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Veröffentlicht am 28. Januar 2026 von lyrikzeitung
201 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Christian Felix Weiße
(* 28. Januar 1726, heute vor 300 Jahren, in Annaberg; † 16. Dezember 1804 in Stötteritz)
Christian Felix Weiße wurde mit zwei Zeilen unsterblich, die jeder kennt, ohne zu wissen, von wem sie stammen. Es ist „Morgen, morgen, nur nicht heute / sagen alle faulen Leute“. Das ist von ihm, leicht abgewandelt. Hier zur Feier des 300. Geburtstages einmal das ganze Gedicht. (Feiern sie heute in Annaberg oder Leipzig?) Kein unsterbliches Gedicht (bis auf die zwei Zeilen), aber man kann es mal lesen.
Der Aufschub
Morgen, morgen, nur nicht heute!
Sprechen immer träge Leute,
Morgen! Heute will ich ruhn:
morgen jene Lehre fassen,
morgen diesen Fehler lassen,
morgen dies und jenes tun!
Und warum nicht heute? Morgen
kannst du für was anders sorgen!
Jeder Tag hat seine Pflicht.
Was geschehn ist, ist geschehen:
dies nur kann ich übersehen;
was geschehn kann, weiß ich nicht.
Wer nicht fortgeht, geht zurück;
unsre schnellen Augenblicke
gehn vor sich, nie hinter sich.
Das ist mein, was ich besitze,
diese Stunde, die ich nütze;
die ich hoff‘. Ist die für mich?
Jeder Tag, ist er vergebens,
ist im Buche meines Lebens
nichts, ein unbeschriebnes Blatt!
Wohl denn! Morgen, so wie heute,
steh‘ darin auf jeder Seite
Von mir eine gute Tat.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: 18. Jahrhundert, Annaberg, Aufklärung Lyrik, Christian Felix Weiße, Der Aufschub, deutsche Moralgedichte, Gedicht Aufschieben, Leipzig, Morgen morgen nur nicht heute, otd, Weiße Gedicht
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