125. Lyrik Kabinett und Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung kooperieren

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und die in München ansässige Stiftung Lyrik Kabinett, die sich als einzigartiges, allein der Lyrik gewidmetes literarisches Zentrum erfolgreich im deutschen Sprachraum etabliert hat, kooperieren. Maria Gazzetti, die Leiterin des Kabinetts, hat vor einem Jahr die Veranstaltung „Das Lyrische Quartett“ ins Leben gerufen, das dreimal jährlich stattfindet. Die Akademie wird sich künftig als Institution kontinuierlich an dieser Reihe beteiligen. Dies soll der Beginn einer längerfristigen Zusammenarbeit sein.

„In einer Zeit, in der das Wort Literatur in der Öffentlichkeit oft als Synonym für Roman gebraucht wird, ist es wichtig, die Stimmenvielfalt der gegenwärtigen deutschen Poesie ins öffentliche Gespräch zu bringen. Dieses Ziel verfolgen Lyrik Kabinett und Akademie gemeinsam“, sagt Heinrich Detering, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Er wie auch der Kritiker und Lyriker Harald Hartung, ebenfalls Mitglied der Deutschen Akademie, gehören zum festen Ensemble des Quartetts, dem die Kritikerin Kristina Maidt-Zinke vorsitzt. Die vierte Person der Runde hat Gaststatus und wechselt jeweils zu den Veranstaltungen. Jedes Mal diskutiert das Quartett über vier Lyrikbände: drei Neuerscheinungen und einen Klassiker. „Im gemeinsamen Lesen und im Reden über Gedichte setzen wir an“, sagt Maria Gazzetti, „um zu zeigen: Die Poesie ist lebendig und gesellig.“

Am 18. April 2012 kommt das Lyrische Quartett zum vierten Mal zusammen. Als Gast wird der Verleger und Schriftsteller Michael Krüger dabei sein. Diskutiert wird über:

  • Tanja Dückers: Fundbüro und Verstecke (Schöffling, 2012)
  • Alexander Nitzberg: Farbenklavier (Suhrkamp, 2012)
  • Derek Walcott: Weiße Reiher (Hanser, 2012)
  • Wisława Szymborska: Der Augenblick/Chwila (Suhrkamp, 2005)

Mit der kommenden Veranstaltung wird die Internetseite www.daslyrischequartett.de freigeschaltet. Sie bietet nähere Informationen zu der Reihe: Audiodokumentationen der Veranstaltungen, Biographien der Kritiker, eine Liste der besprochenen Bücher u. a.

Es ist geplant, Ende 2012 eine Empfehlungsliste aus den Lyrikneuerscheinungen des Jahres vorzustellen. Über diese Liste wird ein Gremium aus Lyrik-Kennern und Mitgliedern der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung entscheiden.

Weitere Veranstaltungen der Reihe:

  • 20. Juni 2012, Gast: Dirk von Petersdorff
  • 28. November 2012 (Gast N.N.)

Veranstaltungsort des Lyrischen Quartetts: Lyrik Kabinett, Amalienstraße 83a, 80799 München.

124. Verschlossener Raum

Was beschäftigte Gottfried Benn an sechs von sieben Wochentagen und war für W.H. Auden eine Sucht, die dem Konsum von Tabak oder Alkohol gleichkam? Welche Leidenschaft – neben der Lyrik selbst – verbindet beide Dichter mit Pablo Neruda, mit Bertolt Brecht und Helmut Heißenbüttel? Die Antwort, kurz gefasst, lautet: Der Kriminalroman. Der Vortrag, ausgehend von einer erstaunlichen und alle poetologischen Differenzen überschreitenden Leidenschaft, bewegt sich von den historischen Wurzeln über Exkurse zum Rätselgedicht hin zum eigentlichen Thema, zum Rätsel des Gedichts selbst – und zu der entscheidenden Frage: Was macht diesen erstaunlichen Raum aus, der das Gedicht ist, und wie wäre er zu betreten?

Münchner Reden zur Poesie XI
Jan Wagner: „Der verschlossene Raum“
Moderation: Frieder von Ammon

Mittwoch, 28. März 2012, 20:00 Uhr
Lyrik Kabinett
Amalienstraße 83a, 80799 München

123. American Life in Poetry: Column 366

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I don’t think we’ve ever published a poem about a drinker. Though there are lots of poems on this topic, many of them are too judgmental for my liking. But here’s one I like, by Jeanne Wagner, of Kensington, California, especially for its original central comparison.

My mother was like the bees 

because she needed a lavish taste
on her tongue,
a daily tipple of amber and gold
to waft her into the sky,
a soluble heat trickling down her throat.
Who could blame her
for starting out each morning
with a swig of something furious
in her belly, for days
when she dressed in flashy lamé
leggings like a starlet,
for wriggling and dancing a little madly,
her crazy reels and her rumbas,
for coming home wobbly
with a flicker of clover’s inflorescence
still clinging to her clothes,
enough to light the darkness
of a pitch-black hive.

 

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Jeanne Wagner from her most recent book of poetry, In the Body of Our Lives, Sixteen Rivers Press, 2010. Poem reprinted by permission of Jeanne Wagner and the publisher. Introduction copyright © 2012 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

122. Kuhlbrodts Sehnsuchtsbücher

Im jungen Leipziger Verlag Reinecke & Voss sind zuletzt einige Bücher erschienen, ohne die ich nicht mehr leben möchte. Das klingt pathetisch, ist aber so. Denn es handelt sich um Bücher, die geradezu wie für mich gemacht scheinen, weil sie so etwas wie eine Sehnsuchtslücke in meiner Lektüreliste füllen. Sie lassen mich verstehen, weshalb Sprache, bei alle politischen Verwerfungen und diktatorischen Transformationen immer noch etwas ist, worin man sich verlieren kann, einerseits in eine Vorstellung von Sprache selbst und andererseits in eine konkrete, ständig bedrohte Sprache, wie das Wendisch oder Sorbisch eine ist. …

Die Begegnung mit Buchmanns Texten, die mir nun der Verlag Reinecke & Voss bescherte, sind dazu geeignet mein Wissenschafts- und Weltbild auf den Kopf zu stellen. (sic!) . Nicht der Gebrauch lässt mich die Dinge erkennen. Das sprechende Tier wird sich der Schönheit der Sprache bewusst, indem er sie betrachtet. Der Philologe als solcher ist Müßiggänger, so scheint es. Und aus seinem Müßiggang heraus entstehen ihm Sätze über den Gegenstand, den er liebt, über die Sprache. In Buchmanns  „Grammatik der Sprachen von Babel“ wird die Sprache nicht, wie sonst üblich, in ein nationalsprachliches Korsett gepresst, und auch nicht als Phänomen, dass sich mehr oder weniger organisch durch die Zeiten hindurch zu einer Nationalsprache geformt hat, dass gleichsam der natürliche Ausdruck eines Kulturraums ist.

Sprache erscheint dem Leser auch nicht als Referenz irgendeines Vorsprachlichen. Natürlich rennt man mit derlei Gedanken bei Strukturalisten, Poststrukturalisten und Postpoststrukturalisten offene Türen ein, aber die Art in der das geschieht ist an Eleganz nicht zu überbieten. Und Eleganz hat einen Erkenntniswert, wie Schönheit die Wahrheit erst ins Licht rückt.

Im zweiten hier angeführten Text geht Buchmann einem Schritt weiter, in dem er eine real existierende Sprache, das Sorbisch oder Wendisch aus einem Zustand doppelter Bedrohung begreift. Einerseits durch  die erdrückende Übermacht des Amtsdeutsch und andererseits durch die paternalistischen Rettungsversuche der Mehrheitsgesellschaft, die sich genau jener amtsdeutschen Wendungen bedient.
Und so scheint es fast wie ein Wunder, dass die Wendische Sprache über die Jahrhunderte fortexistierte, in denen ihr Sprachraum selbst immer kleiner wurde, und, weil sich unter einem Großteil  des wendischen Siedlungsgebietes Braunkohlelagerstädten befinden, auch abgegraben. Was nach der Flutung der Tagebaugebiete zu Vogelschutzinseln und Heimatmuseen mit Artefakten der sorbischen Kultur führte. / Jan Kuhlbrodt, Fixpoetry

Jürgen Buchmann:
Encheiridion Vandalicum oder Das Buch von den Wenden. 76 Seiten, 10 Euro. ISBN: 978-3-942901-02-4

Grammatik der Sprachen von Babel 96 Seiten, 9,95 Euro. ISBN: 978-3-9813470-1-2
Reinecke und Voß, Leipzig 2011/2012

121. Menschenlandschaften

Wiederbegegnen wird man auch dem Aufbegehren gegen Repression und Ausgrenzung, dem zähen Ringen zwischen Intellekt und Staatsmacht, das in stärkerem oder minderem Mass alle vorgestellten Dichterbiografien prägt. Der 1923 als Sohn einer kurdischen Mutter im südlichen Taurusgebirge geborene Yaşar Kemal wanderte mit 17 Jahren erstmals wegen eines Gedichts ins Gefängnis; später, aus der heimatlichen Çukurova nach Istanbul übersiedelt und dort als Journalist tätig, lenkte er den Blick der Leser auf das Los von Unterprivilegierten und Minderheiten. / Angela Schader, NZZ 20.3.

Insan Manzaralari / Menschenlandschaften. Sechs Autorenporträts der Türkei. Buch und Regie: Osman Okkan. Begleithefte mit Essays von Cornelius Bischoff, Erika Glassen, Altan Gökalp, Dietrich Gronau, Iris Radisch, Hubert Spiegel, Sibylle Thelen. 6 DVD à 30 Minuten. Vertrieb über autorenportraits@das-kulturforum.de. € 29.90

Die zweisprachige Dokumentarfilmreihe „Menschenlandschaften – Sechs Autorenportraits der Türkei“ von Osman Okkan umfasst persönliche Portraits von sechs Erfolgsautoren aus der Türkei.

  • I. Nazım HİKMET – Dichter und Revolutionär
  • II. Yaşar KEMAL – Zwischen Poesie und Politik
  • III. Orhan PAMUK – Ein Dichter im Zeichen seiner Stadt
  • IV. Elif ŞAFAK – Literatur zwischen Mystik und Moderne
  • V. Murathan MUNGAN – Der Kultpoet vom Bosporus
  • VI. Aslı ERDOĞAN – Grenzgängerin zwischen Himmel und Tod

Die Reihe beinhaltet eine Aktualisierung der beiden früheren WDR/ARTE-Portraits von Nazım Hikmet und Yaşar Kemal.

120. Ady-Sound

Den Ady-Sound kennt in Ungarn jedes Schulkind: diese unverwechselbare Mischung aus Klage und Anklage, Sehnsucht und Provokation, Lied und Leid, gebannt in suggestive, melodiöse Verse, deren Magie sich insistenten Wiederholungen und einem zugleich eingängigen und eigenwilligen Wortschatz verdankt. Ob Ady über Liebe oder Einsamkeit, über Heimat oder Tod, über Gottsuche oder Armut dichtet, immer geschieht es aus einer Dringlichkeit, die sich dem Leser fast physisch mitteilt. Das lyrische Ich lässt keinen Zweifel an seiner (meist prekären) Befindlichkeit, an seinem Anliegen (das politische und andere Kritik mit einschliesst), vor allem aber sind es Ton und Ausdruck, die in ihrer Intensität sofort gefangen nehmen. Ady analysiert nicht, er beschwört, und zwar in einer Weise, dass man sich dem Zauber seiner Träume und Albträume nicht entziehen kann. …

Mit dem (zweisprachigen) Band «Gib mir deine Augen» offeriert er nicht nur einen repräsentativen Querschnitt durch Adys Werk, sondern bringt die Gedichte so zum Schwingen und Klingen, dass sich das Phänomen Ady erschliesst. Reime, Wortwiederholungen, volksliedhafte Anklänge werden bewahrt, ohne dass daraus Enge und Schwülstigkeit entstehen; die komplexe Direktheit des Modernisten spricht unmittelbar an. / Ilma Rakusa, NZZ 17.3.

Endre Ady: Gib mir deine Augen. Gedichte Ungarisch/Deutsch. Übertragen und herausgegeben von Wilhelm Droste. Arco-Verlag, Wuppertal 2011. 286 S., Fr. 39.–.

119. Nachruf auf Antonio Tabucchi

Antonio Tabucchi war von einer liebenswürdigen Unberechenbarkeit. Wenn ihn Lust auf eine Zigarette, ein Getränk, ein Hustenbonbon, ein Gedicht von Emily Dickinson oder eine Zeile von Pessoa überfiel, liess er das Auto anhalten, vergass Verabredungen, spazierte mitten in Veranstaltungen vom Podium, rauchte, trank etwas, schlug ein Buch auf, knüpfte Gespräche an und verwickelte sich in Unvorhersehbares. … Zufällig entdeckte der 1943 in Pisa geborene Schriftsteller Anfang der sechziger Jahre bei einem Pariser Bouquinisten Gedichte von Pessoa und beschloss, vom Philosophie-Studium auf Portugiesisch umzusatteln. Gemeinsam mit seiner Lissabonner Frau Maria José de Lancastre wurde er später zum Herausgeber und Übersetzer Pessoas und Lehrstuhlinhaber an der Universität von Siena. / Maike Albath, NZZ

118. Latten ohne was drumrum

Christian Morgenstern (1871-1914)

Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da –

und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm
mit Latten ohne was herum,

ein Anblick gräßlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri – od – Ameriko.

 
Aus: Sechsundzwanzig Galgenlieder und deren gemeinverständliche Deutung durch Jeremias Mueller, Dr. phil, Privatgelehrter. In: Über die Galgenlieder. Berlin: Cassirer 1921, S. 50.

Zu den Rehlein dagegen standen Sinn für Phonetik und Naturanschauung Pate – und nicht irgend ein Tiefsinn irgend eines Nietzsche – o ihr tiefsinnigen Ausleger.

Über die Galgenlieder. Berlin: Cassirer 1921, S. 9. (hier als eBuch)

117. Experimentelle Literatur in Österreich

So legitim also ein experimenteller Ansatz auch ist, wirtschaftlich gesehen erscheint er kaum mehr lukrativ. Publikumsverlage könnten sich eine solche Leidenschaft nicht leisten, nur zu schnell stünden sie vor dem Aus. Anders aber ist die Situation in Österreich, wo selbst zu Haiders Zeiten noch eine beispiellose Verlagsförderung von Seiten der Regierung betrieben wurde. Hier, wo die experimentelle Schreibweise traditionell stark ist, können Autoren und Verlage dieser Leidenschaft nachgehen, ohne gleich in ihrer Existenz bedroht zu sein.

Einer dieser Verlage ist der Klagenfurter Ritter Verlag, der seit vielen Jahren anti-konventionelle Text- und Kunstbücher vertreibt.

Wie kann man eine solche puristische Ausrichtung finanziell überhaupt durchhalten?

„Es gibt in Österreich eben andere Rahmenbedingungen für kleine Privatverlage als in Deutschland. Seit 20 Jahren gibt es eine einigermaßen funktionierende Verlagsförderung, die im marktfernen Raum sich einige Verlage hat etablieren lassen, die als primäres Ziel haben, die Literatur voranzutreiben und nicht nur ihre Autoren auf irgendwelche Shortlists zu bringen.“

/ Enno Stahl fragte Paul Pechmann vom Klagenfurter Ritter Verlag, dlf büchermarkt

  • Wolfgang Bauer: „Der Geist von San Francisco“. Verstreut publizierte u. nachgelassene Texte, 360 Seiten, 23,90 Euro.
  • Gundi Feyrer: „Die Trinkerin oder Mein Leben und ich“. 200 Seiten, 18,90 Euro.
  • Franzobel: „Die Seemannsbraut oder Undines Rettung“. 100 Seiten, 13,90 Euro
  • Ilse Kilic: „Buch über viel“. 159 Seiten, 13,90 Euro
  • Francis Ponge: „Der Tisch“. 100 Seiten, 13,90 Euro
  • Gerhard Rühm: „lügen über lander und leute“. 123 Seiten, 13,90 Euro

116. Niech żyje*

Entgegen des angestammten Images verstaubter Lyrik von Petöfi, Ady, Márai und Co hat es sich eine junge Generation von Poetry Slamern zur Aufgabe gemacht, die Kunst des Dichtens dem jungen Publikum wieder schmackhaft zu machen und jenseits von sturem rezitieren, der Poesie Leben einzuhauchen. / Pester Lloyd

Auch die Ungarn also…

*) Niech żyje ist nicht Ungarisch, sondern Polnisch und heißt: Es lebe! Der Slam soll leben, und die Lyrik irgendwo daneben!

115. Of the Surface of Things

Wallace Stevens

Of the Surface of Things

I

In my room, the world is beyond my understanding;
But when I walk I see that it consists of three or four
        hills and a cloud.

II

From my balcony, I survey the yellow air,
Reading where I have written,
„The spring is like a belle undressing.“

III

The gold tree is blue,
The singer has pulled his cloak over his head.
The moon is in the folds of the cloak.

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114. Lyrikvermeidung

André Schinkel schreibt bei Fixpoetry über den Arsch von Lady Gaga, mit dem er anscheinend auf FACEbook befreundet ist, oder davon gehört hat*, und über Lyrikvermeidung:

Und, in aller Freundschaft zum Schluss: wenn man sich dazu durchringen muss, dem Metier der Lyrik zwei halbe und zudem nicht glücklich bestückte Seiten zu überlassen, wäre es dann nicht besser, seiner Neigung gegen’s Gedicht durch konsequentes Vermeiden Ausdruck zu geben? Oder aber man ringt sich durch und gibt diesem Fundament aller Literatur einmal ein ganzes Heft. Was würden den Machern von „Am Erker“ dafür die Herzen der Lyriker zufliegen! Die Freundschaft, sie ist ein Phänomen unter den Menschen, an dem man hart zu arbeiten hat …

Am Erker. Zeitschrift für Literatur, 34. Jg., Heft 62. Münster: Daedalus Verlag 2011.

*) Komm doch rüber zu uns

113. Tonino Guerra

In der Welt ein bisher unveröffentlichtes Interview mit dem am vorigen Mittwoch verstorbenen italienischen Drehbuchschreiber und Schriftsteller Tonino Guerra;

Die Welt: Fellini und Tarkowski haben immer wieder Gedichte von Ihnen verwendet. Der Film „Nostalgia“ endet zum Beispiel mit dem Gedicht über den Wind. Sind Sie mit Poesie aufgewachsen?

Tonino Guerra: Meine Mutter war völlig ungebildet, aber trotzdem sehr einfühlsam. Dinge, die sie nicht kannte oder verstand, vermochte sie dennoch intuitiv zu erfassen. Ich glaube, meine Mutter mochte Gedichte, manchmal rezitierte sie etwas in unserem Heimatdialekt. Ich versuche mich gerade zu erinnern. Ich glaube, ich war es, der die Poesie entdeckte. Vielleicht war es aber auch umgekehrt?

(…)

Die Welt: Sie sollen während der Dreharbeiten zu „Blow Up“ niemals mit Antonioni über den Film gesprochen haben. Warum?

Tonino Guerra: Antonioni und ich hatten schon vor Beginn der Dreharbeiten beschlossen, kein Wort mehr über den Film zu verlieren. Ansonsten hätten wir keine Ruhe gefunden. Vielleicht hätte Antonioni auch einen anderen Film gedreht, wenn wir miteinander geredet hätten. Ich weiß es nicht mehr so genau. Ich kann mich aber gut daran erinnern, dass wir uns stattdessen ausschließlich mit Maler und Fotografen trafen und mit schönen Frauen auf Partys gingen. Wir aßen fast jede Nacht mit den Beatles, trafen Francis Bacon und lernten die Stadt kennen.

112. Erica Jong 70

dpa schreibt zum 70. Geburtstag von Erica Jong am 26.3. (hier bei Focus):

Knapp vier Jahrzehnte liegt es zurück, dass Erica Jong mit „Angst vorm Fliegen“ gegen das männliche Diktat im Bett rebellierte. Der Roman, in dem sie hemmungslos über ihre sexuellen Fantasien schreibt, gehörte zu den meistgelesenen Büchern der 70er Jahre. Er wurde in 27 Sprachen übersetzt.

Seitdem veröffentlichte Jong fast ein Dutzend weiterer Romane, dazu Lyrik, Essays und Memoiren.

Über die sexuelle Revolution schreibt das Wallstreet Journal:

It’s depressing that, after 40 years, we still need a robust defense of the goals of the sexual revolution, but it seems as if we do. …

In the 1970s the sexual revolution was really mostly about sex. But now the sexual revolution has deepened into a more permanent kind of power for women. Young women in their sexual prime—that is, their 20s and early 30s—are generally better off than young men. They are better educated and earn more money on average. What made this possible is the sexual revolution—the ability to have temporary, intimate relationships that don’t derail a career. Or to put it more simply, to have sex without getting married.

Auf Erica Jongs Website kann man sie ihre Gedichte lesen hören

„Fresh, surprising, funny, sexy. Jong’s poetic voice is enchanting as ever.“
–Ken Follett

111. Er schreibt Gedichte

Ich schreibe nach wie vor Gedichte. Die sind nicht so gut, wie ich es mir wünsche, und hoffentlich nicht so schlecht, wie ich fürchte. / Die Welt sprach mit Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe.