In gewissem sinne ist braun strukturalist und beobachtet als solcher die entwicklungen, schaut darauf, wie gesellschaft, schichten oder gruppen sich konstituieren, welche dynamiken dabei entstehen, was das mit dem bewußtsein der handelnden oder getriebenen anstellt … Da zieht sich konsequent eine linie durch die gedichte und vor allem auch prosastücke, von den 60er jahren bis heute, etwa von “das ungebundene leben kasts”, über “die vier werkzeugmacher” nach der wende bis hin zu “machwerk” und “die hellen haufen”, letzteres eine reminiszenz an den widerstand der bischofferodaer kumpel gegen die schließung ihres rentablen salzbergwerkes und eine gesellschaftliche utopie zugleich. Braun scheint einer der wenigen autoren, die sich in dieser weise mit gesellschaftlichen vorgängen beschäftigen und daraus erhellende literarische texte gewinnen. / Jayne-Ann Igel (mehr)
„Vorige Woche hat sich der Zirkel schreibender Arbeiter konstituiert. Von 20 Eingeladenen waren 4 erschienen; keine Potenzen nehme ich an. Nur der kleine Volker Braun, Abiturient und seit 4 Jahren in der Produktion, scheint begabt zu sein.“ Das schrieb Brigitte Reimann 1960 über ihren jungen Brigade-Kollegen im Braunkohlekombinat Schwarze Pumpe. / mdr
Von Friederike Mayröcker bis Durs Grünbein, von Nuria Quevedo bis Ronald Paris, von F. C. Delius bis Gerhard Wolf, der von den Funktionären schreibt, die Brauns »dichterische Existenz bedrohten, was heute keiner erinnert, geschweige denn verstehen kann, der unsere deutsche Vergangenheit ausblendet oder zu Opferrollen heroisiert«. Sogar (wieso sogar?) Wolf Biermann steuert eine Eloge bei, vergleicht sich mit dem Jubilar: »Der eine Poet kroch subversiv/ Ins Ohrloch dem Roten Drachen/ Der andere griff dem Monster naiv/ Mit bloßer Hand in den Rachen«. Und Martin Mosebach pflückt »Ein geistliches Kleeblatt für Volker Braun«, vier Sprüche, einer von Charles Baudelaire: »Wink für Nicht-Kommunisten: Alles ist gemeinsam, selbst Gott.« / ND
Mehr: Freie Presse / junge Welt / Leipziger Internet Zeitung
Die österreichische Malerin Maria Lassnig ist gestorben.
„Man hat“, sagte sie einmal über das Künstlerinnendasein, „einer Frau nie so viel geglaubt wie einem Mann, sondern gesagt, nach der Tradition wird die sowieso heiraten. Kinder und Malerei, das wäre – für mich jedenfalls – unmöglich gewesen. Aber es tut mir um jeden Kuss leid, den ich nicht gegeben habe. Deshalb bin ich manchmal zu Tränen gerührt, wenn mich ein Kind streichelt. Oder eine Katze mich umstreicht.“ / Andrea Schurian, Die Presse
Hier singt sie die Maria Lassnig Kantate:
Poesie wird als Kriterium genannt. Und es ist nichts gesagt und nichts begriffen. Nichts über unsere Sprache und die schlichte Tatsache, dass der Zauber in der Sprache steckt. Man muss ihn nur zu entdecken wissen.
Das könnte, wenn es denn gewollt wäre, die Arbeit im Literaturunterricht sein. Aber dazu müsste Schule wieder ein Projekt werden, das Menschen neugierig macht und bereit, ihre Welt zu erkennen. Das ist jedoch nicht das Ziel deutscher Schulen. Leider.
Aber auch das trägt zur Verwirrung bei. Wer seine Sprache nicht kennt und nicht weiß, was sie tut und wie sie funktioniert, der weiß nicht, was sie alles anrichten kann. Da muss man nicht einmal die hingeschwurbelten Reden simpler Politiker nehmen. Man kann auch die wattigen Texte aus dem Feuilleton deutscher Zeitungen nehmen, wie es Lydia Daher getan hat. (…)
Aber Lydia Daher, die bei Voland & Quist schon mit zwei bezaubernden Gedichtbänden auf sich aufmerksam machte, hat etwas entdeckt: Auch in diesen Texten steckt alles, was man zu einem guten Gedicht braucht. Tatsächlich braucht man dazu ja nur Worte. Und hier stehen welche, manchmal auch einige, die von ganz allein lebendig sind, wenn man sie lässt, und die ihre Schönheit wieder entfalten, wenn man die Schere nimmt und sie ausschneidet. Hier eins, da zwei, dort ein halbes, da unten sogar eine ganze Zeile, die es in sich hat. Da hat der Artikelschreiber wohl zitiert aus einem Gedicht: „ist es aus mit der Unschuld.“ Das reizt ja Dichter und Dichterinnen immer wieder: Die Zeilen der anderen neu zu bearbeiten, herumzudrehen wie Edelsteine und ein neues Funkeln zu entdecken.
Und was macht Lydia Daher daraus? – „Welt / unter / wo Wörter sind / ist es aus mit der Unschuld.“
So kurz können Gedichte sein, so treffend. Dazu eine Bildcollage, und man kann es sich an die Wand hängen. Oder in ein Buch kleben. 101 solcher Bild-Gedicht-Collagen sammelt dieser Band, von über 140, die binnen eines Jahres entstanden sind und die auf ganz sinnfällige Weise zeigen, wie man Gedichte baut. / Ralf Julke, Leipziger Internet-Zeitung
Und auch nun, gegenüber dem Ganzen – dies
Lydia Daher, Voland & Quist 2014, 17,90 Euro
Alfred Kerr hat Kriegspropaganda geschrieben, in der er die deutschen Kriegsgegner im Ersten Weltkrieg schmähte. Die entsprechenden Texte hatte Gerhard Henschel am Wochenende in der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ veröffentlicht und die Frage gestellt, ob Kerr heute noch als Namensgeber für Preise tauge. Denn zwei Preise sind nach dem Schriftsteller, Theaterkritiker und Journalisten benannt: der „Alfred-Kerr-Darstellerpreis“ für Nachwuchsschauspieler, der im Rahmen des Berliner Theatertreffens verliehen wird, und der „Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik“, den das Börsenblatt seit 1977 in Frankfurt vergibt. Die Preise, schreibt Henschel, würden Jahr für Jahr von Kritikern und Schauspielern entgegengenommen. „Wissen sie alle nicht, dass der Namensgeber kriegsgefangene Russen einst als Wachsstockfresser verhöhnt hat? Oder ist das den Preisträgern gleichgültig?“, so Henschels Frage zum Abschluss des Textes. (…)
Als „lächerlich“ bezeichnet Günther Rühle die Debatte. Rühle ist Experte: Er selbst war seit den 1950er Jahren einer der einflussreichsten Theaterkritiker und fünf Jahre lang Intendant an den Frankfurter Städtischen Bühnen; heute ist er Präsident der Alfred-Kerr-Stiftung. Als „Schnee von gestern“ bezeichnet er diese Erkenntnis, vor allem, weil die Gedichte seit langem bekannt und in der Kerr-Ausgabe veröffentlicht sind. Kerr habe sich immer dazu bekannt, die umstrittenen Gedichte geschrieben zu haben. Folglich werde der nach Kerr benannte und von der Stiftung vergebene Theaterpreis nicht umbenannt. / hr
Die Realität ist viel komplizierter und trauriger als die Bilder im Fernsehen: Wir sind in einen echten Krieg hineingeraten. Wie es ist, in diesen Tagen in der Ostukraine zu leben.
Von Serhij Zhadan, FAZ
Seit zwei Monaten ist es unruhig und gefährlich in den Städten der Ostukraine. Begonnen als friedliche prorussische Demonstrationen, haben sich die Aktionen des sogenannten „Russischen Frühlings“ zu einem echten bewaffneten Konflikt entwickelt – mit besetzten Verwaltungsgebäuden, Hunderten von Verletzten (und neulich auch Toten) und einer anberaumten Anti-Terror-Operation der ukrainischen Regierung gegen die Separatisten im Gebiet Donezk. Ich glaube, dass vor anderthalb Monaten kaum jemand solche Entwicklungen voraussehen konnte. Die Anhänger vom „Majdan“, also Menschen, die die ukrainische Revolution unterstützt haben, darunter auch ich, konnten sich Folgendes jedenfalls nicht vorstellen: Dass sie sich nun gegen ihre eigenen Landsleute wehren müssen, die die neue Regierung in Kiew nicht anerkennen und es für möglich halten, im Nachbarland um militärische Unterstützung zu bitten.
Nach Protesten gegen das Regime, gegen den Präsidenten und seine Clique haben sich die Ereignisse in den Osten des Landes verlagert und zu einem echten gesellschaftlichen Konflikt entwickelt, gewissermaßen einem Bürgerkrieg. Das massenhafte und brutale Zusammenschlagen von „Euromajdan“-Aktivisten durch die Vertreter von „Antimajdan“ in Charkiw, Luhansk und Donezk auf der einen und der „Schandkorridor“ für die Separatisten in Saporischja auf der anderen Seite haben die Proteste in diesen Städten längst von friedlichen Demonstrationen zu Straßenschlachten und allgemeiner Aggression mutieren lassen.
Proudly congratulating the Academy’s seventeenth class

The American Academy in Berlin is proud to announce the twenty-five recipients of the Berlin Prize Fellowship for the fall 2014 and spring 2015 terms. The highly competitive Berlin Prize is awarded each year to scholars, writers, and artists who represent the highest standards of excellence in their fields. The Academy’s seventeenth class of fellows is comprised of outstanding historians of art, architecture, culture, religion, science, and American life, fiction writers, two artists, a poet, a journalist, a composer, a filmmaker, a legal scholar, and a scholar of comparative media.
The Berlin Prize includes a monthly stipend, partial board, and residence at the Academy’s lakeside Hans Arnhold Center in Berlin-Wannsee. It is awarded annually by an independent selection committee, chaired by Anthony Vidler, Professor of Humanities and Art and Architectural History at Brown University. The Berlin Prize affords recipients the time and resources to step back from their daily obligations to work on academic and artistic projects they might not otherwise pursue, engage with their German counterparts, and experience Berlin’s vibrant cultural and political life.
Click here for a complete list of the Berlin Prize recipients and their projects for the 2014-2015 academic year (September 2014 through May 2015):
Unter den Stipendiaten:
Mary Jo Bang
Poet and Professor of English
Washington University in St. Louis
“The Bauhaus: A Study in Balance” – A Book of Poems
Tomas Venclova
Writer and Professor Emeritus of Slavic
Languages and Literatures
Yale University
A History of Lithuania – Between East and West
Siyen Fei
Associate Professor of History
University of Pennsylvania
Sexuality and Empire: Female Chastity and Frontier
Societies in Ming China (1368-1644)
The Berlin Prize Fellowships have been permanently endowed by the following individuals, foundations, and corporations: Daimler AG, Georg von Holtzbrinck Publishing Group, Nina von Maltzahn, Karl and Mary Ellen von der Heyden, John P. Birkelund, and the German Transatlantic Berlin Prize supported by European Recovery Program funds granted through the Transatlantic Program of the Federal Republic of Germany. Fellowships are also named after Axel Springer AG, Robert Bosch Foundation, Siemens AG, Berthold Leibinger Foundation, Dirk Ippen, Ellen Maria Gorrissen, Anna-Maria Kellen, Guna S. Mundheim, and Inga Maren Otto.
Der Dichter Mohand Akli Amrouche, genannt Mohand Akli Ath Amara, starb am vorigen Sonntag, dem 27.4., im Alter von 65 Jahren. „Unser Bruder und Freund Mohand Akli war eine außergewöhnliche Person. Er hatte keine Feinde, er war gerecht und immer da, um Frieden und Versöhnung zu bringen, er war ein Weiser, von allen geliebt „, sagte einer seiner Freunde. Er war ein engagierter Dichter, auch ein Dichter der Armen und Unterdrückten. 1990 veröffentlichte Mohand Akli seine erste Kassette mit drei Songs und sechs Gedichten. Seit einigen Jahren beobachtete Mohand Akli einen Niedergang der Welt des Liedes. „Die Welt“, sagt er, „wird jetzt von Geld und Profit beherrscht.“ Er blieb der Sache der Berber verbunden, die er mit Zähnen und Klauen verteidigte. / C. Nath Oukaci, Liberté
When I was first asked to make a list of poetry collections for people who think they don’t like poetry, my first thought was, „Well, isn’t that just about everyone?“ Not quite–I do have nearly 2,000 friends on Facebook, of whom the majority are poetry lovers. And what better way to make a list than to crowdsource these writer friends who each must know people who don’t like poetry? I’ve taken some of their suggestions, added many of my own favorites, and organized them from „easy“ to „harder,“ since many people say they don’t like poetry because they think it is „hard.“
1. Sailing Alone Around the Room, Billy Collins: Collins is the king of approachable and accessible poetry that is written well and transcends the mundane to something larger, more philosophical and mysterious. He’s probably the best poet to start with for people who think they don’t like poetry.
2. Delights and Shadows, Ted Kooser: Kooser’s a poet of the simplest, most accessible language and is well-loved by many. His book, like all of his work, draws inspiration from everyday life and the details, objects, and images most overlook.
3. Gold Cell, Sharon Olds: No list like this would be complete without a book by Sharon Olds. This book still sits on my bookshelf, one of the first poetry books I ever purchased, wrapped in contact paper. No other American poet can write about personal sexuality, the body, and family in such universal, unabashed, and riveting ways.
/ Victoria Chang, Huffington Post
Die anderen von ihr genannten Titel sind:
Und sie fügt hinzu:
And there are so many others like Mary Oliver, Jack Gilbert, Jane Kenyon, Sylvia Plath, T.S. Elliot, Yusef Komunyakaa, W.S. Merwin, and Anne Carson that readers can check out if they’re brave enough to make it through this list.
Ilse Hehn
Aus dem Zyklus „OST-TAGE“
Landung
Rumänien 2014
mein Land
kommt als Überraschung von Osten her
ins vergessliche Licht der Demokratie
runter gehts rauf gehts doch
immer runter
der Hofgarten der Politiker frisch gemäht
man zählt die Euros aus dem Westen
kippt Zahlen über falsche Köpfe
ich denke an Menschen Gespräche
unheroisch notwendig
senke den Kopf seh die Baumwurzeln an
vor dem Flughafen
ausgeschlagen in Schatten
Spätnachmittag
im April
Ilse Hehn ist Vizepräsidentin des Exil-P.E.N., Sektion deutschsprachige Länder und lebt in Ulm. Weitere Gedichte aus dem Zyklus in den kommenden Tagen auf http://textkette.com.
die Sprache ein Hammer – der haut daneben und zugleich auf den Kopf
Hansjürgen Bulkowski
Else Buschheuer über einen lebhaften Traum, den sie hatte, anlässlich des Geburtstags von Gottfried Benn am 2. Mai
Gestern habe ich wieder von Dr. Hering geträumt. Er trug Zwicker und Gehrock und sprach mit näselnder, von intellektuellem Hochmut vibrierender Stimme, während er gespielt unterwürfig den Kopf neigte. Er richtete das Wort an Gottfried Benn, der auf dem Podium saß und ihn mit verhangenem Blick aus „Augen eines Tigers“ (Else Lasker-Schüler) fixierte. Dr. Hering sprach: „Ich finde es beklagenswert, wenn wir, die wir hier uns auseinandersetzen wollen, auch schon mit Verallgemeinerungen, um nicht zu sagen mit Simplifikationen anfangen, nicht wahr, und das betrifft auch den so sehr von mir verehrten Herrn Doktor Benn. Ich füge gleich hinzu, alles was ich jetzt sage, ist mit dem Hut in der Hand gesprochen. Das versteht sich von selbst unter höflichen Menschen.“
„Mit dem Hut in der Hand“, eine schöne 1950er-Jahre-Floskel, die Großmutter von Joschka Fischer: „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch.“ Neben Benn sitzt Heinrich Böll, so wie man ihn von Fotos kennt, mit Baskenmütze und Zigarette. Er treibt in rheinischem Singsang die Diskussion „Soll Dichtung das Leben bessern?“ voran. Neben Benn und Böll sitzt der katholische Dichter Reinhold Schneider. Er wird in der Diskussion immer wieder um eine Art Behindertenstatus bitten, weil er ja nicht nur Dichter ist, sondern eben auch Christ. Was Benn, den Nihilisten, wenig beeindruckt. „Das erkenne ich durchaus nicht an“, sagt er. „Wer zwingt einen Christen, Kunst zu machen, wenn er eben hauptsächlich Christ ist?“
Recently a piece has made its way around poetry circles via the relatively obscure web lit magazine, Claudius App. Written by “Jacqueline Rigault” and skewering dozens of poets, both well-known and emerging, the piece on its surface is just the kind of sensationalistic silliness we imagine the journal’s editors hoped would make the rounds and, in turn, a name for the editors and their project. And it did, but likely not in the way they expected. You see, the joke was sour out of the gate and even the most casual reader found the misogyny obvious and off-putting at best. While most of the male poets mentioned in the piece are skewered for reasons of talent, many of the women poets are spoken about in terms of their physical attributes. One young poet, Cassandra Gillig, was referred to as “statuatory,” illustrating how casually rape culture is perpetuated by some in even the supposedly progressive lit scene.
The author of this piece is not “Jacqueline Rigault,” not, in fact, a woman at all, but a young man named Jeff Nagy, who is also one of the editors of the Claudius App. Once the backlash began, Nagy began switching poets’ names around, hoping to avoid the stain of misogyny on his reputation and that of the journal because, unfortunately for him, Nagy didn’t realize his words would come across offensively until readers screengrabbed and began sharing excerpts from the original.
We reached out to poet Eileen Myles, who had this to say:
“Mostly I was offended by the guise of being female as author. it’s the oldest trick for a cowering man – or one who wants to do his dirty deed without harming his own name. And then of course shit talking women as a woman. The US government does it in other countries when it wants to get rid of governments they don’t like. Counter revolution. Infiltration of the crowds. Really too many women are being heard from abundantly in the poetry world and we must reinstate the rule of men. I think there was some sneaky poetry camp spitting too – Dottie, Adam and Tim were singled out and that meant they are not “our” white man’s tribe. He seems to abhor the mixing of worlds. Yet he wants what they have I believe. Why not write a review, Sneak. The problem with reviews is you don’t get to attack the person. Somehow as a pseudo French woman I think he assumed he would get a pass on that kind of attack. Finally I was thinking about a Leigh Bowery performance in London in the 90s I heard about in which he was performing an enema on himself on stage. The action backfired literally and he got shit all over the audience. I don’t think the people shat on here are the readers or even the subjects of his rant. I think the poets whose work are in Claudius app are made complicit. By roping them in here, the unnamed author (I don’t know him) used their credibility, their work to erect a platform of attention for his unhappy whine. Again my own work is not even mentioned, I’m more of a thing in here, kind of an old moral failure which is true and stupid and irrelevant.”
(…)( If misogyny is unremarked upon and allowed to thrive in the quirky hipster circles of the poetry world, then the entire writing community, as Lasky states, has a lot of work left to do. Instead of simply supporting publications like the Claudius App who perpetuate a hatred for female poets, we can at least call to public attention the derisive ways they frame and position women writers so that future contributors might think twice before hitting the send button. / Amy King and Lynn Melnick, vidaweb
Besprechung: Boston Review
360.000 Russen lebten damals in der Stadt, darunter die Crème de la Crème der russischen Kultur. In den Cafés konnte man Gorki, Belyj, Jessenin oder Marina Zwetajewa treffen. Genauso wie die Maler Chagall, Lissitzky oder Kandinsky. Es gab Blini und Bortsch, serviert von Großfürsten. Alle waren sie vor der Revolution und dem Hunger in den frühen Jahren der Sowjetunion geflohen.
Wegen der Inflation war Deutschland ein beliebtes Emigrationsland. „Die deutsche Mark galt damals nichts“, erinnert sich etwa Majakowskis große Liebe Lilja Brik, „sodass wir in unerwartetem Reichtum schwelgten“. 1923, mit der Währungsreform, war es damit vorbei. Nach und nach verließen die Emigranten Berlin. Die deutschen Gesetze hatten sie ohnehin dazu gezwungen, auf gepackten Koffern in möblierten Zimmern, Hotels und Pensionen zu leben. Ein Teil der Flüchtlinge zog weiter nach Frankreich und in die USA, ein anderer Teil ging zurück und passte sich dem Sowjetregime an.
Eine, die mit ihrer Familie in Berlin blieb, war die Dichterin Vera Lourié. Während viele andere Autoren, die sich Anfang der zwanziger Jahre in Berlin versammelt hatten, in die russische Literaturgeschichte eingingen, blieb Lourié jedoch unbekannt. Zwar waren viele ihrer Gedichte, Erzählungen und Feuilletons in russischen Exilzeitschriften erschienen, aber bereits in den dreißiger Jahren verstummte sie und schlug sich in Berlin mehr schlecht als recht durch, indem sie Russischstunden gab. / Fokke Joel, Die Zeit
Das HAMBURG BALLETT: „RENKU“-Dichtaktion wird verlängert
Die zum Frühlingsanfang vom HAMBURG BALLETT initiierte Dichtaktion zum Ballett „RENKU“ wird auf die beiden Vorstellungen am 11. und 16. Mai 2014 ausgedehnt. Zahlreiche Gedichte auf Deutsch, Englisch und Japanisch, von sechsversigen Kurzgedichten bis hin zu 39-seitigen Großwerken, waren eigens für die Aktion geschrieben worden. Die große Beteiligung veranlasst das HAMBURG BALLETT, die Aktion fortzusetzen.
„Ich freue mich, dass die Dichtaktion verlängert wird“, sagt Yuka Oishi, Choreografin von „RENKU“, „uns haben wirklich wunderschöne Gedichte erreicht und ich habe den Eindruck, dass die Aktion auch zu einem besseren Verständnis für unser Ballett beiträgt“. Auch Orkan Dann, der das Ballett „RENKU“ mit Yuka Oishi choreografiert hat, zeigt sich begeistert: „Es freut mich zu sehen, wie das Publikum uns durch das Dichten nähergekommen ist und sieht, wie außergewöhnlich Kunst sein kann, wenn zwei Menschen ihre Ideen und Emotionen zusammen zum Ausdruck bringen.“
Wer bis zum Tag einer „RENKU“-Vorstellung des HAMBURG BALLETT im Mai ein Renku-Gedicht schreibt, erhält für denselben Abend eine kostenlose Eintrittskarte für das gleichnamige Ballett – am Aktions-Schalter im Foyer der Hamburgischen Staatsoper. Diese Aktion gilt für die beiden „RENKU“-Vorstellungen des HAMBURG BALLETT im Mai 2014.
Was ist ein Renku?
Renku bedeutet wörtlich „verkettete Verse“. Die Tradition des gemeinsamen Dichtens zweier oder mehrerer Autoren reicht weit in die japanische Literaturgeschichte zurück. In der Renku-Dichtung besteht die Kunst darin, einen Anschluss an den vorangegangenen Vers zu finden und dann mit einem phantasievollen Sprung in neue Schauplätze und Stimmungen einzutauchen.
Wie schreibe ich ein Renku?
Setzen Sie sich mit jemandem zusammen und schreiben Sie ein Gedicht von mindestens sechs Versen. Jeder Vers umfasst zwei bis drei Zeilen. Zwischen den Versen wechseln Sie sich ab, dabei wird das Thema des ersten Verses aufgegriffen, aber der Schauplatz oder die Stimmung gewechselt. Der Anfang sollte leicht beschwingt sein, den Frühling thematisieren. Das Ende sollte einen positiven Ausblick geben. Reime sind übrigens nicht zwingend notwendig. Mailen Sie Ihr Renku-Gedicht an renku@hamburgballett.de bis spätestens 15.00 Uhr am Tag der „RENKU“-Vorstellung, die Sie besuchen wollen. Alle ernstgemeinten Zuschriften werden geprüft und beantwortet.
Choreografie: Yuka Oishi und Orkan Dann
Musik: Franz Schubert/Gustav Mahler, Alfred Schnittke und Philip Glass
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