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Veröffentlicht am 16. Februar 2026 von lyrikzeitung
142 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Asmus Trautsch
Geschenkter Sinn
Kaum zu glauben, aber müde wie ich bin
sagt sich noch ein Lebenswort ab von der schorfigen Rinde,
die mich umspannt, gleitet aufs Papier
und harrt seinesgleichen.
Kommt Silben, kommt.
Ich weiß nicht, wer von euch an meinem Namen rührt
und wer ihn auf ein treibendes Floß hievt.
Kreuz und quer treffen sich diesseits der Lippen
und der Scham die semantischen Späne: mein täglicher Herbstwind.
Müder Zuschauer, wart ab.
Glück, wenn schließlich das Dickicht bricht und dich
sagen lässt ich, ohne Mühe und Ziel.
Dann bist du – auch in dem Satz, den andere hobeln,
wer weiß, auf welchem Eiland und wann –
mit Haut und Haar Du.
Aus: Kalliope. Zeitschrift für Literatur und Kunst. Heft 1/2008, S. 51
Asmus Trautsch (* 9. Dezember 1976 in Kiel) ist ein deutscher Dichter, Philosoph, Dozent und Kurator. Er veröffentlicht Dichtung, Essays, philosophische und kulturwissenschaftliche sowie literaturkritische Texte. Er lebt in Berlin. https://de.wikipedia.org/wiki/Asmus_Trautsch
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Asmus Trautsch, Asmus Trautsch Gedicht, deutsche Gegenwartslyrik, Geschenkter Sinn, Ich und Du Gedicht, Identität und Sprache, Kalliope Zeitschrift, Poetologische Lyrik, Sprachreflexion Lyrik
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