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Veröffentlicht am 15. Dezember 2023 von lyrikzeitung
Ferdinand Hardekopf
(* 15. Dezember 1876 in Varel; † 26. März 1954 in Zürich)
Paul Raabe nannte Hardekopf den „heimlichen König des Expressionismus“.
Spleen
Ein Bündel Mond erreichte mein Gesicht
Um 3 Uhr nachts, ein Quantum Butterlicht,
Und mahnte [3 Uhr 2]: «Ein Spuk-Gedicht,
Nervös-geziert, ist Literatenpflicht!»
Die Kammer dehnte sich verbrecher-hell.
Der Mond, ein Dotterball, schien kriminell.
Da stieg die Dame Angst [-Berlin] reell
Auf ihr imaginäres Karussell.
Ein Schneiderkleid umpresste mit Radau
Die Dame Angst: die Gift- und Gnadenfrau.
Doch das Zitronen-Ei [um 3 Uhr 5 genau]
Versank in Bar-Fauteuils aus Dämmerblau. –
Nachhüstelnd, matt-dosiert: « Macabre-Bar!
Ihr lila Blicke! Schweflig Tulpenhaar!
Aus Puderkrusten Tollkirsch-Kommentar!
Ein Gruss: du noctambules Seminar!»
... So. 3 Uhr 10. Wie süss verwirrt ich war!
Aus: Anthologie der Abseitigen. Hrsg. Carola Giedion-Welcker. Frankfurt/Main: Luchterhand, 1990, S. 78 (Lizenzausgabe der Arche, Zürich 1965. Ursprünglich erschien die Anthologie 1946)
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Ferdinand Hardekopf
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ich empfehle dutli ‚fatrasien – absurde poesie des mittelalters‘
frohes fest!
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