Veröffentlicht am 25. September 2013 von lyrikzeitung
Vorsicht ist geboten, wenn Lyrik dräut, sich über anderen Kunstformen zusammenbraut. Ist sie gar verankert im Expressionismus, gepaart mit weihevoller, naturreligiöser Geste und will sie sich vereinigen mit Jazz und Sphärenklängen, dann ist Kunstdruck programmiert. Bei „Pegelia Gold & Art Zentral“ saßen denn auch im Publikum des Münchner Jazzclubs Unterfahrt die Entsprechenden: spärliche, jedoch hochkulturell wild Entschlossene, die jedes ungebührliche Geräusch im Saale auszischten. Bayreuth homöopathisch: ein jedem sein grünes Hügelchen. / Kultur-Vollzug München
Veröffentlicht am 24. September 2013 von lyrikzeitung
Jan Kuhlbrodt: Kommen wir also zu deinen Gedichten. Collage! Ich versuche gerade herauszufinden, was du collagierst.
Steffen Popp: Ich habe immer, auch während meines Literaturstudiums versucht, eine richtig gute Unterscheidung zwischen Collage und Montage zu finden. Das ist mir nicht wirklich gelungen. Was collagiere ich? Es geht bei solchen Gebilden, die ich da entwickle, irgendwie um Mobiles, sage ich auch manchmal; es geht um Gewichtungen, und es geht auch um Kontraste in einem Gefüge, das ja nicht auseinanderfällt, sondern zusammenhält. Die Sachen die da aufeinandertreffen in diesen Texten, treffen auf Aussage und Bildebene aufeinander. Beide Aspekte sind ziemlich wichtig. Also das, was gesagt wird, die Ebene des Gedankens, der Position, der Aussage, des Urteils, das was man mit Sprache gerichtet machen kann, auf dieser begrifflichen Ebene. Dass das eine eigene Wertigkeit hat, und dass die Sachen, die dann evoziert werden auf bildlicher Ebene, auch eine Wertigkeit haben, und dass das kurzgeschlossen wird, sich gegenseitig im besten Fall verstärkt. Das ist das, wovon Philosophen manchmal träumen, wie ich im Helm aus Phlox irgendwo geschrieben habe, dass die Sprache in dem Moment, da sie präziser wird, in dem Maße auch intensiver wird.
Insofern steht das Problem, dass es, wo es präziser wird, auch in die Quantität geht, weil du die Sachen auslegst und die Differenzierung einzieht. Und das wird quantitativ, Terminologie erweitert sich usw., aber es geht von der Intensität auf bestimmte Art und Weise weg. Das Gedicht ist für mich eine Form, in der Präzision Intensität herzustellen. / Mehr bei Signaturen
Veröffentlicht am 24. September 2013 von lyrikzeitung
Die braven Deutschen essen vier bis fünf Butterbrote, trinken zwei große Glas Bier und zuletzt einen Schnaps. Diese Lebensweise kann den heftigsten Menschen phlegmatisch machen. Mir raubt sie alles Denken.
Stendhal (18.4. 1808)
Zit. nach: Cwojdrak, Günther: Poeten tischen auf. Ein kulinarischer Streifzug durch die Weltliteratur. Berlin: Eulenspiegel Verlag, 1978, S. 75.
Veröffentlicht am 24. September 2013 von lyrikzeitung
„Lyrik hat etwas Befreiendes. Befreiend für den Leser und den Schreiber“, ist sich Oliver Tazl sicher. Und zwar so sicher, dass er gemeinsam mit Christopher Tafeit und Ina Plattner das Buch „Neue Zeitpunkte“ herausgegeben hat. Inhalt: 40 Gedichte. Verfasser: Jugendliche, die im Murtal leben beziehungsweise ihre Wurzeln hier haben. „Wir wollten jungen Menschen die Chance geben, ihre Werke zu veröffentlichen. Es gehört nämlich sehr viel Mut dazu“, meint Tazl. Über die EU-Initiative „Jugend in Aktion“ lukrierten Tafeit, Tazl und Plattner das nötige Geld, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Herausgekommen ist eine Gedichtesammlung, die unter dem Titel „Neue Zeitpunkte“ erschienen ist. Kostenpunkt: 7,50 Euro im Buchhandel. Als Kindle-Version beim Internetanbieter Amazon kostet das Buch 3,99 Euro. / Kleine Zeitung
Veröffentlicht am 24. September 2013 von lyrikzeitung
Die Kulturzerstörer finden sich nicht unter denjenigen, die das Internet auch publizistisch verwenden, sondern eher unter denjenigen, die sich ihm unter dem Deckmantel des Bewahrenwollens verweigern. Von Hubertus Kohle.
Zu beobachten ist in dem Feld momentan eine Entwicklung, die ermutigend scheint, aber eher alarmieren sollte: Es gibt immer mehr Ebooks, also elektronische Bücher, die über das Internet gegen Bezahlung angeboten werden. Das Schlechte der neuen digitalen verbindet sich hier mit dem Schlechten der alten analogen Welt: Für Geisteswissenschaftler ist ebook und open access meistens sowieso das Gleiche, halt alles elektronisch oder irgendwie online. Aber das Versprechen des Internets, seine Offenheit und Kooperativität, wird hier unterlaufen. Die von einigen Verlagen schon jetzt ins Auge gefassten Möglichkeiten, nicht nur den Verkauf von Büchern über das Internet zu organisieren, sondern bei den Bibliotheken die abstrusesten Formen von pay per view zu definieren oder ein Buch dann erneut kostenpflichtig zu machen, wenn es mehr als eine bestimmte Anzahl von Malen angefragt wird, sind genauso phantasievoll wie schreckenerregend. Die meisten aber werden das leider erst merken, wenn das Kind schon ins Wasser gefallen ist. A propos Bibliotheken: Dass viele der Vorkämpfer des Open Access hierher kommen, hat einen einfachen Grund: Die deutschen Bibliotheken sind seit Jahren Opfer von drastisch steigenden Preisen vor allem bei Zeitschriften, die manchem Verlag einen Kapitalrendite erbringen, von denen andere nur träumen. mehr lesen
Veröffentlicht am 24. September 2013 von lyrikzeitung
Doch, es gibt sie: Autoren, die Sprache verdichten, Worte und Sinn beleuchten, befragen, reflektieren. Dichter, die ihre Texte nicht nur, aber auch für die berüchtigte Schublade produzieren, weil zeitgenössische Lyrik als schwer zugänglich gilt (es oft auch ist) und sich nur schwer verkaufen lässt; die Sprache nicht nur benutzen wollen, sondern sich mit ihr auseinandersetzen.
Diese andere, die verdichtete, reflektierte Sprache bekam in Düsseldorf auch in diesem Jahr wieder Raum beim Poesiefest im Heine-Haus. Auf der Einladungsliste der Buchhandlung Müller & Böhm stand mit Elke Erb eine der profiliertesten deutschen Dichterinnen. Die 75-Jährige stellte Texte aus ihrem jüngsten Band vor, der anlässlich der Verleihung des Ernst Jandl-Preises 2013 veröffentlicht wurde: „Das Hündle kam weiter auf drein“. / Sabine Schmidt, Rheinische Post
Veröffentlicht am 23. September 2013 von lyrikzeitung
Der Blog des Wallstreet Journal veröffentlicht eins der letzten Gedichte von Kofi Awoonor, der bei dem Angriff auf das Einkaufszentrum in Nairobi getötet wurde. Es erscheint 2014 in dem Band
“Promises of Hope: New and Selected Poems,” selected by Kofi Anyidoho, University of Nebraska Press and the African Poetry Book Fund, 2014
Veröffentlicht am 23. September 2013 von lyrikzeitung
Zwei Veranstaltungen im Ausland – Lychener Strasse 60, 10437 Berlin:
In Lesung und Gespräch: Erik Lindner und Ulf Stolterfoht. Moderation: Monika Rinck.
Donnerstag 26. September 20:00
Geöffnet ab 20:00 Uhr, Beginn um 20:30 Uhr | Eintritt frei
Viel hat Erik Lindner in seinem Berliner Jahr für die Übertragung zeitgenössischer deutscher Dichtung ins Niederländische getan, u.a. mit der umfangreichen, „Berlijn“ gewidmeten Ausgabe der von ihm herausgegebenen Literaturzeitschrift Terras (mit dabei u.a. Ulrike Draesner, Elke Erb, Dieter M. Gräf, Marion Poschmann, Monika Rinck, Ulf Stolterfoht und Uljana Wolf). Nun eröffnen wir für ihn die Gegenfahrbahn: In der Spurensicherungsreihe des Berliner Künstlerprogramms des DAAD erscheint der erste deutsche Auswahlband mit Gedichten Erik Lindners, „Nach Akedia“ (aus dem Niederländischen von Rosemarie Still im Verlag Matthes & Seitz Berlin). Die besondere Intensität in Erik Lindners Gedichten, sie verdankt sich der hellwachen Aufmerksamkeit seiner Wahrnehmung und dem Zeitenmaß eines Gehenden. Unterwegs an den Gestaden seines flachen Landes wie auch denen des Mittelmeers, Städte, Vorortlandschaften und schrumpfende Industrieplätze durchschreitend, ist Erik Lindners genauer Blick der eines gerade in seinem scheinbaren Unbeteiligt-Sein Teilnehmenden. Durchlässig für das Sich-Ereignende, sammelt er Geschehnisse, komponiert sie mit feinstem Gespür für die wechselnde Tonalität von bestimmten und unbestimmten Momenten zu Reigen und verleiht ihnen damit erst Raum und Weile, sehr wohl sich bewusst: „Alles, was ist, kann verschwinden.“ Ulf Stolterfoht, der das Nachwort geschrieben hat, streicht das Besondere an Erik Lindners Arbeit wie folgt heraus: „Ich glaube, dass Erik Lindners Gedichte, was immer sie vordergründig verhandeln mögen, ein großes Thema haben, und dieses Thema ist das Glück. Wie man es erreicht, wie man es behält, vor allem aber: wie man es erkennt. Und es ist Erik Lindners Doppelstrategie zu verdanken: nicht nur zu sprechen über etwas, sondern es immer auch im Vollzug zu demonstrieren und zu exemplifizieren – dass wir beim Lesen dieser Gedichte nicht nur etwas erfahren über das Glück, sondern es leibhaftig und tatsächlich erfahren. Zumindest ein Zipfelchen davon zu fassen bekommen.“
Erik Lindner, 1968 in Den Haag geboren, lebt in Amsterdam und zählt zu den weltläufigsten niederländischen Dichtern. Er ist Herausgeber der niederländischen Literaturzeitschriften De Revisor und Terras sowie der in Frankreich erschienenen Anthologie Le verre est un liquide lent, die 33 niederländische Dichter in französischer Übersetzung vorstellt, wie auch des Auswahlbands Poèmes (2012) des auf Surinam geborenen niederländischen Dichters Hans Faverey, den er gemeinsam mit Éric Suchère ins Französische übersetzt hat. Im Sommer 2013 erschien sein erster Roman unter dem Titel Naar Whitebridge (Nach Whitebridge). 2012 war Erik Lindner Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.
Eine Veranstaltung des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Kooperation mit dem ausland.
Freitag, 27. September 2013 20:00
Bar geöffnet ab 20:00 Uhr, Beginn um 21:00 Uhr | Eintritt 5 EUR
Sylvia Geist, *1963 in Berlin, lebt heute als freie Autorin, Übersetzerin (aus dem Engl.) und Künstlerin in Hannover und Vancouver. Von 1992 an war sie verschiedentlich als Redakteurin, Verlagsmitarbeiterin, Herausgeberin und Veranstalterin tätig. Zu ihren letzten Veröffentlichungen zählen die Bände „Vor dem Wetter“ (Gedichte, 2009) und „Letzte Freunde“ (Erzählungen, 2011). In diesem Jahr erschien in Übersetzung von Sylvia Geist die Anthologie „Ankunft eines weiteren Tages. Zeitgenössische Lyrik aus Südafrika“.
Laurynas Katkus, *1972 in Vilnius, ist Lyriker, Autor und Übersetzer. Er studierte litauische Philologie und Komparatistik in Vilnius, Leipzig und Berlin und promovierte zum Exil in der modernen Lyrik. Zuletzt erschienen von ihm in Litauen die Bände „Judantys šešėliai“ (2012) und „Sklepas ir kitos esė“ (2011). In deutscher Übersetzung liegen von Katkus der Essayband „Kabuff“ (2011) sowie die Lyrikbände „Alle Richtungen“ (2009) und „Tauchstunden“ (2003) vor. Katkus übersetzte u.a. Hölderlin, Walter Benjamin, Susan Sontag und Octavio Paz ins Litauische.
Marcus Roloff, *1973 in Neubrandenburg, lebt heute in Frankfurt/M. Er studierte Neuere deutsche Literatur, Philosophie und Kulturwissenschaft in Berlin. Zuletzt war er unter anderem beteiligt an der Übersetzung des Lyrikbandes „A Worldly Country“ von John Ashbery (Als „Ein weltgewandtes Land“ 2010 auf Dt.) und dem künstlerischen Buchprojekt „dauerlandschaft – album“ (2013). Roloffs letzte Einzelveröffentlichungen als Lyriker waren die Bände „Im toten Winkel des goldenen Schnitts“ (2010) und „Gedächtnisformate“ (2006).
Tom Schulz, *1970 in der Oberlausitz, lebt als freier Autor in Berlin und veröffentlicht seit 2002 Lyrik und Prosa. Außerdem war/ist er als Dozent für kreatives Schreiben, Redakteur und Herausgeber (etwa, zus. mit Björn Kuhlig, der Kneipenbuchreihe im Berliner Taschenbuchverlag und der Anthologie „alles außer Tiernahrung. Neue politische Gedichte“) tätig.
Seine letzten Lyrikbände waren „Innere Musik“ (2012) und „Kanon vor dem Verschwinden“ (2009). Zusammen mit Timo Berger als Illustrator veröffentlichte er 2007 das Leseheft „Hundert Jahre Rütli“.
Veröffentlicht am 23. September 2013 von lyrikzeitung
call for poems
Wir besitzen fast nichts mehr von ihrer Dichtung und wissen noch weniger von ihrem Leben. Und doch: Sappho lässt die Dichterinnen und Dichter, Leserinnen und Leser nicht los.
Vielleicht, weil es so verführerisch ist, die Lücken, die die Überlieferung in ihr Werk gerissen hat, zu füllen; vielleicht auch, weil das Wenige, das wir lesen können, so überwältigend schön ist, dass man sich seiner immer wieder vergewissern will; es schafft sich jede Zeit ihre Sappho.
Wir möchten gern wissen, welche Sappho unsere Sappho ist. Deswegen planen wir eine Anthologie mit Gedichten, die ihren Ausgang von Sapphos Poesie nehmen; um sie zu vervollständigen, ihr ein Eigenes entgegenzusetzen, sie zu verstehen, mißzuverstehen, umzudeuten, weiterzugeben, was auch immer Ihr wollt / Sie wollen.
Das Buch wird von Michael Gratz und Dirk Uwe Hansen herausgegeben und soll im Herbst 2014 im greifswalder freiraum-Verlag erscheinen.
Und dafür bitten wir Sie / Euch um Einsendungen an info@freiraum-verlag.de
Einsendeschluss ist Ende März 2014
Zur Inspiration Sapphos vielleicht berühmtestes Gedicht – das vom untergegangenen Mond und der verstrichenen Zeit (frg. 168b) – und einiges, was daraus geworden ist:
Untergegangen ist der Mond
und die Pleiaden. Mitte der
Nacht, die Stunde geht vorüber,
ich aber schlafe allein.
(Übstzg. Dirk Uwe Hansen)
Moon has set
and Pleiades: middle
night, the hour goes by,
alone I lie.
(Anne Carson)
Schon flüchtet Selana, die reine,
schon taucht ihr unter, Plejaden,
die Nacht und die Stunden laden:
ich ruhe noch immer alleine.
(August von Platen)
ab-
gesackt, hinab, ist schon der mond
und di pleiaden. mitte schon, nacht-
rinne stunde. als eine: muß ich schlafn
(für Ute Langanky)
(Thomas Kling)
Zweite Nacht
Warten bei, nach Mond und Plejaden,
Wozu? Kam er, kam sie, kamen wieder?
Nachricht noch einer Schuld. Zuweisung.
An-, Ab-, wieder. Du schneidest Brot.
(Roman Graf)
…
Es regnet.
Es gibt Plejaden.
Es gibt mich.
Man schläft.
…
(Ann Cotten)
Veröffentlicht am 23. September 2013 von lyrikzeitung
Der National Book Award (NBA) ist neben dem Pulitzer-Preis der renommierteste Literaturpreis der USA.
Er wird seit 1950 jährlich vergeben; zurzeit in den vier Kategorien Roman, Sachbuch, Lyrik und Jugendbuch. Zuvor gab es eine Anzahl weiterer Kategorien, die aber nach und nach aufgegeben wurden. Weiterhin werden jährlich zwei Preise für das Lebenswerk vergeben, die Medal for Distinguished Contribution to American Letters und der Literarian Award. Zwischen 1980 und 1986 wurde der Preis unter der Bezeichnung American Book Award verliehen, seit 1989 wird der NBA von der eigens zu diesem Zweck gegründeten National Book Foundation verliehen. Für jede Kategorie gibt es eine fünfköpfige unabhängige Jury.
Der Preisträger muss amerikanischer Staatsbürger sein; sein Werk muss in englischer Sprache verfasst und in den USA verlegt sein. Der Preis ist mit 10.000 US-Dollar dotiert.
(Wikipedia)
Vorige Woche wurde die Longlist (10 Titel) veröffentlicht. Am 16. 10. wird die Liste auf 5 reduziert und am 20.11. werden die Sieger prämiert.

Nikky Finney, Ada Limón, D.A. Powell, Jahan Ramazani, Craig Morgan Teicher
Veröffentlicht am 23. September 2013 von lyrikzeitung
Der kolumbianische Lyriker und Erzähler Alvaro Mutis ist tot. Der Schriftsteller starb am Sonntag im Alter von 90 Jahren, wie der mexikanische Nationale Rat für Kultur und Künste im Internetdienst Twitter mitteilte. / Die Welt
Veröffentlicht am 23. September 2013 von lyrikzeitung
Bei dem islamistischen Anschlag in Nairobi, bei dem bisher mindestens 59 Menschen starben und 175 verwundet wurden, wurde auch der ghanaische Dichter und Staatsmann Kofi Awoonor getötet, teilte der ghanaische Präsident mit. Der 78jährige war mit seinem Sohn in dem Einkaufszentrum unterwegs.
Seine Lyrik war von der mündlichen Tradition des Volks der Ewe inspiriert, dem er angehörte. Seine wichtigsten Bücher erschienen in Ghana in den Jahren nach der Unabhängigkeit, so der Gedichtband „Wiederentdeckung und andere Gedichte“ 1964. Nach dem Staatsstreich gegen Präsident Kwame Nkrumah mußte er ins Exil gehen. In den 90er Jahren hatte er wiederholt politische Ämter inne. / Libération
Die maskierten Schützen, darunter eine Frau, stürmten die Mall gegen Mittag und erschossen Käufer und Angestellte aus unmittelbarer Nähe. Nur wer sich als Moslem identifizierte und ein islamisches Gebet rezitieren konnte, wurde verschont, berichten Zeugen. Auch Kinder waren unter den kaltblütig Erschossenen. / Daily Nation, Kenia
Veröffentlicht am 22. September 2013 von lyrikzeitung
hoffnungsfroh, angstvoll stochern wir in der eigenen Zukunft herum
Hansjürgen Bulkowski
Veröffentlicht am 22. September 2013 von lyrikzeitung
Benjamin Neukirch: Vorrede
ES giebet viel leute/ welche die deutſche poeſie ſo hoch erheben/ als ob ſie nach allen ſtücken vollkommen wäre; Hingegen hat es auch andere/ welche ſie gantz erniedrigen/ und nichts geſchmacktes daran finden/ als die reimen. Beyde ſind von ihren vorurtheilen ſehr eingenommen. Denn wie ſich die erſten um nichts bekümmern/ als was auff ihrem eignen miſte gewachſen: Alſo verachten die andern alles/ was nicht ſeinen urſprung aus Franckreich hat. Summa: Es gehet ihnen/ wie den kleidernarren/ deren etliche alles alte/ die andern alles neue für zierlich halten; ungeachtet ſie ſelbſt nicht wiſſen/ was in einem oder dem andern gutes ſtecket. Wir dürffen uns mit unſrer Poeſie ſo klug nicht düncken/ daß wir die ausländer dagegen verkleinern wolten. Denn wir haben noch einen groſſen berg vor uns/ und werden noch lange klettern müſſen/ ehe wir auff den gipffel kommen/ auff welchem von denen Griechen Homerus und Sophocles, von denen Römern Horatius und Maro geſeſſen. Mit den Hochzeit-Begräbniß- und Namens-Gedichten/ damit ſich alle knaben in der ſchule qvälen/ iſt es fürwahr nicht ausgerichtet. Es gehöret mehr zu einem dichter; und die vers-macher/ welche uns eine zeitlang her mit regeln überſchüttet/ mögen ſich ſo viel einbilden/ als ſie wollen/ ſo haben doch die meiſten davon die Poeſie mehr verſtümpelt/ als ausgebeſſert. Denn ihr gantzes abſehen iſt/ eine leichtſinnige ſchreib-art einzuführen/ vermöge welcher man einen gantzen bogen voll verſe/ ohne ſonderliche bemühung/ hinſchmieren möge. Von ſcharffſinnigen bey-wörtern aber/ von klugen erfindungen/ und von unterſcheidung der guten und falſchen gedancken/ ſagen ſie nichts; Da doch dieſes die ſeele und die weſentliche theile eines rechtſchaffenen gedichtes ſeyn. Daher entſpringen ſo viel pfuſcher/ welche auff allen hochzeiten die Venus einführen/ bey allen begräbniſſen den tod ausſchelten; Und wenn es ja hoch kommt/ ihrer Phyllis ein lied vom ſterben herſingen/ welches offt mehr todt als der ſänger/ und kälter/ als ſeine gebietherin ſelber iſt. Zwar haben ſie ihre entſchuldigung: Man müſte aus der Poeſie kein handwerck machen/ und die jugend bey zeiten zurück halten/ damit ſie ſich nicht zu ihrem ſchaden darinnen vertieffte. Allein/ wenn die guten leute fein ehrlich ſagten/ was zu einem Poeten erfordert würde/ und nur diejenigen zum dichten ermahnten/ welche die natur dazu erkohren/ andere aber bloß einen verß recht urtheilen und unterſcheiden lehrten/ ſo hätten ſie dieſer entſchuldigung nicht vonnöthen. Es ſind keine ſeltzamere thiere/ als Poeten: Denn ſie laſſen ſich/ wie die paradieß-vögel/ alle tauſend jahre kaum einmahl ſehen. Rom hatte bald acht hundert jahr geſtanden/ ehe es den berühmten Virgilius erlebte; Und es iſt faſt keine provintz/ welche uns nicht etliche helden oder gelehrte gegeben; Aber der gantze kreyß der welt rühmt ſich kaum etlicher rechtſchaffenen Poeten. Darum hat es ſo groſſe noth nicht/ als man meynet; Denn es gehört gar viel dazu/ ehe man ſich in der Poeſie vertieffen kan. Daß aber viel junge leute damit die zeit verderben/ und die andern guten künſte an die ſeite ſetzen/ rühret von der unerfahrenheit ihrer lehrer her/ welche ihnen einbilden/ man brauche zum dichten nichts/ als verße machen; da ſich doch alle wiſſenſchafften in einem Poeten/ nicht anders als in einem centro verſammlen müſſen/ und derjenige nichts gutes ſchreiben kan/ welcher nicht alles/ was es ſchreibt/ mit augen geſehen/ mit ohren gehöret/ und an ſeiner eigenen perſon erfahren hat. Die fürnehmſten von den alten Poeten lebten bey hofe/ und wurden durch öffteres umgehen mit klugen leuten ſo ausgemuſtert/ daß ſie an die ſchulfüchſereyen/ mit welchen wir das papier anietzt beklecken/ nicht einſt gedachten. Sie hatten dabey ſehr wohl ſtudiert; ſie waren die lehrmeiſter der guten ſitten/ und hatten von allem/ was uns nur in den verſtand und in die ſinnen fällt/ eine gründliche känntniß und wiſſenſchafft. Zudem lebten ſie zu einer zeit/ da man die galanten ſtudia ſehr wohl verſtund/ da die Römiſche waffen auffs höchſte ſtiegen/ und unter der glückſeligen regierung des Käyſers Auguſtus ein ieder gelegenheit genug fand/ ſich groß zu machen. Wenn ſie denn etwas dichten wolten/ ſo thaten ſie es entweder zu ihrer luſt/ oder für groſſe Herren/ oder bey ſeltzamen und beſondern begebenheiten. Hernach überlaſen ſie dasjenige/ was ſie machten/ wohl zwantzig mahl/ und ſtrichen offt beßre verße aus/ weder ihre nachfolger geſchrieben haben. Darum konten auch ihre gemächte nicht anders als herrlich ſeyn; und iſt kein wunder/ daß ſie bey allen ihren nachkommen einen ſo unſterblichen preiß und ruhm erworben. Hingegen lernen von uns die meiſten ihre klugheit in der ſchule/ bekümmern ſich mehr um worte als gute ſachen/ und fangen ſchon an Poeten zu werden/ ehe ſie noch einmahl wiſſen was verße ſeyn. Wir leben über dieſes in einem lande/ wo die künſte wegen vieler herrſchafften zertheilet ſind/ wo man mehr von einem glaſe wein/ als liedern hält; Die wenigſten die galanterie noch recht verſtehen/ und die Cavaliers diejenige für ſchulfüchſe ſchelten/ welche die Frantzoſen für beaux esprits erkennen. Wir leben auch zugleich zu einer zeit/ da die Deutſchen faſt nicht mehr Deutſche ſeyn; Da die ausländiſchen ſprachen den vorzug haben/ und es eben ſo ſchimpfflich iſt/ deutſch zu reden/ als einen ſchweitzeriſchen latz oder wamſt zu tragen. Hierzu kommet unſre eigne unachtſamkeit/ daß wir unſere fehler gar zu geringe achten/ alles hinſudeln/ wie es uns in die feder fleuſt/ und lieber zehen bogen ſchlimme verße/ weder ſechs zeilen gute machen; Und denn ferner die thorheit derjenigen/ welche den lorbeer-krantz um 10. thaler erkauffen/ und dadurch den herrlichen namen eines Poeten/ welcher über drey oder vieren in der welt noch nicht gebührt/ vielen ehrlichen gemüthern vereckeln/ ungeachtet ſie nichts davon haben/ als die mühe/ daß ſie bey unterzeichnung ihres namens etliche buchſtaben mehr/ als andere/ ſchreiben. Und dieſes alles iſt urſache/ warum die Poeſie in Deutſchland nicht höher geſtiegen. […]
Veröffentlicht am 21. September 2013 von lyrikzeitung
Das Deutsche Textarchiv bietet E-Ausgaben zahlreicher alter Bücher, so auch dieser berühmten Anthologie (hier der erste Band von 1695 – in den nächsten 30 Jahren erschienen 6 weitere Bände in z.T. mehreren Auflagen, der erste Verkaufserfolg einer Anthologie). Der Herausgeber Benjamin Neukirch sammelt hier besonders die hoch- und spätbarocken Autoren und bringt viele skandalträchtige Texte, die später als Schandzeugnisse einer ästhetisch und moralisch verkommenen Epoche galten, bis vor 100 Jahren diese Epoche mit dem Begriff Barock belegt und aufgewertet wurde.
Zu den schönen Merkmalen des DTA zählt neben der Tatsache, daß sie anders als Google exakt bibliographieren, die Wortwolken
Diese Wortwolke basiert auf dem automatischen Lemmatisierungsverfahren historischer Texte (CAB), das im DTA für die Textsuche angewandt wird. Die Lemmatisierung fasst sowohl Transliterationen (also bspw. ſ → s) als auch grammatische Formen (Teil, Theil, Theile, Theiles, …) zusammen. Die Wortformenzerlegung (Tokenisierung) erfolgt mittel DTA-Tokwrap. Die Fontgröße der Lemmata in der Wortwolke ist proportional zur absoluten Frequenz des Lemmas im Dokument.* Lemmata unter einer absoluten Frequenz von 3 werden nicht dargestellt. Es werden nur diejenigen Lemmata dargestellt, die vom Part-of-Speech-Tagger als Substantiv (Klasse NN) klassifiziert werden.
*) Fontgröße hier nicht reproduziert, M.G.
Abgrund Ach Adel Adler Affe Altar Amt Anfang Angedenken Angesicht Angst
Anmut Antlitz Apfel Arbeit Art Arzt Asch Asche Atem Auge Augenblick
August B. Bach Bahn Balsam Baum Begierde Bein Berg Beständigkeit Bild
Bildnis Blatt Blick Blume Blut Blüte Brand Brief Bruch Bruder Brunnen
Brunst Brust Buch Buhle Burg Bär Bürger Celladon Christ Dach Dampf
Demut Deutsche Diamant Dieb Dienst Ding Donner Donner-Keil Dorn
Dunst Ebenbild Ehe Ehre Eifer Eifersucht Einsamkeit Eis Eitelkeit Ende
Engel Erde Erfahrung Ewigkeit Exzellenz Fahne Farbe Faust Feder Fehler
Feind Feld Felsen Feuer Finger Finsternis Fleisch Fleiß Flora Flut Fluß
Franzose Frau Freiheit Freude Freund Freundin Freundlichkeit Freundschaft
Frieden FristFrost Frucht Frömmigkeit Funken Fuß Fürst Fürstin Garn
Garten Geburt Gedanke Gedicht Geduld Gefahr Geist Geld Geliebte Gemüt
Gericht Geruch Geschlecht Gesetz Gesicht Gestalt Gestirn Gewalt Gift Gipfel
Glanz Glas Glied GlutGlück Gold Gott Gottesfurcht Gottheit Grab Gras Graus
Grausamkeit Grenze Grieche Gruft Grund Gunst Gut Göttin Güte Haar Hab
Hafen Hals Hand Hauch Haupt Haus Heer Heiligtum Held Helfenbein Helm
Herr Herz Himmel Hitze Hof Hoffmannswaldau Hoffnung Holz Honig
Honigseim Horn Huld Hund Hölle Hügel Indianer Ja Jahr Jammer Jude
Jugend Jungferschaft Keder Kerl Kerze Kind Kirche Klee Kleid Kleinod
Klugheit Knecht Kopf Koralle Kot Kraft Kranke Krankheit KranzKraut Kreis
Krone Kummer Kunst Kuß Köcher König Königin Körper Lager Land
Laster Laub Lauf Leben
Lebens-Kraft Leib Leiche Lende Leser Leute Liebes-Brunst
Liebes-Flamme Liebes-Glut Liebes-Lust Liebes-Pfeil Lieblichkeit Lied
Lilie Lippe List Lob Lohenstein Luft Lust Löwe Macht Magnet Mann Mark
Mast Meer Meinung
Mensch Mittel Mißgeburt Mißgunst Mond Mund Muse Mut Mutter Myrte
Mörder Mühe Nacht Nachtigall Nachwelt Name Namen Namenstag Narzisse
Nase Natter Natur Nebel Neid Nelke Not Nymphe Ohnmacht Ohr Opfer
Ort Papier Paradies Pein Person Pfand Pferd Pflanze Pflicht Poesie Poet Possen
Pracht Priester Prinz Psyche Qual Quell Rache Rat Regung Reichtum Reim Rest
Richter Rose Roselinde Rubin Ruhe Ruhm Römer Sache Saft Salz Samen Sand
Sarg Schar Scharlach Schatz Schau Schaum Schein Scherz Schiff Schild Schlag
Schluß Schmerz Schnecke Schnee Schranke Schrift Schutz Schwan Schwert
Schwester Schönheit Seele Segen Seide Seite Seufzer Silber Sinn Sitte Sitz Sklave
Sohn Sonett Sonne Sonnenschein Sorge Spiegel Spiel Spruch Stadt Stein
Sterblichkeit Stern Stirn Strahl Streit Strom Stuhl Szepter Säule Sünde Sünder
Süßigkeit Tafel Tal Tapferkeit Teil Tempel Teufel Tier Tochter Tod Ton Tor Torheit
Tracht Tragödie Traum Traurigkeit Tropfen Trost Tränen-Salz Tuch Tugend Tulpe
Törner Ubeer Ufer Ungeduld Ungemach Unglück Unmut Unrecht Untergang
Ursache Ursprung Urteil Urtele Vater Vaterland Verdruß Vergnügung Verhängnis
Verlust Vernunft Verstand Vertraulichkeit Vogel Volk Vollkommenheit Wachs
Wachstum WaffeWahn Wahrheit Wald Wange Wanken Wechsel Weg Wehmut
Weib Weihrauch Wein Weisheit Welt Werk Wermut Wesen West Wetter Willen
Wirkung Wissenschaft Wohlfahrt Wolke Wollust Wonne Wort Wunderwerk
Wunsch Wurzel Wut Zauberei Zeichen Zeit Zeug Zeugnis Ziel Zierde Zierrat
Zigeuner Zirkel Zorn Zucht Zunder Zunge Zweifel blitzen dingen fesseln feuern
flügeln geistern kernen leiben milchen muscheln not nächst pfeilen platzen
recht schimpfen segeln sein_es siegen stammen stande stengeln tag thronen
wassern welt. witzen wurmen zahlen zieren zuckern zwecken Öl
Überfluß Überschrift
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare