Die auf fünf kurze Kapitel verteilten Gedichte werfen sich niemandem an den Hals, aber genau wie die eingangs erwähnten Zeitschriften und Anthologien vermag auch „im toten winkel des goldenen schnitts“ als formidable Fundgrube herzuhalten – als eine Fundgrube für stimmungsvolle, an vielen Stellen extrem plastische Bilder, für steile Einstiege und schön gewählte Titel, für Passagen mit phonetischem Wohlklang, für stimmige und gleichzeitig überraschende letzte Zeilen, so wie hier:
balcke & heym
überm winter die landschaft durch watte & licht-
schrulle leer. eisiger werder. er wolle den raureif
feiern. wenn er sterbe seien die menschen tot. Wie
stottern sei das nur dass nichts hängen bleibe denn
da werfe man ja die silben in eine art doppelten
boden. die welt klappe nach hinten. aber eigentlich
stottere niemand. das sei nur reminiszenz an die
rememorierte gegend zwischen havel & havel.
/ Stefan Heuer, Cineastentreff
Ich bewundere Schriftsteller, die trotz offensichtlicher Schwächen Größe erlangt haben: den Polen Stanislaw Ignacy Witkiewicz, der 1939 gestorben ist, die Amerikaner Walt Whitman und Robinson Jeffers und den Russen Boris Pasternak. Auf die Frage, welches die Kriterien der Größe in der Literatur sind, antworte ich: kosmische Weite der Vision und Großzügigkeit.
Übersetzt von Eva Rottenberg, in: Czesław Miłosz: Zeichen im Dunkel. Poesie und Poetik. Hrsg. v. Karl Dedecius. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1996 (1. 1979), S. 116.
Google bildet. Ungemein. Fünf Fundstellen für „Deutsche Grashalme“, unverändert eingefügt:
In einer Pressemitteilung der Stadt Dresden zum Dresdner Lyrikpreis im redaktionellen Teil das Übliche (Renommiersprache gepaart mit Ungenauigkeit). Löblich aber, daß der Text der Laudatio beigefügt ist, hier ist er:
„Nach der eindrucksvollen Lesung aller neun durch die Vorjury Nominierten aus Deutschland und Tschechien brauchte die gleichfalls zweisprachig besetzte neunköpfige Hauptjury nur eine Stunde zur Entscheidung. In intensivem und konstruktivem Austausch wurde klar, dass der Preis in diesem Jahr nicht geteilt werden sollte. In geheimer Abstimmung entschieden wir uns, in klarem Votum mit sechs von neun Stimmen für Hartwig Mauritz. Mit ihm küren wir einen 1964 in Eckernförde geborenen, heute in Vaals in den Niederlanden lebenden, Autor mit einer eigenen, unverwechselbaren Stimme, die ein Gutteil ihrer Eigen- und Besonderheit seiner naturwissenschaftlichen Bildung durch eine Studium der Elektrotechnik und Tätigkeit als Wissenschaftler und berufsbildender Lehrer technischer Fächer verdankt.
Neben seiner norddeutschen Herkunftslandschaft sind es in den hier eingereichten Gedichten besonders Erfinder wie Galvani mit seinen Froschschenkelexperimenten, und Telephonie- und Fernsehpioniere wie Marconi, Reis und Nipkow, der Erfinder des Fernsehens, von denen er sich angezogen fühlt. Dieses physikalische Weltbild erhält seine poetische Aufladung und Inspiriertheit durch einen gehörigen Schuss Metaphysik, der erst aus dem Nüchternen das Wunderbare, aus Wissenswerten den Zündfunken von Geheimnissen werden lässt, der den Gedichten ihr transzendentes Ingenium verleiht. In diesem 48jährigen Dichter, der nahe Aachen gleich hinter der niederländischen Grenze lebt, haben wir einen poetischen Nachfahren von Dichtern wie Hans Magnus Enzensberger und dem Schweden Lars Gustafsson. Fasziniert von Grenzüberschreitungen im Wissensdurst wie im Lebenshunger, von Biografien und Lebensleistungen, die Türen öffneten in neue Erkenntnis- und Erlebensräume, schreibt Hartwig Mauritz lakonisch und doch voller transzendenter Feinheiten, die uns zu fesseln vermögen wie in diesem Gedicht:
philip reis nimmt den hörer in die hand, sein schädel begabt
aber nicht begehbar heut. der hund bellt durch den draht
den apparat leckt seine zunge die zähne in der stimme
schlägt der atem seines hern an, krächzt, raucht, knackt
elektrische impulse. das mikrofon aus kohle glüht vor stimmen
die frau ist aus dem haus, der erfinder aus dem häuschen
nur die nacht zieht ihren dunklen leib ihm vors gesicht
kratzt, rauscht, schreit elektrische ekstasen. sein mund ist eine quelle
für den schall, das ohr, seine senke gehört zum inventar des herrn
der hund, sein hecheln zuckt durch den draht lauscht er der stimme
in der hand: was in der sprache ihn vorantreibt, knurrt, kratzt, knistert
in den draht gesprochen, geruchlos und sein ohr auf zigarrenkistengröße
aufgebläht, kann es hören, das stille atmen seines herrn.
Wouw! Was in Menschensprache heißt: herzlichen Glückwunsch!“
Carl-Christian Elze ist von Januar bis Ende März der erste „poet in residence“ in Dresden-Loschwitz. Vergeben wird das Lyrikstipendium, das freie Unterkunft im Gästehaus des KulturHauses Loschwitz beinhaltet, vom Verein „Literarisches Dresden“.
Carl-Christian Elze konnte sich bei einer öffentlichen Lesung durchsetzen, und darf nun vom 6. Januar bis 31. März 2013 im KulturHaus Loschwitz wohnen. Bei einem monatlichen Stipendium von 900 Euro. …
Die in den drei Monaten entstehenden lyrischen Arbeiten sollen einen Bezug zur Stadt Dresden oder der sächsischen Kulturlandschaft erkennen lassen. / Börsenblatt für den deutschen Buchhandel
Der mit 5000 € dotierte Dresdner Lyrikpreis geht an Hartwig Mauritz.
„In diesem 48jährigen Dichter, der nahe Aachen gleich hinter der niederländischen Grenze lebt, haben wir einen poetischen Nachfahren von Dichtern wie Hans Magnus Enzensberger und dem Schweden Lars Gustafsson. Fasziniert von Grenzüberschreitungen im Wissensdurst wie im Lebenshunger, von Biografien und Lebensleistungen, die Türen öffneten in neue Erkenntnis- und Erlebensräume, schrieb Hartwig Mauritz lakonisch und doch voller transzendenter Feinheiten, die uns zu fesseln vermögen“, so der Laudator Richard Pietraß.
Ebensfalls für das Finale nominiert waren Thomas Böhme (Leipzig), Anna Brikciusová (Prag), Petr Čermáček (Brno), Daniela Danz (Kranichfeld), Renatus Deckert (Lüneburg), Radek Fridrich (Decin), Michal Šanda (Prag) und Irena Šťastná (Dobroslavice).
Die Ausschreibung für den Dresdner Lyrikpreis 2014 beginnt am 15.3.2013.
In der Sächsischen Zeitung schreibt Undine Materni:
Der Leipziger Dichter Thomas Böhme bekannte, dass er vorwiegend gegen die Angst anschreibe, gegen die Angst und gegen das Vergessen. Daniela Danz aus Thüringen möchte in ihren Texten die Komplexität der Sprache bewahren, Renatus Deckert, der als Lyriker, Essayist und Herausgeber in Lüneburg lebt, gestand, dass er Idealen misstraue und im Gedicht hinter die Fassaden schauen möchte. Radek Fridrich möchte seine Stimme im Gedicht eher anderen Personen leihen, als sich selbst ins Zentrum zu setzen, Michal Šanda lässt sich gern im Alltäglichen vom Gedicht finden.
Der in den Niederlanden lebende Hartwig Mauritz denkt viel über die Entstehungsgeschichte der Dinge nach, Petr Cermácek schreibt gegen das Vergehen der Zeit an. Die Cellistin und Dichterin Anna Brikciusová lässt sich zuweilen von der Musik inspirieren, und Irena Štastná schreibt oft unter Hochdruck und liebt das kurze Gedicht.
Uwe Carow hat den Brandenburgischen Lyrik-Literaturpreis gewonnnen. Wer am Samstag zur Preisvergabe des Literaturkollegiums Brandenburg in den Treffpunkt Freizeit aufbrach, ließ sich auf eine Zeitreise ein. (…)
Den Preisträger dieser regionalen lyrischen Bestandsaufnahme hatte im Vorfeld eine fünfköpfige Jury aus 35 anonymen Einsendern erwählt, die sich zuvor mit Gedichten zum Thema „Ungesehen, ungehört, ungesagt“ um den mit 500 Euro dotierten Preis beworben hatten. Die Laudation auf Uwe Carow hielt traditionell die im Vorjahr Ausgezeichnete: Hanna Haupt beschrieb Carows Lyrik als „Das an der Verzweiflung Verzweifelnde“ und meinte „einen Menschen hinter diesen Worten atmen zu hören“. / Märkische Allgemeine
Das Museum für Westfälische Literatur zeigt in der Ausstellung „Ernst Meister: Der Lyriker als Maler“ vom 22. November 2012 bis 3. März 2013 Aquarelle, Farbstift- und Pastellkreidezeichnungen, gerahmt von Handschriften und Fotografien des Künstlers.
Literatur und bildende Kunst – Ernst Meister fühlte sich in beiden Disziplinen zu Hause. Das verbindet den Büchner-Preisträger etwa mit Hermann Hesse oder Günter Grass. Über drei Jahrzehnte war der Lyriker auch als Maler tätig. Ernst Meister hat ein grafisches Werk geschaffen, das über 1000 Arbeiten auf Papier umfasst. „Seine eigene künstlerische Handschrift bildete sich aus verschiedenen Einflüssen und Freundschaften mit anderen Malern wie etwa Hans Kaiser oder Emil Schumacher“, so Dr. Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Münster. Ernst Meister, dem 1979 posthum der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde, hat sich seit den 1950er Jahren mit den aktuellen Tendenzen der Zeit auseinander gesetzt – sowohl lyrisch als auch bildnerisch.
Meisters Bilder stehen für sich und sind keine Illustrationen seiner Gedichte. „Dennoch ist es spannend, Verbindungen und Unterschiede zwischen Ernst Meister, dem Lyriker und Ernst Meister, dem Maler zu suchen und auch zu finden.“, begründet Prof. Dr. Walter Gödden, wissenschaftlicher Leiter des Museums für Westfälische Literatur, die Entscheidung, Meisters bildnerisches Werk auch im Literaturmuseum in den Fokus zu stellen. Die Spontanität, in der seine Bilder entstanden sind, steht beispielsweise in starkem Kontrast zu der Entstehung seines schriftstellerischen Schaffens: in der Lyrik hat immer ein längerer Prozess der Reduktion stattgefunden.
Ernst Meister selbst sah die Gemeinsamkeit in seinem lyrischen und seinem bildnerischen Werk in der Motivation zu beginnen: „Das Malen bedeutet den Umgang mit Farben, mit dem Stift; und das Substantielle daran ist natürlich der Entwurf, der aufgrund des ersten Einfalls entspringt. Und in diesem ersten Einfall, jetzt beim Malen sowie beim Schreiben, reizt es mich, einen ersten Strich zu machen.“
Die Ausstellung im Museum für Westfälische Literatur zeigt 21 seiner malerischen Arbeiten. „Im Ausstellungsraum des Literaturmuseums können Meisters Bilder ihre ganz besondere Wirkung entfalten“, sagt Dr. Tanja Pirsig-Marshall, Kuratorin für die Klassische Moderne am LWL-Landesmuseum in Münster. Sie hat die Ausstellung und das Bestandsverzeichnis der Zeichnungen und Aquarelle erarbeitet.
Eine Ausstellung des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Münster in Zusammenarbeit mit dem Museum für Westfälische Literatur.
Mehr: www.kulturgut-nottbeck.de

Museum für Westfälische Literatur – Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg
Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr
„Nicht von Arbeitern ist hier die Rede“, wie es in Höllerers Langgedicht „Die Stimme von Blake“ in der „Randnummer“ heißt, nicht „von Industrie und Proletariat, es ist die / Rede von jungen Technikern, die // mit dem flippenden Geräusch einer angeblichen / Nichtanstrengung die Sicht / verändern und eine / dahinstreichende Zeit“. Die Welt der Programmierer beginnt ihre Bewohner zu konditionieren und ruft nach Verweigerung; „die scharfe Linie der Affirmation / gebrochen / und dann die Versuchsanordnung / dem Phantastischen Benennbares abzugewinnen / durch / auf ja-und-nein-Futter / abgerichtete / Insekten“.
Gräfs Hang zur Kanonisierung, der den Dichter zwischen amerikanischen Beat Poets und Rolf Dieter Brinkmann ansiedelt, und Bresemanns Neigung, aus Höllerers sprachanalytischer Kybernetik noch einmal Subversionsfunken zu schlagen, mögen zwei Seiten derselben Sache sein. Das überraschende Interesse am Dichter Höllerer dürfte ansonsten aber weiterhin der seltenen Dreieinigkeit von Schriftsteller, Literaturwissenschaftler an der Technischen Universität und Erfinder des „Literarischen Colloquiums“ am Wannsee geschuldet sein.
/ Gregor Dotzauer, Tagesspiegel
100 Jahre alt ist die Zeitschrift Poetry. In den ersten zehn Jahren wurde sie die führende Lyrikzeitschrift in englischer Sprache. Die Zeitschrift entdeckte Gwendolyn Brooks, James Merrill und John Ashbery. T. S. Eliots „Love Song of J. Alfred Prufrock“ erschien hier wie Beiträge von Ezra Pound, H.D., Robert Frost, Langston Hughes, Edna St. Vincent Millay, Marianne Moore, William Butler Yeats, Rabindranath Tagore, William Carlos Williams, Joyce Kilmer, Carl Sandburg, Charlotte Wilder, Robert Creeley, Wallace Stevens, Basil Bunting, Yone Noguchi, Carl Rakosi, Dorothy Richardson, Peter Viereck, Louis Zukofsky, Charles Reznikoff, E.E. Cummings, Frank O’Hara, Allen Ginsberg, Ernest Hemingway, James Joyce, Gertrude Stein und Tennessee Williams.
Heute hat sie eine Auflage von 30.000 Stück und druckt 300 Gedichte im Jahr, die sie aus 100,000 Einsendungen auswählen kann. Eine mehrfache Einsenderin, die immer abgelehnt wurde, Ruth Lilly, schenkte der Zeitschrift vor 9 Jahren 200 Millionen Dollar.
Zum Jubiläum hier ein Essay von Paul F. Gehl über die typographische Geschichte der Zeitschrift.
(Zahlen und Namen von Wikipedia)
Der Lyriker Matthias Kehle liebt Mehrdeutigkeiten, die zum Denken anhalten. Das Gedicht „Kiesgrube“ beginnt mit den Worten: „Hier bauen sie auf Sand“. Wer auf Sand baut, hat gewöhnlich gute Gründe anzunehmen, dass seine Absichten scheitern müssen. Hier aber ist von einem Betrieb die Rede, der im wörtlichen Sinn auf Sand baut. Ein anderes Gedicht beginnt so: „Ein Weg über / Toteis leichteres Gehen“. Als Fachbegriff der Glaziologie bezeichnet Toteis Gletscherteile, die mit dem aktiven Gletscher nicht mehr verbunden sind, sich nicht mehr bewegen, ein infolge Klimaerwärmung vermehrt auftretendes Phänomen. Wir wohnen einer Gebirgswanderung bei, doch in der sprachlichen Vergegenwärtigung scheint ein Hof zusätzlicher Bedeutungen auf, die die Szene ins Sinnbildliche heben. Die anklingende Redefigur des über Leichen Gehens spielt auf die Hybris des Umweltsünders Mensch an. „Wann reißt die Zunge ab? / „Ganz oben bleibt noch Eis / für’s nächste Jahrhundert“. So lesen wir, wenig beruhigt. (…)
Kehles Gedichte wollen keine Trostpflaster für die Wunden des Daseins sein. Sie sind selbst „ein Moment ohne Unterschlupf“. Wer sie liest, dem ist der Fluchtweg in die literarische Idylle versperrt. / Hans-Dieter Fronz, Badische Zeitung 24.11.
Matthias Kehle: Scherbenballett. Gedichte. Verlag Klöpfer & Meyer, Tübingen 2012. 124 Seiten, 15 Euro.
Im eben zitierten Artikel spricht Olga Martynova über vergessene Autoren der klassischen russischen Moderne, von denen zur Zeit viele in Deutschland erstmals oder wieder gedruckt werden. Ich zitiere bloß mal, was sie über Lyriker darunter schreibt:
Die Novelle … ist Michail Kusmin (1872–1936) gewidmet, einem der wichtigsten und bis heute einflussreichen Lyriker der klassischen Moderne. Im Leningrad der zwanziger und dreissiger Jahre versammelte er jüngere Künstler um sich, die nicht der sozialistisch realistischen Ästhetik folgen wollten, darunter auch Wsewolod Petrow, den künftigen renommierten Kunsthistoriker. (…)
Und es gibt immer noch vieles, das der Entdeckung harrt. Die Dichterin Anna Radlowa (1892–1949) etwa, die wie Wsewolod Petrow nach der Revolution zum Kreis von Michail Kusmin gehörte. Sergei Prokofjew beschreibt in seinem Tagebuch, wie er Kusmin im Haus von Anna Radlowa und ihrem Mann, dem berühmten Regisseur Sergei Radlow, traf und sich angesichts der ärmlichen Kleidung des Dichters für seinen Pariser Mantel mit seidenem Futter zu schämen begann. Radlowa schrieb Ende der dreissiger Jahre «Powest über Tatarinova», das von der rätselhaftesten aller russischen Sekten, den Kastraten, erzählt. (…) Das Ehepaar Radlow gelangte im Zweiten Weltkrieg aus dem von der Wehrmacht besetzten Nordkaukasus nach Deutschland. Es kam nach dem Krieg freiwillig zurück, wurde der Kollaboration mit dem Feind bezichtigt und ins Straflager geschickt, wo Radlowa 1949 starb. Ihre Werkausgabe erschien erst 1997.
Und ihr Fazit:
Noch immer steht der russische Realismus des 19. Jahrhunderts hoch im Kurs, doch lohnt es sich, den Blick zu wenden, um zu erkennen, dass in der russischen Sprache eine zweite, ganz andere, aber nicht weniger grossartige Klassik existiert.
/ NZZ 24.11.
Deshalb bin ich sehr vorsichtig, wenn politischer Protest durch schlechte Kunst ausgedrückt wird. Das war auch so bei der heute vergessenen und vor einigen Jahren gefeierten Lyrikerin Alina Wituchnowskaja, die wegen Drogen festgenommen wurde, was weltweite Proteste hervorrief. Das führte dazu, dass erstens ihre durch nichts interessanten Gedichte erschienen und zweitens eine nationalbolschewistische und neofaschistische Aktivistin mancherorts als Heldin gefeiert wurde. Prilepin kommentierte ihren Erfolg so: «Riskante Schlussfolgerung: Den heutigen Deutschen sind die russischen Faschisten (ästhetisch!) näher als die Antistalinisten, die man gründlich satthat.» Solche Komplimente erntet man, wenn man ohne Verstand und Kenntnis Urteile über Kultur und Politik eines fremden Landes abgibt. / Olga Martynova, NZZ
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