Blümerant

Paul Celan 

(geboren am 23. November 1920 in Czernowitz, damals Rumänien, heute Ukraine; gestorben vermutlich am 20. April 1970 in Paris) 

GROSSES GEBURTSTAGSBLAUBLAU 
MIT REIMZEUG UND ASSONANZ


In der R-Mitage,
da hängt ein blauer Page.
Da hängt er, im Lasso:
er stammt von Pik-As(so?)
Wer hängt ihn ab?
Das Papperlapapp.
Wo tut es ihn hin?
Nach Neuruppin.
In den Kuchen.
Da könnt ihr ihn suchen.
Da könnt ihr ihn finden,
bei den Korinthen
aus der époque bleue,
links von der Kö,
rechts von der Düssel,
in einer blauen Schüssel.
Er hockt auf der Kante
und schwört aufs Blümerante.

Aus: Paul Celan, Die Gedichte. Neue kommentierte Gesamtausgabe in einem Band. Hrsg. u. kommentiert von Barbara Wiedemann. Berlin: Suhrkamp, 2020, S. 175

Das Gedicht entstand am 12. Juni 1962 vermutlich in Paris, es ist dem 65. Geburtstag des Verlegers V. O. Stomps gewidmet. Gedruckt hat es Günter Bruno Fuchs in seiner Anthologie „Die Meisengeige. Zeitgenössische Nonsenseverse“ (1964). Die verschiedenen Anspielungen (auf Picasso und Fontane) braucht man nicht unbedingt. Sie finden sich zuverlässig in der einbändigen Gesamtausgabe. – Vielleicht nur der kleine Hinweis, dass das Wort blümerant auf das französische bleu mourant (sterbendes Blau) zurückgeht und natürlich wie die anderen Blauwörter mit Picasso zu tun hat. Das mag für manche interessant sein, aber das Gedicht funktioniert auch ohne das. Es ist einfach, was die Überschrift ankündigt, ein Geburtstagsblaublau.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..