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Der Schriftsteller Jürgen Becker wird heute 80 Jahre alt. In Köln am 10. Juli 1932 geboren, als Siebenjähriger, im Jahr des Kriegsausbruchs also, mit seinen Eltern nach Erfurt gezogen, nach deren Scheidung, dem Freitod der Mutter, einer neuen Eheschließung des Vaters, nach Kriegsende – den Lärm der Bombennächte, die Stille im Luftschutzkeller noch in den Ohren – ins Oberbergische Land gezogen, 1950 endlich wieder zurück in seiner Geburtsstadt, das Abitur gemacht, das Studium indes nach kurzer Zeit abgebrochen, war es vor allem die Musik, die den überaus sensiblen, stets (bis heute) mit filterlosen französischen Zigaretten sich ausrüstenden jungen Mann in Bann schlug. Es waren die Kompositionen eines Karl-Heinz Stockhausen, es war die serielle Musik, die Jürgen Becker die Ohren öffnete und seine Empfindsamkeit steigerte für die Klänge einer Großstadt, deren Trümmer noch längst nicht beseitigt waren.
Die Akustik der Welt, ihr ohrenbetäubender Lärm, ihre Töne, die sich überschlagenden Stimmen, nicht so sehr die Bücher jener Zeit, nicht Brecht, nicht Benn, höchstens Günter Eich, nicht die deutsche, sondern die junge amerikanische Literatur und Claude Simon aus Frankreich, leisteten Motivationsschübe für seine literarischen Anfänge und blieben prägend bis heute für einen Autor, der das Leben immer als eine Art Hörspiel begriff, bis heute, fünfzig Jahre, nachdem er von Hans-Magnus Enzensberger für die Buchwelt entdeckt wurde. / Hajo Steinert, DLF
Jürgen Becker: „Wie es weiter ging. Ein Durchgang. Prosa aus fünf Jahrzehnten.“ Mit einem Nachwort des Autors. Berlin. Suhrkamp Verlag, 295 S., Euro 21,95
Jürgen Becker: „Scheunen im Gelände“. Mit Collagen von Rango Bohne, Mit einem Nachwort von Michael Krüger. Stiftung Lyrik Kabinett München, 108. S., Euro 20,00
Mehr: FR / NZZ / Rheinische Post / Kölner Stadt-Anzeiger
spätestens seit mosebach ist das ding doch ohnehin verbrannt
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in dem punkt wären wir einig, lieber axel kutsch
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Warum soll man sich noch über Juryentscheidungen aufregen? Zum Beispiel darüber, daß der Büchner-Preis bisher an Jürgen Becker vorbeigereicht worden ist? Ach was, keine Aufregung mehr – stattdessen ein paar Schlafmützen nach Darmstadt schicken.
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