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Veröffentlicht am 17. Februar 2026 von lyrikzeitung
177 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Werner Schreib
(1925-1969)
[ Leute! nehmt Abschied von Gestern! ]
Leute! nehmt Abschied von Gestern!
Leute! tragt lieber volle Hosen als gar keine oder bleibt nackt!
Leute! unser aller Feind ist der Mond, wer was anderes sagt, lügt!
Leute! schlaft langsam, Ihr habt es verdient!
Leute! lebt wohl, das ist gut für den Magen!
Leute! geht! geht mit der Zeit, geht auch mal ins Kino, aber geht
zu Fuß!
Leute! laßt Euch umfunktionieren, jeder hat einen Anspruch darauf!
Leute! gebt auch dem Teufel eine Chance oder bleibt Analphabeten!
Leute! tut beizeiten das Richtige, Glücklichsein verpflichtet zu nichts!
Leute! wer den Winter liebt, hat auch kalte Füße gern!
Leute! wer aufs Ganze geht, geht auch gerne Baden!
Leute! wer weiter denkt, gießt seine Blumen selber!
Leute! richtet nicht, aber wenn Ihr richtet, richtet Eure Augen
auf die Obrigkeit!
Leute! seid progressiv, kämmt Eure Haare einzeln!
Leute nehmt Abschied von Gestern!
Aus Werner Schreib: Gott raucht nicht er braucht Pudding. Gedichte • Prosa • Happenings. Herausgegeben von Karl Riha. Hannover: Postskriptum, 1991, S. 52
Werner Schreib (* 16. März 1925 in Berlin; † 20. September 1969 bei Lorsch) war ein deutscher Maler und Grafiker. https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Schreib
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: deutsche Avantgarde Lyrik, experimentelle Lyrik, Happening Literatur, Karl Riha Edition, Leute nehmt Abschied von Gestern, Parodie Parole Gedicht, politische Lyrik 1960er, Werner Schreib, Werner Schreib Gedicht
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