunddreißig Jahre alt, studierte Rechtswissenschaften in Wien und Los Angeles und war unter anderem bei Gericht, in einer Drehbuchagentur, als Regieassistentin und in der Landesverwaltung tätig. Sie schreibt Prosa, mit und ohne historischem Hintergrund, aber auch szenische Texte und hin und wieder das, was man früher Fantastik nannte.
Joseph Felix Ernst, 1989 in Burghausen an der Salzach geboren, studiert seit 2009 Germanistik und Buchwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er schreibt (und malt) seit vielen Jahren – und arbeitet gerade an seinem ersten Roman. Beim 23. Literaturpreis der Nürnberger Kulturläden 2011 erreichte er den zweiten Platz.
Sebastian Unger, 1978 in Berlin geboren, studiert Kulturwissenschaften in Frankfurt/Oder (Master) und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.
Die Gewinner des open mike gehen direkt im Anschluss auf Lesereise, Termine:
Mi, 9.11., 20 Uhr Literaturhaus Zürich, www.literaturhaus.ch
Do, 10.11., 19 Uhr Literaturhaus Wien, www.literaturhaus.at
Fr, 11.11., 20 Uhr orange peel, Frankfurt, www.orange-peel.de
Die Wettbewerbstexte sind als Anthologie im Allitera Verlag (www.allitera.de) erschienen und dort oder im Buchhandel erhältlich.
Am 13.11.2011 um 0:05 Uhr sendet Deutschlandradio Kultur die Reportage „19. open mike“.
Der open mike ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Zusammenarbeit mit der WABE und dem Allitera Verlag.
Die ersten Facebookkabel vermelden: Sebastian Unger hat den Preis für Lyrik gewonnen, zwei Preise für Prosa gehen an Christina Böhm und Joseph Felix Ernst.
Es gehört ebenso zu den Eigenheiten Georges, dass seine von Bild und Klang und strenger Form geprägten Gedichte immer wieder den Weg zu Lesern finden, die sich von politischen Verdächtigungen nicht abhalten lassen. Zu ihnen gehört der junge Autor und Germanist Christophe Fricker, der mit seinem Buch sogar noch einen Schritt weiter geht: Er unternimmt er eine Generalverteidigung des Dichters, die nicht nur, wie Adorno, in einem dialektischen Einerseits-Andererseits für einzelne Gedichte wirbt, sondern mit dem poetischen Werk auch die Lehre Georges als Angebot für ein freies Leben im Zeichen der Freundschaft ernst nimmt.
Das lässt aufhorchen und wenn man auch nicht an jeder Stelle folgen kann, so ist Frickers George-Lektüre doch ein engagiertes und frisch geschriebenes Plädoyer gegen eingerastete Sichtweisen und wartet zumeist mit einer klugen und umsichtigen Argumentation auf. Einsichtig ist zunächst, wie Fricker die Poetik Georges im Spannungsfeld zwischen der lyrischen Tradition des 19. Jahrhunderts und den Bewegungen des Naturalismus und der von Mallarmé angeregten Avantgarde verortet.
(…) Die Castrum-Peregrini-Leute sind wiederum für Ulrich Raulff unten durch, weil sie ihm für sein Kreisbuch keine Einsicht in von ihnen verwahrte Dokumente gewährten. Raulff rächte sich, indem er die verdiente Zeitschrift totschwieg, zur Strafe taucht er nun ebenso wie Karlauf bei Fricker nur in Fußnoten auf.
Die literaturpolitischen Manöver müssen einem Leser entgehen, der sich mit Frickers Buch eine erste Annäherung an Gedichte Georges erhofft, aber schaden muss das nichts. Georges Gedichte, das hebt Fricker zu Recht hervor, sind vieldeutig und lassen sich nicht von einer Seite vereinnahmen. Jeder liest sie auf eigene Gefahr, zu eigener Erkenntnis und mit eigener Lust. Ein interesseloses Wohlgefallen, so wie Kant sich das dachte, ist ohnehin nicht möglich. /Norbert Hummelt, Tagesspiegel
Christophe Fricker: Stefan George. Gedichte für Dich. Matthes & Seitz, Berlin 2011. 383 S., 29,90 €.
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