96. Shuffle Literature

Works of shuffle literature are not simply anti-books, nor are they exemplars of or homages to codex books. As they unbind the pages of the stereotypical book, allowing for their rearrangement, they also copy and evoke many of the aspects of the traditional book in a complicated relationship with it. Furthermore, although it is a cliché to imagine shuffling the cards, stacking the deck, or being dealt a certain hand as effecting a fundamental alteration in fate – and the authors of shuffle literature sometimes explicitly reinforce this idea of re-ordering changing the nature of the world or the future – what shuffling actually does in the cases we consider is mainly to rearrange the discourse and model processes of memory, random association, and cognition.

We discuss several shuffle literature works, focusing on five of them. These, formally, consist of text segments that may be read in any order. Materially, they consist of separate sheets, cards, or in one case pamphlets that are presented in some container but are not bound together. Shuffle literature of this sort does not challenge the idea of text that can be read completely; a reader is still supposed to read every word of text, as with a typical book. (This may not happen in either case, but it is the supposition.) These works do, however, either explicitly ask or implicitly invite the reader to shuffle the segments of text into an arbitrary order.

(…)

The works we focus on are:

  • Composition no. 1 by Marc Saporta (translated by Richard Howard)
  • „Heart Suit“ by Robert Coover
  • Sentences by Robert Grenier
  • The Unfortunates by B. S. Johnson
  • Der Wächter nimmt seinen Kamm by Herta Müller

/ electronic book review

shuffle:

  • 7. (die Karten) mischen;

III. v/t.

  • 8. hin u. her schieben, fig. a. ,jonglieren mit: shuffle ones feet siehe 5;
  • 9. schmuggeln: shuffle away wegpraktizieren;
  • 10. shuffle off a) Kleider abstreifen, b) fig. abschüŸtteln, sich befreien von, sich einer Verpflichtung entziehen, Schuld etc. abwäŠlzen (on[to] auf acc.);
  • 11. shuffle on Kleider müŸhsam anziehen;
  • 12. Karten mischen: shuffle together etwas zs.-werfen, -raffen

© 2001 Langenscheidt KG, Berlin und MüŸnchen; Internet-Wortschatz: © 2001 Langenscheidt KG, Berlin und MüŸnchen und sueddeutsche.de GmbH, MüŸnchen

 

95. Verwandelt

Von Bert Brecht, R.M. Rilke über Schiller bis hin zu Malerfürst * Markus Lüpertz: In den Kompositionen von Wolfgang Lackerschmid und Stefanie Schlesinger wird deutsche Lyrik sensibel, aber auch konterkarierend, doch immer respektvoll in (Jazz-)Musik verwandelt. / Regiomusik

*) Süperlativzensur (Gegenkontrolle: Doppelklick auf „Maler)

94. Bayern-Lyrik

Das Freibier stand bereit, doch es gab noch etwas zu besprechen. Am Ende der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München betrat ein Fan die Bühne und forderte das Präsidium auf, den Mitgliedsbeitrag von 60 Euro auf 61 Euro zu erhöhen. Der aktuelle Betrag erinnere ihn zu sehr an den ungeliebten Lokalrivalen 1860 München. Applaus, Vorschlag notiert. Ein anderes Mitglied in bayrischer Tracht las ein Gedicht vor, und ein Redner rundete die Folklore mit einem Satz zur Vereinsführung ab: „Macht’s weiter so, ihr macht’s uns froh.“ / Die Welt

93. Literaturpreis für Altmann

Andreas Altmann ist ein absoluter, ein reiner Dichter, kurzum, er konzentriert sich auf die Lyrik und wildert nicht auf fremdem Territorium. Mit asketischer Anstrengung nähert er sich von verschiedenen Positionen aus dem zentralen Begriff seiner Poesie, dem Wort. Kaum ein Terminus taucht in seinen Gedichten so häufig auf wie „Wort“. „ihre zeit sieht man den worten nicht an“, formuliert er bei einer Gelegenheit. Anderswo stößt man auf die Wendung: „jetzt / kehrst du zu deinen orten zurück, / die keine worte mehr für dich haben.“ Erfüllt von meditativer Energie umrundet er diese Vokabel und verkettet sie mit immer raffinierteren Assoziationen. Zu den schönsten Bemerkungen Andreas Altmanns in Sachen Wort gehört für mich die folgende: „voller tannennadeln lag / der weg zu den letzten worten“. Aus dem Kontext der Strophe herausgelöst, liefert sie ungeahnte Möglichkeiten der Interpretation. Man kann sie zum Beispiel auffassen als Symbol für Schwierigkeiten, die damit verflochten sind, sich der endgültigen Worte zu bemächtigen, sie sich einzuverleiben.

Altmanns Poesie zehrt wie alle substanzielle Lyrik zu einem hohen Prozentsatz vom Geheimnis, von der Unerforschlichkeit, vor allem aber von der Unschärfe. Diese Unschärfe bewirkt, dass man nicht jeden Text des Autors bis in den tiefsten Kern und den letzten Winkel hinein zu kapieren und auszuloten vermag. Gerade in solcher Schemenhaftigkeit enthüllt sich aber das Glück für die Leser Andreas Altmanns, weil sie Platz für kreative Fantasien und Kombinationen schafft.

Dass Altmanns expressive, harmonische, oft auch seraphische Sprachgebilde Komponisten inspirieren, verwundert wenig. Deshalb existieren brillante Vertonungen seiner Verse durch den ehemaligen Thomasschüler Jörg Kokott, der sich schon mit Hannes Wader sowie Konstantin Wecker die Bühne teilte und ein Dutzend CDs produzierte. / Freie Presse

/ Auszug aus der Lobrede, die der Leipziger Literaturkritiker Ulf Heise im Rathaus von Hainichen hielt. Der Literaturpreis des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst ist mit 5500 Euro dotiert. Übergeben wurde er von Kunstministerin Sabine von Schorlemer

92. POETIC DIALOGUE

Nora Bossong, Deutschland
Kei Miller, Jamaica/UK
Moderation Martin Jankowski

Mi, 21. November 2012, 20.00 Uhr
LiteraturWerkstatt Berlin
(Kulturbrauerei, Knaackstraße 97)
Eintritt 5/3 €.

Was ist los in der gegenwärtigen englischsprachigen Dichtung? Was gibt es Ungewöhnliches zu entdecken? Der jamaikanische Lyrikstar Kei Miller kommt erstmals nach Deutschland – und trifft auf die diesjährige Huchel-Preisträgerin Nora Bossong. Wir haben ausgewählte Texte übersetzt und machen uns und die beiden Ausnahmepoeten miteinander bekannt.

Kei Miller (*1978 Kingston) lebt in Jamaica und Großbritannien. Von ihm erschienen sowohl Prosa als auch Gedichtbände, die international beachtet wurden. In Großbritannien wie in Jamaica wird er als lyrisches Ausnahmetalent gehandelt und vertrat Jamaica auch beim diesjährigen »Parnassus«, dem olympischen Welt-Dichtertreffen in London.

Nora Bossong (*1982 Bremen) schreibt Prosa und Lyrik. Ihre jüngsten Veröffentlichungen sind der Gedichtband »Sommer vor den Mauern«, für den sie den Peter-Huchel-Preis 2012 erhielt, und der aktuelle Roman »Gesellschaft mit beschränkter Haftung«. 2011 schrieb sie regelmäßig Gedichte für »Die Zeit«, derzeit bloggt sie für das Goethe-Institut über Europa.

(Eine Veranstaltung der Berliner Literarischen Aktion e.V., gefördert vom Britisch Council London und Berlin und mit freundlicher Unterstützung der LiteraturWerkstatt Berlin.)


Berliner Literarische Aktion e.V.
Kastanienallee 2
D – 10435 Berlin
Tel.: ++49 (0) 30 / 53 15 59 63
email: info@berliner-literarische-aktion.de
www.berliner-literarische-aktion.de

91. „Überdichter“

Bewegend sind biografische Anekdoten über den ungeliebten Stiefvater, der Baudelaire verstoßen hatte. In Gegenwart des General Aupick durfte nicht mal der Name des Dichters geäußert werden.

Das aber taten die ahnungslosen Jungschriftsteller Maxime Du Camp und Gustave Flaubert bei einer Begegnung am Bosporus, als sie mit der Frage konfrontiert wurden, ob es in Paris wohl hoffnungsvollen literarischen Nachwuchs gebe. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. Das Resultat: eiskaltes Schweigen. Später, heimlich, tritt Baudelaires Mutter an Du Camp heran, der noch nicht ahnt, mit wem er es zu tun hat. „Nicht wahr, er hat Talent?“, lautet ihre Frage.

Während des Lesens fragt man sich gelegentlich, was hier eigentlich beeindruckender ist, Calassos scharfsinnige Interpretationen von Gedichten und im Buch farbig abgebildeten Gemälden oder das enzyklopädische Wissen, das er nicht einfach anhäuft, sondern zu einer fesselnden Kulturgeschichte verknüpft. Im Zentrum steht der titelstiftende Traum Baudelaires von einem Museumsbordell, den Calasso ausführlich kommentiert. Traum und Traumdeutung sind aus dem Moderne-Kontext nicht wegzudenken.

Das Buch, Teil eines groß angelegten Oeuvres über Literatur, Kunst und Mythologie, ist Stimulans und Augenöffner. Wer sich für den Überdichter Baudelaire begeistert, kommt an Calasso nicht vorbei. / Tobias Schwartz, Die Welt

Roberto Calasso: Der Traum Baudelaires. Aus dem Italienischen von Reimar Klein. Hanser, München. 496 S., 34,90 €

90. randnummer – lesung zur 5. ausgabe

diesmal mit: Konstantin Ames, Tom Bresemann (liest Walter Höllerer), Ann Cotten (via Video), Richard Duraj, Mara Genschel, Norbert Lange, Tibor Schneider und Katharina Schultens.

25.11.12, 19.00 Uhr
LAIDAK, Berlin-Neukölln, Boddinstr. 42

(weitere Lesungen folgen)

89. Gespräche mit Kunert

In regelmäßigen Abständen führen der Physiker und Lyriker Ingolf Brökel und der Schriftsteller Günter Kunert Gespräche über Dichtung – vor allem über die von Günter Kunert

/ ND

88. American Life in Poetry: Column 398

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
David Hernandez is a Californian who knows how to have a good time with his writing. Here’s a delightful flight of fancy based on a negotiation with a postal clerk.

At the Post Office 

The line is long, processional, glacial,
and the attendant a giant stone, cobalt blue
with flecks of white, I’m not so much
looking at a rock but a slab of night.
The stone asks if anything inside the package
is perishable. When I say no the stone
laughs, muted thunderclap, meaning
everything decays, not just fruit
or cut flowers, but paper, ink, the CD
I burned with music, and my friend
waiting to hear the songs, some little joy
after chemo eroded the tumor. I know flesh
is temporary, and memory a tilting barn
the elements dismantle nail by nail.
I know the stone knows a millennia of rain
and wind will even grind away
his ragged face, and all of this slow erasing
is just a prelude to when the swelling
universe burns out, goes dark, holds
nothing but black holes, the bones of stars
and planets, a vast silence. The stone
is stone-faced. The stone asks how soon
I want the package delivered. As fast
as possible, I say, then start counting the days.

 

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2011 by David Hernandez from his most recent book of poems,Hoodwinked, Sarabande Books, 2011. Reprinted by permission of David Hernandez and the publisher. Introduction copyright © 2012 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

87. Dorfschreiber

Und dann gibt es natürlich noch die Aufenthaltsstipendien. Über welche die Salzburgerin Bettina Balakà (Salzburger Lyrikpreis, Theodor-Körner-Preis, Alfred-Gesswein-Literaturpreis) in ihrem jüngsten Roman „Kassiopeia“ ihren Protagonisten, einen Schriftsteller, in durchaus anmutiger Manier schimpfen lässt. Nicht nur würde, so der in memoriam Thomas Bernhard sudernde Protagonist, mit Substandardauszeichnungen in Substandardwohnungen gelockt werden. Nein, die jeweilige Gemeinde erwarte auch noch vielfältige kulturelle Beiträge des Stipendiaten – als Vorleser, als Volksbildner, als Präsentator seiner selbst, als Protokollant des so überschäumend interessanten Lebens in dem jeweiligen überschäumend interessanten Flecken.

All das, um reale Beispiele zu benennen, in Orten wie Bergen-Enkheim, einem gesichtslosen Vorort des gesichtslosen Frankfurts am Main. Oder in Edenkoben im pfälzischen Nirgendwo. Als „Esslinger Bahnwärter“! Als „Burgschreiber zu Beeskow“ (sechs Monate à 750 Euro), lieblich auf halber Strecke zwischen Müllrose und Goyatz im tiefsten Brandenburg gelegen. Als Stadtschreiber in Otterndorf (Einwohnerzahl: 7000) zwischen dem AKW Brunsbüttel und dem desolaten Bremerhaven. Als Krimi-Stadtschreiber im kriminalitätsschütteren Flensburg; oder für drei bis neun (!) Monate auf dem Künstlerhof Schreyahn in Lüchow im Wendland, umgeben von den weltbekannten Orten Lemgow, Lübbow, Waddeweitz und Schnega, der Hof wird analog zur nahen Atommülllagerstätte Gorleben als „Stipendienstätte“ angepriesen. Oder als Dorfschreiber in Villgraten/Osttirol. / Alexander Kluy, Wiener Zeitung

(im Artikel auch über andere Preistypen und Preise an sich)

86. »what to say«

 

Pünktlich zum Jahreswechsel bietet der Textem Verlag einen Abreißkalender an, er hat zwar kein Kalendarium, wohl aber 239 Seiten, für jeden Tag des Jahres eine, man muss sie dafür zum Teil mehrere Tage lang betrachten.
Von Weitem tarnt sich dieser handliche Block als Produkt aus dem Hause PONS, ist also unbedingt sinnvoll, um polyglott zu wirken. Die vorherrschende Sprache des Kalenders ist Deutsch, mit rüde umgangssprachlichen und englischen Einflüssen. Auf den einzelnen Seiten befinden sich unterschiedlich lange Listen mit Worten. Hier z. B. eine eher kurze Liste:

fuck
helium
mief
genesung

Entstanden sind alle im Pseudokalender versammelten Listen – man könnte diese aber auch Micro-Opern nennen –, weil sich der SMS-Speicher des Mobiltelefons von Axel Loytved alle Worte merkte, die das T9-Programm nicht kennt. Datumsgenau. Tag für Tag. Sobald Axel Loytved eine SMS schrieb.

Man kann diesem Abreißkalender Seite für Seite anmerken, ob es sich um einen guten oder schlechten Tag handelt. Die Benutzung als Tageshoroskop ist also naheliegend. Die einzelnen Blätter sind aber auch als Einkaufszettel, oder To-do-Liste gut zu verwenden. Sehr sinnvoll könnte auch sein, die Zettel als Kurznachrichten in Nachbarbriefkästen zu verteilen oder unter Scheibenwischer zu klemmen. Sozusagen als Straf- oder Belohnungszettel für besonderes Verhalten.

Axel Loytved:
»what to say«
239 Seiten, perforiert
8,35 Euro
ISBN 978-3-86485-031-8
Textem Verlag, Hamburg 2012

Bestellen unter: versand(at)textem.de
Auslieferung für Buchhändler:
SOVA, Fax: 069 / 41 02

85. Rettung der Lyrik

Aktion zur Rettung der deutschsprachigen Lyrik: Dr. Treznok & Jochen Ortmann (Lese-Performance)

Wann: 16.11. – 20:00 Uhr

Wo: Awake Mainz
Steingasse 24
55116 Mainz

Die deutschsprachige Lyrik liegt in den letzten Zügen und gilt als totgeborenes Stiefkind der Literatur. Deshalb sind die beiden Helden der deutschsprachigen Wortverdrehungskunst angetreten, um die Poesie zu retten: Jochen Ortmann & Dr.Treznok Womit können die beiden den Verfall der Poesie noch stoppen? Rainer Maria Rilke? Mascha Kaléko? Heinz Kahlau? Oder doch Jochen Ortmann und Dr.Treznok mit eigenen Gedichten? Retten uns am Ende Hölderlin, Schiller oder der olle Goethe? Werden die beiden lyrischen Helden die Poesie retten oder versagen? Das Publikum darf gespannt sein ? Eine Lese-Performance mit und ohne Gesang, mit und ohne Musik, mit und ohne Bewegung !!! Mehr Infos zu beiden Poeten gibt´s hier.  Der Eintritt ist frei. Um einen freiwilligen Kulturbeitrag für die Künstler wird gebeten.

84. Lauf der Dinge

„Zwei Auszüge aus einem Interview mit Hubert Winkels über Literaturpreise*:

1. Bei prominenten Preisen gehen kleinere Verlage oft leer aus, als Reaktion formierte sich der„Hotlist“-Preis. Ein Missverhältnis – oder spiegelt das nur die Kräfteverteilung auf dem Markt wieder? Wenn’s um die Wurst geht, sind die Großen unter sich?
Bei der Beurteilung eines Textes sollte der Verlag keine Rolle spielen. Natürlich sind kleinere Verlage oft mutiger, gehen innovative Wege. Deshalb verdienen sie einen etwas größeren Aufmerksamkeitsschub am Anfang. Im Laufe der Diskussion wächst sich das aus. Dann geht es nur noch um Qualität. Die Guten landen häufig bei größeren Verlagen, man mag es bedauern, aber das ist der Lauf der Dinge. Wie soll ich als Wacker Burghausen den Spieler halten, der bei Bayern spielen soll…

2. Der Einfluss einer Jury auf das, was anschließend im Buchhandel verkauft wird, ist nicht unbeträchtlich. Wie geht man als Juror mit dieser „Macht“ um?
Wenn wir einen Lyrik-Band auszeichnen würden, würden viele lange Gesichter machen**. Man würde auch Schelte bekommen. Bei großen Preisen sollte man keinen exotischen Weg gehen und nach Kleinverlagen mit avantgardistischer Lyrik suchen. Das wäre der falsche Weg. Man adressiert sich an ein großes nationales, ja internationales Publikum. Natürlich freut man sich, ein Buch auszuzeichnen, das anschließend eine große Zahl von Lesern hat. Die halbe Nation liest es – toll! Für mich ist es viel wichtiger, ein Buch herauszuheben, das einen besonderen Akzent setzt. Das eine ästhetische Seite hat, die bemerkenswert, neu – und möglicher Weise sogar attraktiv für andere Autoren ist.

/ Börsenblatt

*) Wie sich der große Hubert die Dinge denkt, so sind sie auch. Dies wäre falsch, jenes ist richtig, zack zack. Und natürlich nicht mit avantgardistischer Lyrik, wie sie sich der kleine Moritz denkt – das nun gar nicht. „Vielfalt der Genres und Textsorten“, aber nicht übertreiben.

**) Wie wäre es dann mit einer Sparte Lyrik, wie es sie etwa bei Preisen in den USA und Kanada gibt??

83. Langes Gedicht

Wenn man Ihren Roman liest, meint man, die Lyrikerin herauszuhören, als die Sie angefangen haben. Sehen Sie das auch so?

Marjana GAPONENKO: Für mich ist ein Roman ein sehr langes, großes Gedicht. Ich komme aus der Lyrik und ich weiß, dass ich am Gesang, am Lied klebenbleibe. Ich komme aus einem Kulturkreis, wo sehr viel gesungen wird. Auch einfach so auf der Straße. Da zeigt auch keiner mit dem Finger: Schau, ein Betrunkener, der singt. Man singt, weil man überwältigt ist von irgendwelchen Gefühlen, weil man sich freut. Damit bin ich aufgewachsen, dass man frei singen kann. Ich kann nicht singen, aber ich bin gerne in einer Gesellschaft, wo plötzlich eine Gitarre auftaucht und „Caprifischer“ gesungen wird. „Wer ist Martha?“ ist eigentlich mit dem Gedanken geschrieben, dass der Leser das Gefühl hat, in einem tollen Konzert zu sitzen, von einer Sinfonie durchdrungen zu werden. Das wäre für mich das größte Kompliment. / Neue Westfälische

82. Gespräch über Lyrik bei GlobKult

Das Online-Magazin GlobKult – Magazin für Politik, Gesellschaft, Kultur, Geschichte –, das vor einigen Jahren von Peter Brandt übernommen wurde, hat seine literarischen Anteile, die die Lyrik nicht aussparen. Zu den Beiträgern, die regelmäßig publizieren, gehören Ulrich Schoedlbauer, Günter Grass oder Wolf Biermann. Aber auch weniger prominente Autoren erscheinen zuweilen mit Beiträgen. So setzte etwa Laura Solbach der Diskussion um die Grass-Gedichte jenem „Was gesagt werden muss“ ein „Was gesagt werden kann“ hinzu: http://www.globkult.de/kultur/l-iteratur/716-was-gesagt-werden-kann-