Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 13. Februar 2025 von lyrikzeitung
Emmy Hennings
(* 17. Januar 1885 in Flensburg; † 10. August 1948 in Sorengo bei Lugano)
Türmen sich Tage
Jetzt geh ich soviel Gassen auf und ab.
Türmen sich Tage – türmt sich das Grab.
Mein Grab wird groß, mein Grab wird weit,
Umfängt mich Todeshügel der Vergänglichkeit.
Und immer träum ich doch im Tanzen, tanz in Träumen,
Und blüh im Raume – und verwelk in Räumen.
Meine Augen sind ein Sehn und ein Versehn,
Meine Haare sind ein Wehn und ein Verwehn.
Meine Hände sind ein Halten und ein Fallen,
Meine Worte sind ein Schrei und ein Verhallen.
Und ach, meine Tage sind ein Versinken,
Die Frühe will schon dem Abend winken.
Meine Rosen glühn, wenn grauer Himmel schneit.
Mein junger Morgen träumt in weicher Dunkelheit.
Und habe soviel Zärtlichkeit verhaucht in viele Ohren.
Wo singt wohl Lust, die ich versang? So tief verloren?
Wo schwebt mein Sein, mein süß' Verlieben?
Wo ist mein Leben nun, in dich hineingeliebt, geblieben?
Im Gruß liegt Abschied – im Anfang Ende.
Nur manchmal scheint meine Sehnsucht durch alle Wände.
Aus dem jüngst erschienenen Heft Poesiealbum 390: Emmy Hennings. Auswahl Wolfgang Ihrig. Bilder von Hans Richter. Wilhelmshorst: Märkischer Verlag, 2024, S. 18f
Kategorie: Deutsch, Deutschland, SchweizSchlagworte: Emmy Ball-Hennings
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare